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ihre worte - neu geschrieben
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Abgeschmackte Bettszene oder "das Leben, wie es ist"?

Kulturkritiker – nehmen wir einmal an, das Schmalspurgebiet der Fernsehkritik würde dazuzugehören – maßen sich immer wieder an, Herren über die Sexualmoral zu sein. Man erkennt dies deutlich an den zahlreichen offenen und vielen heimlichen verrissen der Knicker-Knacker-Bürgerpresse , die sich am neuen Buch von Charlotte Roche versucht. Die meisten scheitern, weil „Schoßgebete“ nicht diejenige Art von Literatur ist, die sie kennen.

Doch davon soll nicht die Rede sein, sondern von Carsten Heidböhmes Kritik am Schweizer „Tatort“ von gestern. Der Film war in sich nicht vollständig logisch, aber handwerklich hervorragend gemacht. Und selbst Carsten Heideböhm muss erkennen, dass die Schweiz nun einmal nicht Deutschland ist – ein Schweizer Film muss nun einmal Schweizer Eigenarten haben.

Der Kern liegt aber darin, dass der STERN-Kritiker seinen Leser verkaufen will, im Film sei eine „abgeschmackte Bettszene“ enthalten. Nun, es gibt deren Zwei, und beide sind weder abgeschmackt noch überflüssig. Offenbar missfällt dem Kritiker die kühle Art, in der die erste Szene angelegt ist, nämlich so: Der Held und die Heldin arbeiten zusammen, und wer sehen kann, erkennt bald die etwas kühle Erotik zweier moderner Menschen, die Sex als Genuss, aber nicht unbedingt als emotionale Bindung sehen. Die Lustszene wird durchaus raffiniert, wenngleich äußerlich unglaubwürdig eingebunden: Da sind Tauben, die in das Zimmer der Dame eingedrungen sind, und ein Bett voller Vogelkot hinterlassen haben, und so muss man eben in „seinem“ Zimmer beieinander schlafen, woraus dann miteinander schlafen wird. Die Szene ist schon deshalb nicht abgeschmackt, weil sie nicht als morgendliche Kuschelromanze endet, sondern mit einem halb leeren Bett: Sie hat bekommen, was sie wollte, und das reichte ihr. In einem – wie ich meine – sehr sensiblen Dialog wird der ONS später noch einmal kommunikativ aufbereitet, und genau diesen Dialog hätte sich der Kritiker besser anhören sollen, um die Szene ganz und gar zu verstehen.

Die Frage bleibt, warum die deutsche Presse die neue Spießbürgerlichkeit pflegt. Menschen kommen heute nun einmal zusammen, haben Sex und verabschieden sich wieder. Die Frage kann dabei gar nicht sein, ob dies gut oder schlecht ist, sondern ob es mittlerweile häufig geschieht.

Daran kann nun allerdings kein Zweifel bestehen: Sex ohne Liebe ist ein neues Zeitphänomen, und es darf und soll auch so dargestellt werden.