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  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
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Die neue, alte katholische Rhetorik

Die katholische Kirche hat sich nach den sogenannten „Missbrauchsvorfällen“ auf eine altbewährte Strategie besonnen: Wer uns kritisiert, hat erstens keine Ahnung von unserer Religion und will uns zweitens diffamieren. Typisch dafür sind die neuen Einlassungen des Bischofs Andreas Laun, dessen diesbezüglicher Artikel in kath.net veröffentlicht wurde. (Alle Zitate aus dem Artikel):

„Nicht wenige von denen, die die Kirche an den Pranger stellen, sind Heuchler“ und anderer Stelle: „Vor allem gilt es, eine ‚Strategie‘ anzusprechen, die besonders deutlich macht, wie sehr bestimmte Leute in erster Linie am Beschmutzen der Kirche interessiert sind und nicht an der schlimmen Sache selbst“.

Nun ist es eine Unverfrorenheit, Kritiker zu unterstellen, sie wollten die Kirche an den „Pranger stellen“ oder gar „beschmutzen“, doch das hat inzwischen Methode: Mit dem Rücken zur Wand muss man Kritiker offenbar angreifen. Das geht dann so weiter:

"Nun, es tut weh zu sehen, wie wenig der Autor am Problem selbst interessiert zu sein scheint. Weiß er wirklich so wenig über die Lehre der Kirche, hat er sich nicht die Mühe genommen, sie kennen zu lernen?“


Auch hier wird die Strategie der Rhetoriker in der Kirche klar: Sie unterstellen den Kritikern Oberflächlichkeit, und sagen mit anderen Worten: „Wenn du keine Ahnung von der Kirche hast, wie ich, der kluge Bischof, dann sagst du am besten gar nichts“ – ich zumindest erkenne darin die Rhetorik der 1950er Jahre, mit der man in der Bundesrepublik Deutschland versuchte, die kritische Jugend mundtot zu machen.

Natürlich macht der Bischof hier noch lange nicht halt, sondern bemüht nun als Zeugen für die Unfehlbarkeit seiner Meinung Gott persönlich:

„Die Kirche lehrt die Gebote Gottes, sie hat keine Kompetenz, diese zu verändern, weil es Seine Gebote sind, nicht ihre. Und wenn jemand meint, sie hätte diese Gebote, die letztlich im Herzen jedes Menschen zu lesen sind, falsch interpretiert, dann müsste der Betreffende zeigen, dass er die kirchliche Lehre wirklich kennt, alles andere ist nicht seriös.“


Alleine dieser Satz ist unseriös. Niemand muss die „kirchliche Lehre wirklich kennen“, der sich zu Gottes Geboten äußert, sondern es reicht durchaus, die Schriften des Christentums kritisch zu lesen. Zudem gab und gibt es genügend Menschen, die in der Lage sind, Gottes Gebote aus gewissen temporären Regeln des Zusammenlebens herauszufiltern.

Offenbar geht der Bischof davon aus, dass seine langatmige, aber letztlich oberflächliche Erklärung gar nicht auf religiöse Schwachpunkte abgeklopft wird, weil die Mehrzahl der Kirchenchristen keine kritischen Bibelleser, sondern Glaubensvolk sind.

Es ist schade, dass sich die Kirche nunmehr auf Rhetorik verlegt. Dazu gehört auch, nun plötzlich ständig die Belange der Opfer zu erwähnen, die von ihr nun offenbar so gerecht vertreten werden. Wenn jetzt, wie auch ich meine, zu wenig von den Opfern geredet wird, so mag dies richtig sein. Dabei wird aber vonseiten der Katholiken vergessen, dass es ja nicht die katholische Kirche gewesen ist, die zuerst auf der Seite der Opfer war, sondern die Öffentlichkeit. Aber so kann man eben Tatsachen verdrehen, bis sie wieder in das eigene Konzept passen.


Hart aber Fair – Heiner Geißler sprach Klartext

Die Diskussionsrunde um das Fehlverhalten einiger katholischer Priester und um die Aufklärungsbereitschaft der katholischen Kirche bei Frank Plasberg („Hart aber Fair“) war, wie immer, ausgezeichnet moderiert, doch sie scheiterte im Wesentlichen am Vertreter der katholischen Kirche, Weihbischof Hans-Jochen Jaschke (68), und an einem unflätig auftretenden BILD-Journalisten, Andreas Englisch, dem selbst die WELT bescheinigte, er habe „immer wieder für Gelächter“ gesorgt. Es war aber insbesondere seine Herumbrüllerei, die störte, und für die es letztendlich nach langem Ringen nur ein Beruhigungsmittel gab: Sachverstand.

Ruhe und Sachverstand in die Diskussion zu bringen, oblag dann auch dem Senior der Runde, Heiner Geißler, der mit seinen 79 Jahren erst einmal Tacheles reden musste und dem Journalisten Englisch den Unterschied zwischen einem Mönch und einem Priester erklärte, den der Journalist zuvor verbal zu verschleiern versucht hatte. Überhaupt erwies sich Geißler nicht nur als altersweiser Kenner des Lebens, sondern erteilte auch noch dem katholischen Bischof eine Lektion in Christentum, die für Kenner der Materie wie eine Ohrfeige wirken musste – die wenigsten Zuschauer werden es bemerkt haben, denke ich. Es geht dabei um den Zölibat, den die römisch-katholische Kirche in Verkennung der Wahrheit als Lehre des Religionsstifters einstuft. Auch die Abwiegelungsstrategie, die gegenwärtig vom Katholizismus benutzt wird, „anderwärts hätte es auch Missbrauch gegeben, und in der Kirche deutlich weniger“, konterkarierte Geißler, der hier wörtlich zitiert werden soll:

Die Kirche erhebt einen hohen moralischen Anspruch, unnötigerweise besonders in sexuellen Fragen. Deswegen stehen diese Missbrauchsfälle in besonderer Diskrepanz zu ihrem hohen moralischen Ross.


Zitat aus der WELT


Justizministerin bleibt hart – keine Entschuldigung

Die deutsche Justizministerin bleibt hart – und entschuldigt sich nicht bei Erzbischof Zollitsch, der ihr ein sogenanntes „Ultimatum“ gestellt hatte. Sie hat dafür auch nicht den geringsten Grund. Vielmehr wäre es angebracht gewesen, dass sich der Bischof seinerseits für das Ultimatum entschuldigen würde. Doch das tat der Chef der Bischofskonferenz nicht. Stattdessen machte er eine Staatsaffäre daraus und beschwerte sich bei der deutschen Bundeskanzlerin, Angela Merkel, über ihre Justizministerin. Über die Inhalte wurde bislang nichts bekannt, aber eines steht fest: Auch die sofortige Bekanntgabe dieses Gesprächs an die Presse durch eine Sprecherin des Bischofs deutet darauf hin, dass der deutsche Katholizismus seine Bodenhaftung inzwischen verloren hat und sich auf einen rechthaberischen Standpunkt stellt.

Es ist vermutlich das Schlechteste, was der Bischof hätte tun können. In den nächsten Tagen wird sich erweisen, wie lernfähig die katholische Kirche ist – wenn sie den Disput schürt, wird sie weiter verlieren.