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ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
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Tatort: Fans freuen sich, Zuschauer gähnen Krimi ab

Was machen eigentlich Kriminalistin? Eigentlich, so sollte man meinen, lösen sie Fälle. Oder sie sind so kauzig, dass man sich allein daran erfreuen darf. Doch was sind eigentlich Schenk und Ballauf aus Köln? Ein paar Kneipen-Philosophen, die man eher am Stammtisch vermuten würde?

Da freut man sich angeblich, wenn die Würstchenbude mal wieder auftaucht. Na bitte – das war für die Fans sicherlich ein Highlight. Doch was gab es eigentlich sonst?

Aha – Nachtigall, ick hör dir trapsen – Gesellschaftskritik, angeblich (da sind sich Kritiker immer schnell einig) durchaus angebracht. „Die Mittelschicht stirbt“ – aber daran stirbt man nicht. Und irgendwie interessiert in einem Krimi auch gar nicht, ob nun die Mittelschicht, die Oberschicht oder das Proletariat zuerst stirbt, sondern warum jemand sterben musste. Klar – die ARD-Tatorte wurden schon immer dazu genutzt, mal etwas „politische Bildung“ unters Volk zu bringen … und sie waren darin schon immer einseitig. Eine Kritikerin wusste über das Ermittler-Team, es würde "Rheinische Sozialpädagogik" verbreiten. Oh, ARD! lass uns bitte mit rheinischer Volksbildung in Ruhe! Das passt besser zu Stratmanns. Da weiß man wenigstens gleich, dass sie eher zur Satire taugt.

Ach – ja, es gab hin und wieder eine Handlung – aber sie war einfach öde. Und dass es jemand aus dem Umfeld der Familie sein musste – nun ja, wer sonst? Ein Journalist als Täter? Da lachen ja die Hühner – und der Zuschauer gähnt.

Leute – der Tatort ist ein Dinosaurier, und diese Art von Kommissaren besteht nur noch vor Omas und Opas und Kuschelsofas. Klar?

Der alte Scheiß in neuen Tüten - auf einen Schlag

Der alte Scheiß in neuen Tüten sollte eigentlich das aussagen, was in der Schlagerbranche, mehr aber noch in der sogenannten "Volksmusik-Branche" üblich ist: "Den alte Scheiß in neuen Tüten" zu verkaufen. Aber war dabei herauskam, war der ziemlich verkrampfte Versuch, mit viel Anstrengung und einem mehr als skurrilen Ermittlerteam "etwas Neues" zu schaffen.

Neue Kommissarinnen sind nicht deswegen gut, witzig oder bedeutsam, weil sie Frauen sind. Und warum die Regie die neuen Damen im Ost-Krimi alle bis zur Unkenntlichkeit des Tons nuscheln lässt, weiß auch niemand.

Wenn ich es recht verstanden habe: Man wollte nicht den alten, abgestandenen Scheiß bringen, der seit langem „Tatort“ heißt. Nun gut. Aber eine Kriminalkomödie war’s auch nicht. Was war es dann? „Härte und Herzlichkeit“ oder „Innovation um jeden Preis? Oder: Scheiß drauf, das Publikum frisst es sowieso?

Der Aufschrei kam allerdings von ganz anderer Seite: Die Volksmusikbranche fühlte sich geoutet. Wo billigste Gefühlskonserven auf einen lukrativen Massenmarkt treffen, da darf man nicht einmal im Krimi andeuten, dass immer wieder die gleichen Klischee-Gefühle hinausgeträllert werden.

Die Massenpresse allerdings wusste sofort, dass sie mit den Wölfen heulen musste, und stelle sich sofort auf die Seite der vor Selbstmitleid triefenden Schnulzensänger.

Und die „üblichen Verdächtigen“ bei den Kritikerinnen und Kritikern? Die waren begeistert, wussten aber eigentlich nicht, warum. Nun ja, irgend etwas muss man wohl schreiben, nicht wahr? Zumal, wenn fast 10 Millionen Menschen zugesehen haben. Ja, ja … kein schön‘rer Tod in dieser Zeit, als hier beim Tatort lang und breit. Wo wir uns anöden mit all den and'ren Blöden, zu Krimizeit.

TATORT „Du gehörst mir“: Abschalten, endlich abschalten …

Klischees, Kitsch, künstlich erzeugte Empathie. Die Tatort-Krimis, die rund um die Kommissarin Odenthal geschrieben werden, haben immer weniger Substanz – und was da fehlt, wird mit Groschenroman-Empathie gefüllt. Am Ende hat man nur einen Wunsch: Den Abschaltknopf zu drücken vor lauter Rührkitsch. „Lena Odenthal schaltet die Geräte ab“, schreibt die SZ-Kritikerin. Hätte man nur das Fernsehgerät zeitig ausgeschaltet, so wäre uns diese Szene und manche andere erspart geblieben.

Warum sagte sich der Sender nicht einfach: Das „System Odenthal“ ist aufgebraucht, ein neues Konzept muss her? Irgendwie weiß man es dort offenbar. Odenthal: „Es ging mir beschissen, Kopper, ich bin ausgebrannt“.

Wie wahr. Beschissen ist die Figur schon seit längerer Zeit.