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ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
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Arm und Reich – warum Deutschland darauf stolz sein kann

Wer weniger als 70 Prozent des mittleren Einkommens verdient, gilt nach einem Bericht der ZEIT bereits als „arm“, und die Anzahl dieser Armen ist Prozentual gestiegen – in 10 Jahren von 18 auf 22 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist die Anzahl der als „reich“ geltenden Bundesbürger von 16 auf 19 Prozent gestiegen – sagt die ZEIT. Allein die Zahlen der „Mittelschicht“ sanken von 64 auf 60 Prozent.

Die Frage ist, was das „Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung“ uns damit sagen will. Wenn bereits ein Einkommen von 70 Prozent des mittleren Einkommens als zu gering ("arm") eingeordnet wird und bereits 150 Prozent als „reich“, dann kann man sich genauso gut Fragen: ja, warum dann nicht 90 und 120 Pozent?

Was soll der Bürger damit anfangen? Im Grunde genommen steht er kopfschüttelnd davor. Kein Mensch in Deutschland wird Menschen mit „nur“ 70 Pozent des durchschnittlichen Einkommens als „arm“ bezeichne und nur wenige werden auf der anderen Seite glauben, dass ein Mensch, der 150 Prozent verdient, bereits „reich“ sei. Solche Zahlen liegen in ganz normalen Rahmen des Einkommensgefälles.

Dass die Mittelschicht „abstürzen“ könnte, wie vereinzelt Zeitungen schrieben, ergibt sich aus den Zahlen nun allerdings keinesfalls – sie könnten genau so gut aufsteigen.

Die Presse hatte heute natürlich nicht Besseres zu tun, als auf den an sich guten Zahlen für Deutschland Horrorvisionen heraufzubeschwören – das stärkt die Auflage und die Online-Aufmerksamkeit: Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer – das ist absolut lächerlicher Populismus – oder journalistische Schlamperei, wie man es nimmt.

Immerhin wären, wenn man die 150-Prozent-Grenze zugrunde legt, fast 20 Prozent (also ein Fünftel) der Deutschen „reich“- das wäre wahrhaftig ein Grund, stolz zu sein auf ein Land, in dem es auch heute noch möglich ist, sozial aufzusteigen. Freilich kann man in Deutschland auch soziale absteigen – wer würde es bezweifeln. Nur: Wenn wir Deutschen zu Reichtum kommen können, wie wir an dem berühmten Fünftel sehen können, dann ist es doch wundervoll, in Deutschland zu leben.

WELT (Kommentar)
DIE ZEIT (Bericht)

SAP: Kritik an der Produktpalette – in Zukunft ohne Léo Apotheker

Egal, wie groß ein Softwareunternehmen ist – es zahlt sich nicht aus, die Interessen der Kunden aus den Augen zu verlieren. Diese Erfahrung musste nach Presseberichten gerade der Softwaregigant SAP machen: Léo Apotheker ist nicht mehr Chef des deutschen Vorzeigeunternehmens. Zwar gab das Unternehmen die Gründe nicht offiziell bekannt, jedoch vermutet die Presse, dass sowohl Kunden wie auch Mitarbeiter von Apothekers Firmenpolitik immer weniger begeistert waren. Man kann aber auf Dauer als Chef weder gegen Kunden noch gegen Mitarbeiter agieren – das müsste eigentlich zum „Kleinen 1 x 1“ des Managers gehören.

„Apotheker wurde kritisiert für Verzögerungen bei der Einführung einer online-basierten Software für kleine und mittelständische Unternehmen. Auch der Versuch, die Wartungskosten in Zeiten der Finanzkrise zu erhöhen, kam nicht gut an“, sagte Hasso Plattner, einer der Gründer von SAP, dazu gegenüber der „Financial Times“.

Das Problem der SAP sei gegenwärtig die Produktpalette – dies wollen Analysten in den USA festgestellt haben. Offenbar hält man dort die Produktpolitik des Unternehmens für falsch: „SAP brauche nun eine starke Vision für Produkte, um wieder auf den richtigen Weg zu kommen“, hieß es beispielweise im Wall Street Journal nach Informationen des Handelsblattes.


Krokodilstränen um Mitarbeiter – wer sind die Profiteure?

Das Missverhältnis zwischen dem Deutschen als Kunden und als Arbeitnehmer könnte an nichts besser bewiesen werden als an dem Fall einer deutschen Drogeriekette, der jetzt allgemein Schlagzeilen macht: Schlecker. Für Journalisten ist das Thema offenbar Gold wert: Immer neue „Enthüllungen“ werden hervorgekramt, und manche Mitarbeiterin lässt sich zu einem Interview überreden. Freilich kommen dabei keine sensationellen „Fakten“ heraus, sondern Dinge, die ohnehin bereits bekannt waren.

Wenn wir akzeptieren, dass Unternehmen zunächst einmal Gewinne machen müssen, dann ist das Gewinnstreben an sich nichts Verwerfliches. Fallen nun die Gewinne durch einen ruinösen Preiswettbewerb stetig, so muss irgendwo gespart werden – und es ist wahrhaftig nicht die feine Art, dies beim Stammpersonal zu tun. Das ist der Anteil am Fall der Drogeriekette, den man mit Recht beklagen kann.

Wem aber kam der Preiskampf bisher ausschließlich zugute? Sie raten es: ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Ihnen allein. In Ihrer Verantwortung lag, dass viele kleine Drogerien mit höheren Preisen haben schließen müssen, weil Sie oft kleine Preisvorteile bei den großen Ketten gesucht und gefunden haben. Sie als Verbraucher haben die Drogerieketten groß gemacht, der Preiskampf wird vor Ihren Augen ausgetragen und nur Sie haben den wirklichen Profit davon.

Insofern sind die Tränen um die Arbeitsbedingungen zum Teil eben auch Krokodilstränen – doch davon hören wir in der Öffentlichkeit kein Wort. Es ist eben viel praktischer, mal wieder den angeblich so gierigen Kapitalismus zu verdammen. Die Schwierigkeiten des Einzelhandels werden von der einschlägigen Presse bewusst heruntergeredet, weil damit kein Leser hinter dem Ofen hervorgelockt werden kann - aber eine Angestellte, die vom Unternehmen angeblich „bewusst ausgehungert“ wurde, wie der Stern schrieb, die bringt natürlich Leser.