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ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
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Butter bei die Fisch, Angela Merkel

Es wird Zeit, in der Politik Tacheles zu reden – und genau das erwarten die Bürger von Angela Merkel. Doch das tut sie nicht, und mit jedem Tag, an dem sie schweigt und das Schiff Deutschland eine ungewisse Zukunft treiben lässt, umso mehr werden die Bürger wütend.

Sicher, die meisten Bürger, die sich jetzt gegen Angela Merkel wenden, haben die Nase voll von ihrer Nicht-Flüchtlingspolitik, sagen aber, sie wären gegen ihre Flüchtlingspolitik. Das ist nicht sehr klug, aber auch nicht zu vermeiden. Wo keine erkennbare Politik betrieben wird, entstehen Hohlräume, die schnell von rechten Fanatikern gefüllt werden. Niemand kann, sagen wir einmal, eine Finanzpolitik machen, wenn der Finanzminister planlos handelt, und siehe – der Finanzminister handelt sehr planvoll. Aber Frau Merkel behauptet, eine Flüchtlingspolitik aus dem Hut zaubern zu können, indem sie „Simsalabim“ sagt oder „wir schaffen das“ – das ist ein Bluff.

Wer dieser Ansicht ist, ist nicht rechts und nicht links und nicht bös und nicht gut: Er fordert nur ein, was dem Bürger zusteht. Und das ist sehr einfach: die gewählten Parlamentarier, Minister oder nicht zuletzt die Kanzlerin müssen Kompetenz zeigen und Verantwortung für ihr Tun übernehmen.

Gerade hat sich FDP-Chef Lindner geäußert – und er hat, wie so viele vor ihm, absolut recht: Politik braucht keine Illusionen, und Bürgern darf kein Sand in die Augen gestreut werden. Die Frage, wie sich der Zustrom von Flüchtlingen auswirkt, was sie also kurz-, lang- und mittelfristig für unser Land bedeuten, ist ungeklärt. Sie zu klären und dabei den Verstand zu gebrauchen, statt mit edlen Motiven und einfältigen Sprüchen um sich zu werfen – das wird erwartet. Also: Butter bei die Fisch (1), Angela Merkel. Falls es nicht schon zu spät ist.

(1) "Butter bei die Fisch(e)" ist Mundart. Der Ausdruck besagt, dass Leute, die herumreden, endlich einmal Klartext reden sollten.

Erinnerungen an Helmut Schmidt

Es war einmal ein Hamburger Senator, der … nein, es ist nicht die Zeit für Märchen. Zum ersten Mal hörte ich von diesem Mann während der Flutkatastrophe in Hamburg. Als Norddeutscher, Hanseat und gebürtiger Bremer mag ich Menschen, die sich am Machbaren orientieren, klare und logisch nachvollziehbare Entscheidungen fällen und sich dann bescheiden zurücknehmen.

Das war also das erste Mal, dass mir der Senator aus Hamburg auffiel. Für mich hat nie eine Rolle gespielt, dass Helmut Schmidt SPD-Mitglied war – ich habe die Person gesehen, und den späteren Bundeskanzler bewundert, der so ganz anders war als der Moralist Brandt oder gar die schrecklichen Menschen, die zuvor Bundeskanzler waren. Adenauer, der ultrakonservative rheinische Katholik schien mir wie aus einer anderen Welt zu sein, Erhard war schrecklich farblos und unsicher, und Kurt Georg Kiesinger so unbedeutend, dass man sich kaum noch an ihn erinnert.

Da regierte er also mit den Freunden aus der liberalen Demokratie, und er macht das ausgezeichnet. Ich hörte in dieser Zeit oft seine Redebeiträge im Bundestag, die meist geschliffen klangen und scharf auf den Punkt kamen. Diese Art, sich zu artikulieren, hatte und hat Seltenheitswert – nicht nur im Parlament. Ob Helmut Schmidt im Jahr 1982 selber die Nase voll hatte vom Regieren gegen die eigene Partei? Man weiß es nicht genau. Tatsache ist aber, dass ihm die FDP in den Rücken fiel. Wenn jemand einem Hanseaten in den Rücken fällt, ist dies ein Vertrauensbruch besonderer Art – man mag manches tun, was ein Hanseat stoisch verzeiht – aber einen Vertrauensbruch nicht.

Ich war am 1. Oktober 1982 im Büro, wo man erstaunlicherweise Fernseher aufgestellt hatte, um die mögliche Abwahl von Helmut Schmidt zu sehen, und für mich brach damit zunächst eine Welt zusammen. Jetzt sollte dieser CDU-Emporkömmling Helmut Kohl, „Birne“ genannt, die Regierung führen?

