Skip to content

  Aktuelle Informationen

ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
  Mobil 016093095395.

Der Unwort-Unfug

Ob Bauernvorführung „Bauer sucht Frau“, Abkanzlungspopularität in DFDS oder die Unwortsuche der Jury um Professor Dieter Schlosser: Hauptsache, man ist in den Medien. Doch während die beiden erstgenannten Ereignisse als öffentlicher Klamauk hinreichend bekannt sind, wird das Unwort des Jahres zelebriert wie ein Heiligtum.

Diesmal heißt das Unwort „Betriebsratsverseucht“, und die ersten Reaktionen von Gewerkschaften zeigen, wie richtig man damit ins politische Schwarze getroffen hat. Nur, dass Betriebsratsmitglieder ihrem Unternehmen eigentlich näher stehen als den Gewerkschaften. Zudem ist dieses angebliche „Unwort“ eher ein ungehörtes Wort. Während es jetzt durchs Dorf getrieben wird wie eine Sau, war es vorher so gut wie unbekannt.

Fragt sich, was eigentlich in den Köpfen der Jury um den Frankfurter Germanisten Horst Dieter Schlosser vorgeht – und es fragt sich zudem, was die Bemerkung sollte, dieser Ausdruck „brandmarke den Tiefpunkt im Umgang mit Arbeitnehmern“. Abgesehen davon, dass ich bezweifle, dass die Jury überhaupt Kontakt zu „ganz gewöhnlichen Arbeitnehmern“ hat, ist der Ausdruck eher schelmenhaft gemeint gewesen als bösartig.

Der Deutschlandfunk-Kommentator Burkhard Müller-Ullrich schrieb dazu:

„So lächerlich die Unwortklauberei von Schlosser und seinem Verein ist, so bedenklich ist die dahinter stehende Vorstellung von Sprache.“

Genau das ist es: Man will eine reingewaschene, sozial korrekte Gutmenschensprache, verfügt nicht über den nötigen Humor, um sinnreich mit Sprache umzugehen und verdammt Ausdrücke, die zwar plakativ, aber recht exakt bezeichnen, was gemeint ist: Noch nicht lange ist es her, seit dieselbe Gruppe von Leuten das „Humankapital“ (2004) verdammt hat, das uns Deutsche am Leben erhält und die Grundlage des wirtschaftlichen Erfolg der Deutschen darstellt. Der einzige Grund, warum das humane Kapital dieses Landes nicht Humankapital genannt werden darf, liegt in der Arroganz der Elfenbeintürme.

Was der Grund für die unselige Wortwahl 2009 war, ist nicht bekannt. Vielleicht wollte man mal wieder zeigen, wie böse doch der Kapitalismus ist.