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ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
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Die vermeintlichen CDU/CSU-Eliten ertragen offenbar keine Kritik

So etwas muss einem erst einmal einfallen - da sagte nämlich Schleswig-Holsteins CDU-Chef Christian von Boetticher angesichts des längst fälligen Rücktritts eines Ministers:

Mit zu Guttenberg verliert das Bundeskabinett einen schwer zu ersetzenden Leistungsträger. Die Kritik an von ihm selbst eingeräumten Fehlern, die weit vor seiner Amtszeit lagen, haben in den vergangenen Tagen ein unerträgliches Ausmaß angenommen.


Wie bitte? Die Kritik hat ein „ein unerträgliches Ausmaß“ angenommen? Ja bitte schön, und was ist denn mit der Glaubwürdigkeit?

Es scheint immer noch so zu sein, als ob sich einzelne Mitglieder der CDU/CSU für die natürlichen Eliten des Volkes halten. Sie sollten sich endlich daran gewöhnen, an ihren Taten gemessen zu werden.

Christian Wulff – die bessere Wahl

Christian Wulff hat es geschafft – und damit ist dann auch „Merkels Kandidat“ durch. Doch er war und ist nicht nur „Merkels Kandidat“, sondern verkörpert auch ein völlig anderes Menschenbild, das zumindest meiner Meinung nach dem modernen Deutschland viel näher kommt als das seiner Vorgänger Horst Köhler und Johannes Rau – und übrigens auch dem Menschenbild seines Gegenkandidaten, Joachim Gauck.

Wie kein anderer deutscher Bundespräsident repräsentiert Wulff auch eine neue, moderne Familienkultur: Er lebt in zweiter Ehe in einer sogenannten „Patchwork-Familie“ und kann die Welt deshalb noch aus einer ganz anderen Perspektive sehen als all seine Vorgänger. Wie seine junge Ehefrau mit den repräsentativen Pflichten zurechtkommt, wird sich zeigen – und auch, ob sie im sozialen Bereich neue Impulse setzen wird. Eine junge Mutter an der Seite des Bundespräsidenten – das lässt darauf hoffen, dass die eingefahrenen sozialen Gleise eine neue Weiche bekommen.

Die Wahl hatte bisweilen skurrile politische Züge: Merkels Mann konnte zunächst nicht durchgebracht erden und schaffte es erst im dritten Wahlgang – das schwächt Frau Merkel ebenso wie die gesamte Regierung, die ohnehin kaum noch Ansehen beim deutschen Volk genießt. Sollet Frau Merkel nun ihre bisherige „Aussitzhaltung“ beinbehalten, wird sie bald endgültig das Ansehen des Volkes verlieren – und das ihrer Partei dazu. Der Machtmensch Merkel wird sich wohlmöglich letztmalig darüber klar werden müssen, dass es nicht reicht, Konkurrenten abzudrängen, sondern dass man auch treue, aber dennoch kritische Gefolgsleute nachziehen muss. Da reicht eine einzige „Kronprinzessin“ in Person der Ursula von der Leyen nicht.

Für die FDP steht vor einem riesigen Scherbenhaufen - vielleicht schlägt man sich noch eine halbe Legislaturperiode schlecht und recht durch – aber dann muss der Koalitionswechsel kommen – und mit ihm Menschen, in die das Volk wirklich Vertrauen haben kann.

Was die Linkspartei am Wahltag vollführte, lässt sich am besten so zusammenfassen: „Wir wollen um jeden Preis opponieren“. Man erlebte einen sichtlich nervösen und deutlich überforderten Gregor Gysi, der die Meinung seiner Partei nicht einmal schlüssig vortragen konnte, und eine Partei der Verweigerer, die sich nun fragen lassen muss, ob sie jemals bereit sein wird, der Demokratie aktiv zu dienen. Wer „Afghanistan“ und „Hartz IV“ in die Bundespräsidentenwahl einbringt, wie es Linksparte-Sprecher gestern taten, muss sich zudem fragen lassen, ob er überhaupt verstanden hat, warum es bei der Wahl eines Bundespräsidenten geht – oder sich der Polemik bezichtigen lassen.

Hannelore Kraft – am Ende ihrer Kraft ein falsche Signal

Was Hannelore Kraft will, weiß inzwischen nur noch sie selbst – und was die SPD will, bleibt auch ein Rätsel. Aus der strahlenden Siegerin wurde mittlerweile die typische SPD-Verliererin, für die gegenwärtig niemand mehr einen Pfifferling gibt.

Dennoch viel sie regieren, die Frau Krafft. An Ende ihrer Kraft beabsichtigt sie , mit der SPD und den Grünen einer Minderheitsregierung zu bilden, die klammheimlich auf die Stimmen der Linkspartei hofft – eine Schande für Nordrhein-Westfalen.

Man wünscht jedem Politiker Glück, den das Volk gewählt hat – aber Frau Krafft gibt nun die Ypsilanti. Aller Voraussicht nach wird ihr bei einer Minderheitenregierung das Schicksal von Frau Ypsilanti nicht erspart bleiben, und das wäre auch gut so. Sollte es Frau Krafft im Fall einer immerhin noch möglichen Neuwahl dennoch schaffen, die Mehrheit nur mithilfe der Grünen zu erlangen – bitte, das wäre doch was. Aber was jetzt passiert, verdient nur einen Namen: Murks.