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ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
  Mobil 016093095395.

Wo liegt die Wahrheit bei Apps und Aids?

Denke positiv ... aber werde nicht HIV-positiv
Wie unsere Online-Zeitungen mit der Wahrheit umgehen? Eigentlich suchen die heutigen Online-Schreiber immer nur nach Sensationen, und die finden sie massenhaft. Recherchiert wird selten - kostet ja immer so viel Zeit, nicht wahr?

Um es zu beweisen, sollten sie mal „AIDS APPS“ in Google eingeben, oder meinetwegen „HIV APPS“. Dann lesen Sie beispielsweise, dass Apps für die Verbreitung des Trippers, der Syphilis, HIV (Aids) und noch ein paar andere Krankheiten verantwortlich sind.

Immerhin machen sich einige wenige Journalisten die Mühe, die Berichte im Original zu lesen. Und dann kommt dies heraus:

Ja, man hat da Vermutungen.
Und nein, man hat keine Beweise.


Und ja, man meint eigentlich die Apps für männliche Homosexuelle.
Und nein, so etwas zu sagen, wäre politisch unkorrekt.


Die Forscher, Organisationen und wer sonst noch Informationen streut, sind im Grund ziemlich objektiv – aber sie sprechen manchmal Vermutungen aus, die dann von Presseleuten breit getreten werden wie Kuhscheiße.

Soweit heute zu „Journalismus und Wahrheit“. Am Welt Aids Tag. Das Motto der Kampagne finden Sie hier.

Sammelsurium im Sommerloch: Lolita

Was macht man als Journalist(in), um das Sommerloch zu füllen? Man könnte es mit dem Ungeheuer von Loch Ness versuchen, aber das interessiert sich nicht mehr für Sommerlöcher, weil Schottland auch ohne Seeungeheuer touristisch außerordentlich gefragt ist. Da gerade keine passenden Hurenaffären zur Verfügung stehen, hatte man fürs Sommerloch eigentlich Yvonne erfunden – nur sie ist leider eine Kuh, und wer interessiert sich auf Dauer schon für dumme Kühe?

Da endlich kam den deutschen Journalistinnen und Journalisten der Zufall zur Hilfe: „Wenn über eine alte Sache mal endlich Gras gewachsen ist, kommt sicher ein Kamel gelaufen, das alles wieder runter frisst“. Der Name des Kamels steht noch aus, der Name der Sache aber ist für den Verdummungsjournalismus klar: Lolitakomplex.

Ob Lolita-Affäre, Lolitagate (Süddeutsche) Lolita-gate, Lolita-Affäre, Lolitalapsus (FOCUS), „Lolita für Loser“ (Stern) oder Lolita-Komplex (Zeit) – überall wird der Name herumgeschleudert. Dabei wird verfälscht und geklittert, was das Zeug hält: Die literarische „Lolita“ war 12, die angebliche Lolita ist 16, und der wissenschaftlich klingende Begriff Lolita-Komplex stammt von einem Autor semi-erotischer Romane.

Ach, fragen Sie mich doch bitte nicht, was ich davon halte – Sommerloch ist Sommerloch, da legt man die Wahrheit nicht auf die Goldwaage. Fragt sich bloß, ob die Leserinnen und Leser der deutschen bürgerlichen Presse so dumm sind, auf die teils haarsträubenden Thesen der Kommentatorinnen und Kommentatoren hereinzufallen.

Schirrmacher schimpft

Was soll eigentlich die Medienwelt davon halten, wenn Herr Schirrmacher, der FAZ-Mitherausgeber, über etwas schimpft, was der Rede gar nicht Wert ist? Wenn er einen Konflikt zwischen dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen und den Verlegern anheizt, der sich am Ende gar nicht lösen lässt, weil der Internet-Benutzer nach der Qualität entscheidet - und nicht danach, wer jetzt partout recht haben will? Wenn die Qualität der Information ein Maßstab wäre, würde inzwischen manche deutsche Zeitungsredaktion ihren Online-Auftritt vom Netz nehmen müssen.

Die Sache, über die gerade gestritten wird, verhält sich ganz anders, als Herr Schirmmacher sie darstellt: Die Zeitungsverleger wollten erst gar nichts mit dem Internet zu tun haben, dann wollten sie es sozusagen im Handstreich übernehmen. Das allerdings haben sie nicht geschafft, und es ist kein Wunder, dass sie entsprechend angesäuert reagieren, wenn andere die Mediengewalt beanspruchen: Zum Beispiel Blogger oder Fernsehsender.

Allerdings haben die FAZ und all die anderen ein paar Verbündete: Die ARD- und ZDF-Hasser sowie die Gebührengegner haben nun ihr Futter. In Wahrheit aber ist es entwürdigend, wie dieser Konflikt ausgetragen wird. „Grabenkampf“ ist das einzige Wort, das mir dazu einfällt.

Ich schreibe Ihnen dies, damit Sie sich im Original informieren. Lesen Sie die beiden Artikel: Beantworten Sie sich doch bitte selber die Frage, welcher der beiden Kontrahenten noch den Charme der Gelassenheit hat, den wir von den Medien erwarten.

Schirrmacher in der FAZ
Boudgoust für die ARD