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  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
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Gedöns Familienpolitik?

Damals hatte er ins Fettnäpfchen getreten, der SPD-Kanzler Schröder. Damals, als er Familienpolitik noch als „Gedöns“ bezeichnete. Heute wird der damalige Kanzler dafür verspottet, doch bitte – was ist mit der Familienpolitik geschehen? Gemessen am Ergebnis, also an der Anzahl der Kinder, ist sie Gedöns geblieben – allerdings hat sie viel Geld gekostet. Ich weiß, was Sie jetzt sagen werden: „So darf man das nun auch wieder nicht sehen“.

Die Familienpolitik hart drei Kernfehler:

1. Historische Fehler

Der historische Fehler in der Familienpolitik hat einen Namen: Hausfrauenehe. Dahinter könnte man auch schreiben: Falsches Weltbild zur Politik gemacht, zu sehr auf die Kirchen gehört, CDU-Ideologen vertraut, das neuzehnte Jahrhundert verherrlicht. Die Versäumnisse entstanden erst dadurch:: Kinderkrippen fehlen, Kindergärten haben ungünstige Öffnungszeiten, Ganztagsschulen blieben Utopien – und Kindermädchen werden immer unerschwinglicher.

2. Geld statt Konzepte

Der Staat hilft sich damit, Eheleuten finanzielle Vorteile zu bieten und Geld an Familien zu zahlen – das hat sich bis heute nicht wesentlich verändert. Wer genügend zynisch ist, stellt dies fest: Arme Leute haben Kinder, weil sie glauben, mit mehr Kindergeld das Leben der Erwachsenen sponsern zu können. Gebildete und wohlhabende Frauen haben oft einfach deshalb keine Kinder, weil sie nichts an den staatlichen Leistungen wirklich reizt. Frauen, die alleine erziehen, werden dadurch benachteiligt, dass sie angeblich nicht bevorzugt werden dürfen - ein Skandal, aber mit Rückendeckung des Grundgesetzes.

3. Wer zu spät kommt, den bestraft die Geburtenrate

In der Familienpolitik ist Langfristigkeit angesagt. Wer heute sein „Gedöns“ an die Frau bringen will, muss Jahre warten, damit sich etwas ändert. Es müssen Beispiele her, die andere nachahmen. Irgendwann und irgendwie Krippenplätze zu schaffen ist keine Lösung, die Bestand hat, und eine halbherzige Nachmiettagesbetreuung an Schulen ist es auch nicht. Es ist eben Gedöns, das teils auch noch auf falschen Versprechungen basiert: Niemand weiß, wie freie Kindergärten finanziert werden sollen – sie sind ohnehin nicht Sache des Bundes. Dennoch wird darüber gekakelt – nichts als Gedöns. Tatsache ist: Das Denken der Familien ändert sich nicht, weil Politiker kurzfristig etwas versprechen – es ändert sich nur durch eine nachhaltige, verlässliche Politik.

Nachdenken ist nicht erlaubt

Nachdenken ist oft gar nicht erlaubt: Sachleistungen statt Geldleistungen, zum Beispiel, sprich stark überspitzt: freie Kinderkrippen statt Kindergeld. Staatliche Vorschule statt mischfinanzierter Kindergärten. Bevorzugte Förderung junger Familien statt gleichmäßiger Förderung aller Familien. Konzentration der Mittel auf Kinder statt auf Familien.

Vor allem aber: Wenn es weniger Kinder gibt, müssen diese besser ausgebildet werden. Denn ob Familien einskomma oder zwei Kinder haben, ist nicht einmal so entscheidend – wichtig ist, ob die verbleibenden Kinder lebenstüchtig, familienfreundlich, vor allem aber auch berufstätig sein werden, sodass sie später auch Kinder wollen und ernähren können.

Ich will den Schluss kurz machen: Die Familienpolitik in Deutschland hat sich nicht bewährt. Bislang ist sie Gedöns geblieben, und mit den gegenwärtigen „Zukunftsprogrammen“ wird sie es bleiben. Gesamtgesellschaftliche Anstrengungen sind nötig – und nicht der Blick auf den Wähler: Er offenbart gegenwärtig eher die Hilflosigkeit der politischen Parteien.