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ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
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Sex und künstliche Blödheit

Wenn Softwareentwickler von „KI“ sprechen, also „künstlicher Intelligenz“, dann ist meist so etwas wie künstliche Blödheit gemeint. Besonders hellhörig sollte man aber werden, wenn von Sex und künstlicher Intelligenz die Rede ist.

Das neueste Produkt, das mit genügend künstlicher Blödheit ausgestattet ist, um aufsehen zu erregen, heißt „Roxxxy“ und ist nichts weiter als eine Sexpuppe, die zusätzlich dumm herumplappern kann. Dass man ihr angeblich fünf „Rollen“ oder „Charaktere“ mitgegeben hat und weitere frei programmierbar sind, trifft zu – wenn man die Dialoge auf das beschränkt, was man von Blechidioten erwarten kann.

Ich schreibe Ihnen dies nur wahrlich nicht im Sinne einer Anti-Computer-Kampagne. Ich war selber lange genug in der IT-Branche (etwa 20 Jahre, falls Sie es wirklich wissen wollen) und habe mich auch mit KI beschäftigt. Was in der Labermaschine Roxxxy wirklich steckt (außer Öffnungen für den Penis) ahnt jeder Programmierer, der die bisher bekannt gewordenen Dialoge verfolgt: Eliza lässt grüßen. Die „Intelligenz“ der Maschine besteht darin, englischsprachige Sätze umzuformulieren und über ein einfaches Schema ausgewählter Schlüsselwörter Sätze wiederzugeben, die dem gewählten Programm (S&M, abenteuerlustig, mütterlich, mädchenhaft, zurückhaltend) zuvor einprogrammiert wurden, und wenn das Programm nirgendwo sein Häkchen findet, an dem es sich festmachen kann, sagt das Püppchen eben: „Das ist nett“.

Nicht einmal die Presse war von dem neuen Labervogel sonderlich begeistert – das Sexpüppchen machte schon rein äußerlich nicht viel her, sondern wirkte im Gegenteil wie eine etwas unterbelichtete Vorstadttussi. Nachdem klar wurde, dass die viel gepriesene Sexautomatin nicht einmal über eine grundlegende Mimik verfügt (so etwas sah man schon gelegentlich) gingen die Besucher einer US-amerikansichen Sexmesse dann auch schnell zur Tagesordnung über. Was sie sich dachten, weiß ich natürlich nicht, aber es ist möglich, dass sie mit dem Gedanken heimgingen: „Dumm labern können andere Tussen auch“. Das Publikum von Sexmessen ist eben nicht das gleiche Publikum wie das auf Hightech-Messen – und auch dort hätte Roxxxy wohl ein kümmerliches Bild abgegeben.

Die Schlampe, die Dirne und die Dame

Wörter bedeuten nicht immer das, was die meisten Menschen damit in Verbindung bringen. Denn was dem einen sein „liederliches Frauenzimmer“ ist dem anderen seine „Dame, die es nicht so genau nimmt“. Trotz alledem hat die deutsche Sprache nur wenige offizielle Wörter für eine Dame, die ihre Gunst überwiegend gegen Geld verschenkt- wenn man einmal vom Jugend- und Zeitungsjargon absieht – und manche Begriffe werden einfach nicht mehr benutzt.

Aus dem Sprachgebrauch verschwunden ist beispielsweise das „Flittchen“, das als Vorgängerbegriff für die heutige „Schlampe“ gilt. Das Flittchen ist eine Frau, die „flittrig glänzt“, also auch an gewöhnlichen Tagen Schmuck oder jedenfalls auffällige Kleidung mit „Flittern“ trägt.

Im Amtsdeutsch war eine solche Dame lange Zeit eine Dirne. Dieses Wort kann man leicht zurückverfolge, weil es für das junge Mädchen, aber auch für die Dienstmagd stand. Die „Dirn“, die „Magd“ und das „Mädchen“ waren lange Zeit Synonyme für Bedienstete. Noch heute hat sich der Begriff „die Mädchen“ erhalten, wenn man flapsig über die Damen in Bordellen oder an Straßenrändern spricht, obwohl der Begriff „Freudenmädchen“ kaum noch verwendet wird.

Auf eine andere Tradition kann die Hure zurückblicken: Sie ist die Frau, die begehrt wurde, und sie ist auch das einzige Wort, das sich mit etwas Vernunft benutzen lässt: die „Liebliche, die verfügbar“ ist. In anderem, aber ähnlichem Zusammenhang wird sie in Zusammenhang mit der „Hurerei“ genannt, also dem Ehebruch. Das liebliche und verführerische wurde schon in früheren Wörtern verwendet, zum Beispiel in der „Hübscherin“ oder dem „Hübschweib“.

Von den vielen Wörtern aus den romanischen Sprachen ist nur im typischen Schriftdeutsch eines populär geblieben: So mancher Redakteur schreibt heute noch von einer „Prostituierten“ und glaubt, mit diesem Fremdwort richtig zu liegen. Dabei sollte das Wort längst getilgt sein – so wie die „Lebedame“ oder die „Halbweltdame“, die aus der deutschen Sprachwelt kommen und die „Kurtisane“ oder die „Konkubine“ aus der romanischen Sprachwelt.

Ein Wort bleibt noch, das viele Menschen benutzen, und dazu gehöre auch ich: die Dame. Einst zur höfischen Welt gehörig, wurde das Wort in der bürgerlichen Welt verflacht: Jede Frau war eine Dame, wenn sie ein paar Pfennig Trinkgeld gab. Von dort aus wurde die Dame dann zu „Daame“, die mit dem langen „a“ – und als solche eben auch eine Bezeichnung für die bessere Klasse der Huren.

Wenn Sie die englische Begriffswelt erforschen wollen: Bitte schön.

Übrigens finden Sie all diese Begriffe im Großen Erotik Lexikon.

YouTube entfernt Anti-Aids-Werbung von Regenbogen

Nach Informationen von RP Online hat das Video-Portal YouTube die umstrittene Anti-Aids-Werbung aus seinem Angebot wegen eines angeblichen „Verstoße gegen die Nutzungsbedingungen“ entfernt hat – die übliche Formulierung, wenn YouTube „kalte Füße“ bekommt. Der klägliche Rest ist auf YouTube hier zu sehen.

Die Werbekampagne war von der deutschen Presse, insbesondere aber von der Springer-Presse ungewöhnlich heftig kritisiert worden. Die „Deutsche Aids-Hilfe“ hatte zuvor gefordert, die Kampagne „sofort“ zu stoppen, weil das Video angeblich „alle Opfer des Nationalsozialismus verhöhne und HIV-positive Menschen mit Massenmördern gleichsetzte“, wie es dort hieß.

Noch ist das Video freilich hier bei der Konkurrenz zu sehen.

Egal, was die anderen meinen: Ich halte es für Zensur und bleibe bei meiner hier geäußerten Meinung.