Sie alle wissen, wie das konstruktive Misstrauensvotum ausging. Das konservative Deutschland jubelte, und schon am nächsten Tag wurden reißerische Plakate aufgehängt: „Jetzt lohnt Leistung wieder." Ein schrecklicher, dummdreister Spruch, der ganz der Verblendung der CDU-Mitglieder damals entsprach. Die alte Clique war wieder an der Macht – so dachte ich jedenfalls damals.

1982 ist lange her – seit über 30 Jahren. Ich in darüber alt geworden, und sowohl die SPD wie auch die Freie Demokratische Partei sind nicht mehr das, was sie damals waren. Die CDU allerdings auch nicht.

Was mich wirklich wurmt, sind diese aalglatten Figuren in der heutigen Politik, die oberflächliche, oft verlogene Reden schwingen. Und dann denke ich: Wann wird es wieder einen so aufrechten, pragmatischen und klugen Menschen geben wie diesen Helmut Schmidt, der nun verstorben ist.

Und manchem jungen Politiker, der jetzt irgendetwas vom Blatt abliest, wenn er nun über den Staatsmann Schmidt spricht, würde ich raten, sein Gehirn einmal auf Hohlräume untersuchen zu lassen.

Christian Wulff – die bessere Wahl

Christian Wulff hat es geschafft – und damit ist dann auch „Merkels Kandidat“ durch. Doch er war und ist nicht nur „Merkels Kandidat“, sondern verkörpert auch ein völlig anderes Menschenbild, das zumindest meiner Meinung nach dem modernen Deutschland viel näher kommt als das seiner Vorgänger Horst Köhler und Johannes Rau – und übrigens auch dem Menschenbild seines Gegenkandidaten, Joachim Gauck.

Wie kein anderer deutscher Bundespräsident repräsentiert Wulff auch eine neue, moderne Familienkultur: Er lebt in zweiter Ehe in einer sogenannten „Patchwork-Familie“ und kann die Welt deshalb noch aus einer ganz anderen Perspektive sehen als all seine Vorgänger. Wie seine junge Ehefrau mit den repräsentativen Pflichten zurechtkommt, wird sich zeigen – und auch, ob sie im sozialen Bereich neue Impulse setzen wird. Eine junge Mutter an der Seite des Bundespräsidenten – das lässt darauf hoffen, dass die eingefahrenen sozialen Gleise eine neue Weiche bekommen.

Die Wahl hatte bisweilen skurrile politische Züge: Merkels Mann konnte zunächst nicht durchgebracht erden und schaffte es erst im dritten Wahlgang – das schwächt Frau Merkel ebenso wie die gesamte Regierung, die ohnehin kaum noch Ansehen beim deutschen Volk genießt. Sollet Frau Merkel nun ihre bisherige „Aussitzhaltung“ beinbehalten, wird sie bald endgültig das Ansehen des Volkes verlieren – und das ihrer Partei dazu. Der Machtmensch Merkel wird sich wohlmöglich letztmalig darüber klar werden müssen, dass es nicht reicht, Konkurrenten abzudrängen, sondern dass man auch treue, aber dennoch kritische Gefolgsleute nachziehen muss. Da reicht eine einzige „Kronprinzessin“ in Person der Ursula von der Leyen nicht.

Für die FDP steht vor einem riesigen Scherbenhaufen - vielleicht schlägt man sich noch eine halbe Legislaturperiode schlecht und recht durch – aber dann muss der Koalitionswechsel kommen – und mit ihm Menschen, in die das Volk wirklich Vertrauen haben kann.

Was die Linkspartei am Wahltag vollführte, lässt sich am besten so zusammenfassen: „Wir wollen um jeden Preis opponieren“. Man erlebte einen sichtlich nervösen und deutlich überforderten Gregor Gysi, der die Meinung seiner Partei nicht einmal schlüssig vortragen konnte, und eine Partei der Verweigerer, die sich nun fragen lassen muss, ob sie jemals bereit sein wird, der Demokratie aktiv zu dienen. Wer „Afghanistan“ und „Hartz IV“ in die Bundespräsidentenwahl einbringt, wie es Linksparte-Sprecher gestern taten, muss sich zudem fragen lassen, ob er überhaupt verstanden hat, warum es bei der Wahl eines Bundespräsidenten geht – oder sich der Polemik bezichtigen lassen.