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ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
  Mobil 016093095395.

Misanthropen, Gutmenschen, Schoßgebete und die Roche

Was ich Ihnen heute mit Sicherheit sagen kann: Wir werden ein riesenhaftes Mediengeschrei um das neue Buch von Charlotte Roche erleben. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite werden wieder die kleinen Misanthropen der Gutmenschenschaft ihre Plakate hochhalten, auf denen sie „Pornografie“ und noch mehr Unsinn hervorbringen werden.

Man kann schwerlich verhindern, dass es hirnlose Eiferer gibt, aber man kann dies sagen: Ein Buch ist heute nicht mehr das, was es zu Guttenbergs Zeiten war. Es wird nicht geschrieben und verbreitet, weil es wichtig ist, sondern es viele neugierige Menschen gibt, die es lesen wollen.

Das Buch „Schoßgebete“ wird gelesen werden, ohne jeden Zweifel. Wer wollte es der Autorin und dem Verleger verdenken, dass man damit jede Menge Kohle scheffeln will? Bei der Unterhaltungsliteratur geht es darum, ein großes Publikum zu erreichen, und nicht, um als „wichtiges literarisches Werk“ in die Geschichte einzugehen. Gönnen wir also allen den Erfolg und dem Buchhandel den dringend benötigten Gewinn.

Berlin: Kircheneinfluss auf die Schulen abgeschmettert

Die Kirche ist und bleibt draußen: das ist das Ergebnis des Berliner Volksentscheids. Das Ziel der Kampagne, die sich letztendlich gegen den religionsneutralen Ethik-Unterricht wandte, hat am Wochenende ihr Ziel in Berlin nicht erreicht.

Laut einer Pressemeldung votierten 51,3 Prozent der Wahlberechtigten gegen eine Gleichstellung der Religion mit dem Pflichtfach Ethik. Man könnte natürlich von einem „knappen“ Ergebnis sprechen, doch muss berücksichtigt werden, dass der Kampagnenträger „Pro Reli“ mit Sicherheit all seine Befürworter zur Wahl aufgerufen hatte, während einem Großteil der Berliner allein das Thema lästig war – sie gingen gar nicht erst zur Wahl.

Damit könnte man die Sache ruhen lassen – doch leider gibt es in Deutschland nur in Berlin und Bremen die vollständige Trennung von Staat und Kirche in den Schulen. In den übrigen Bundesländern mischt die Kirche verfassungskonform mit – und kein Mensch denkt daran, das Grundgesetz so zu verändern, dass auch hier die Kirchen aus den Schulen verschwinden.

Wer als gläubiger Kirchenchrist die Ethik von Moses und Christus verinnerlichen will, findet dazu jederzeit den richtigen Ort: Seine Kirche. Ob er mit der mosaisch-christlichen Kultur dann auch einen verlässlichen Rahmen für ethisches Handeln erhält, ist angesichts der biblischen Widersprüche zu bezweifeln. Lassen Sie sich doch bitte demnächst einmal von Ihrem Herrn Pfarrer interpretieren, welche Moral er in der Geschichte vom König David und Bathseba finden kann – dort haben Sie ein Beispiel, was in die Zeit passt – und bevor sie sich die Geschichte falsch erläutern lassen: Fragen Sie bitte danach, wer der Nachfolger von König David wurde, und welche Frau ihn geboren hat.


Sinnvolle Auseinandersetzung über Prostitution?

Nachdem nicht nur ich, sondern wohl alle Deutschen die dümmlichen Angriffe Brüsseler Feministinnen aus nordischen Ländern eben so satthaben wie die ständige Beeinflussung US-amerikanischer Gutmenschenkreise auf die deutsche Prostitutionsgesetzgebung, hat jetzt eine Wissenschaftlerin die Gründe für die Betrachtungsweise in Deutschland analysiert.

Sie setzt das schwedische „Modell“ gegen die deutsche Gesetzgebung und befindet, die Unterschiede ließen sich mit „wohlfahrtsstaatlichen, feministischen und religiösen Traditionen erklären.“

Weiter stellte sie fest, dass vor allem der schwedische Radikalfeminismus einen starken Einfluss auf die dortige Gesetzgebung gefunden habe. Die Prostitutionspolitik der schwedischen Regierung beabsichtige daher vor allem, die Gleichheit zwischen Mann und Frau herzustellen.

Zur Erinnerung: In Schweden ist die Prostitution als Anbietermarkt nicht generell verboten, wohl aber der Kauf solcher Dienstleistungen.

Nach meiner Auffassung sind die Schlussfolgerungen über Deutschland aber an den Haaren herbeigezogen: Der Einfluss der politischen Kräfte wird überschätzt, während die Meinung des Volkes im liberalen Deutschland unterschätzt wird – mit anderen Worten: Es ist nicht der Staat als Normengeber, sondern das Volk, das letztlich zu anderen Nomen gefunden hat – und ein gewisser Pragmatismus, der in Schweden fehlt: Was es gibt, das gibt es nun mal – und es kann nicht dadurch unterbunden werden, dass man es leugnet oder abdrängt.

Über einen Punkt kann man in Schweden übrigens nicht einmal reden, ohne scheel von der Seite angesehen zu werden: die Janusgesichtigkeit des neuen Gesetzes. Denn wo Prostitution als Broterwerb für die Frau gestattet ist, der Freier aber für die Bezahlung bestraft wird, ist etwas faul in der Gesellschaftsordnung. Es ist erstaunlich, mit welcher Vehemenz in Schweden solche Tatsachen ignoriert werden. Denn die schnelle Liebe wird auch in Schweden weiterhin gekauft – nur eben nicht mehr mit Bargeld in der Hand auf öffentlichen Straßen. Wie sagte mir einmal eine Freundin aus dem Norden: „Es ist in keinem Land der Welt verboten, einer Dame etwas zu schenken, wenn man den Abend mit ihr nett verbracht hat“. Nun denn – so heißt das also.

Gelesen in der Ärztezeitung