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ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
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Der Unwort-Unfug

Ob Bauernvorführung „Bauer sucht Frau“, Abkanzlungspopularität in DFDS oder die Unwortsuche der Jury um Professor Dieter Schlosser: Hauptsache, man ist in den Medien. Doch während die beiden erstgenannten Ereignisse als öffentlicher Klamauk hinreichend bekannt sind, wird das Unwort des Jahres zelebriert wie ein Heiligtum.

Diesmal heißt das Unwort „Betriebsratsverseucht“, und die ersten Reaktionen von Gewerkschaften zeigen, wie richtig man damit ins politische Schwarze getroffen hat. Nur, dass Betriebsratsmitglieder ihrem Unternehmen eigentlich näher stehen als den Gewerkschaften. Zudem ist dieses angebliche „Unwort“ eher ein ungehörtes Wort. Während es jetzt durchs Dorf getrieben wird wie eine Sau, war es vorher so gut wie unbekannt.

Fragt sich, was eigentlich in den Köpfen der Jury um den Frankfurter Germanisten Horst Dieter Schlosser vorgeht – und es fragt sich zudem, was die Bemerkung sollte, dieser Ausdruck „brandmarke den Tiefpunkt im Umgang mit Arbeitnehmern“. Abgesehen davon, dass ich bezweifle, dass die Jury überhaupt Kontakt zu „ganz gewöhnlichen Arbeitnehmern“ hat, ist der Ausdruck eher schelmenhaft gemeint gewesen als bösartig.

Der Deutschlandfunk-Kommentator Burkhard Müller-Ullrich schrieb dazu:

„So lächerlich die Unwortklauberei von Schlosser und seinem Verein ist, so bedenklich ist die dahinter stehende Vorstellung von Sprache.“

Genau das ist es: Man will eine reingewaschene, sozial korrekte Gutmenschensprache, verfügt nicht über den nötigen Humor, um sinnreich mit Sprache umzugehen und verdammt Ausdrücke, die zwar plakativ, aber recht exakt bezeichnen, was gemeint ist: Noch nicht lange ist es her, seit dieselbe Gruppe von Leuten das „Humankapital“ (2004) verdammt hat, das uns Deutsche am Leben erhält und die Grundlage des wirtschaftlichen Erfolg der Deutschen darstellt. Der einzige Grund, warum das humane Kapital dieses Landes nicht Humankapital genannt werden darf, liegt in der Arroganz der Elfenbeintürme.

Was der Grund für die unselige Wortwahl 2009 war, ist nicht bekannt. Vielleicht wollte man mal wieder zeigen, wie böse doch der Kapitalismus ist.

Junge Union fordert Dienstverpflichtung aller jungen Männer

Die Jugendorganisation der deutschen Christdemokratie, die Junge Union (JU) hat etwas vorgeschlagen, was die Herzen der Satiriker mal wieder so richtig hochschlagen lässt: Der Häuptling dieser Organisation in Bayern, ein gewisser Stefan Müller, der sogar inzwischen MdB ist, forderte laut Zeitungsberichten „eine Dienstpflicht für alle jungen Männer ohne Ausnahme“ einzuführen.

Derselbe Herr Müller hatte schon einmal eine gloriose Idee ähnlicher Art: Laut Wikipedia soll er der BILD-Zeitung einst folgende gesagt haben:

„Alle arbeitsfähigen Langzeitarbeitslosen müssen sich dann jeden Morgen bei einer Behörde zum ‚Gemeinschaftsdienst‘ melden und werden dort zu regelmäßiger, gemeinnütziger Arbeit eingeteilt – acht Stunden pro Tag, von Montag bis Freitag. Wer sich verweigert und nicht erscheint, muss mit empfindlichen finanziellen Einbußen rechnen.“


Na, sehen Sie mal – inzwischen hat er nicht mehr die Langzeitarbeitslosen im Sinn, sondern alle jungen Männer – und da nun sowieso eine Grundgesetzänderung fällig wäre, könnet man doch mal wieder auf die Forderung von Franz-Joseph Jung zurückkommen, der laut einem Pressebericht schon im Jahr 2005 „eine Dienstpflicht für alle Männer und Frauen“ vorschlug.

Da hat nun aber ein anderer JU-Mann bedenken, nämlich der Bundes-JU-Boss Philipp Mißfelder, der mal gleich die Mädchen ausgenommen hat und schnell äußerte, dass Frauen in diesen Konzept nicht eingebunden werden sollten.

Ja, da frage ich mich natürlich: Wenn die Jung-Unionisten mal so ratzfatz über die jungen Männer verfügen wollen und sie zum gesellschaftlichen Zwangsdienst verpflichten wollen, warum denn eigentlich nicht auch die Mädchen? Die würden doch sonst mal so hoppladihopp beruflich an den Jungs vorbeiziehen, die dann auf den Straßen Laub fegen müssten? Da könnte man doch beinahe daran denken – ein pflichtmäßiges soziales Jahr für alle Deutschen, also auch deutsche Mädchen einzuführen, nicht wahr?

Falls Sie sich jetzt an das Pflichtjahr erinnert fühlen, denn geht es Ihnen wie mir. Aber nicht erst bei den Mädchen – auch schon bei den Jungs.

Österreichs Sommerloch – der Mohr

Othello darf es noch geben – der ist schließlich von Shakespeare und bleibt auch der „Mohr von Venedig“. Und auch die Oper von diesem Herrn Grün (ja, den Herrn Verdi meinen ich) darf weiterhin „Otello – der Mohr von Venedig" heißen, auch wenn das sozial völlig inkorrekt ist. Nur die „Mohrchen im Hemde“, die dürfen weder Mohrchen noch Mohren heißen, genau so wie kein gescheiter Konditor seine Mohrenköpfe mehr Mohrenköpfe nennen darf.

Schuld an der epidemieartigen Verbreitung des Mohren-Blödsinns waren in Österreich die Medien in enger Kooperation mit den Gutmenschen – die wussten einfach, das österreichische Eiscreme rassistisch ist, wenn sie das Wort „Mohr“ verwendet.

Kann nicht mal jemand die Gutmenschen mit etwas Sinnvollen beschäftigen? Zum Beispiel Zigarettenstummel aufsammeln oder gebrauchte Kondome? Das wäre doch auch ein Thema für das Sommerloch.