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  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
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Bundesregierung verstört Bevölkerung: Aktion Eichhörnchen 2016

Adenauer war Kanzler und Heinrich Lübke Ernährungsminister, als die deutsche Bundesregierung ihr Volk zum Anlegen eines Notvorrats überreden wollte. Dieser „Krisenvorrat“ war nach Meinung der Beamten wichtig, um die Zeit zu überbrücken, der der Staat benötigt, um eine „organisierte Verteilung“ (Rationierung) ins Leben zu rufen. Das Volk indessen nahm die Mahnung nicht an: schrecklich schmeckendes Büchsenfleisch der Einfuhr- und Vorratsstelle, das regelmäßig wegen Überalterung ausgetauscht werden musste? Nein, danke. Und dann versuchte man es mit „niedlicher“ Angstpropaganda: Das Eichhörnchen hoppelte nun überall herum und schrie: „Denke dran, schaff Vorrat an.“

Die ZEIT schrieb damals:

Der propagandistische Aufwand für die staatliche Erziehungsmission verdient jedenfalls Beachtung. Jährlich werden, damit sich in der Bevölkerung das Eichhörnchen-Bewußtsein ausbilde, 1,2 bis 1,5 Millionen Mark ausgegeben.


Der Staat ließ freilich nicht locker: Ein gewisser Hüttebräuker, Staatssekretär, sagte anno 1964 der Presse, die Wiederaufnahme der Eichörnchen-Dröhnererei seitens des Staates, „stehe in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit den alarmierenden Vorgängen in der Welt.“ Die Lage war damals vergleichsweise harmlos, wenn man einmal von der Dauerbedrohung „… wenn der Russe kommt“ mal absieht. An die hatte man sich damals gewöhnt. Dass ganz Deutschland, Ost wie West, wir, in diesem Fall zum kalkulierten Todesacker Europas seitens unserer „Freunde“ bestimmt war, ahnten damals viele, sagten aber nur wenige. Da hätte auch das Eichhörnchen nichts mehr genützt.

Wenn der Hafer sticht ... Beamte, Parlament, Regierung?

Irgendwie muss selbst die Volksvertretung mal wieder der Hafer gestochen haben. Und der Regierung wird voraussichtlich gut passen, wenn sie demnächst verkünden darf, dass zwar kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen "den alarmierenden Vorgängen in der Welt" und der neuerlichen Eichhönchen-Aktion bestehe, man aber das Wohl des Volkes vorausschauend im Kopf haben müsse, falls dies doch der Fall sei. So verunsichert man das Volk.

Zugleich wird die Diskussion um Vorräte an Wasser, Mehl und Konserven davon ablenken, dass der Kanzlerin und der Regierung derzeit Konzepte für fast alles fehlen. Obgleich jeder in Berlin weiß: die neuerliche Beschäftigung mit dem Eichhörnchen ist nichts weiter als eines dieser langwierigen, nahezu sinnlosen Konzeptionen, wie sie sich Beamte ausdenken, für die der bedrohliche „Krisenfall“ so fremd ist wie für alle anderen Deutschen auch.

Immerhin ist der Neo-Eichörnchen-Vorrat nun „individuell“ anzulegen, und zwar für 10 Tage. Ob wir noch erfahren werden, welcher Krisenfall gemeint ist? Im Moment jedenfalls sorgt die Regierung vor allem wieder dafür, dass man sich an Nebenschauplätzen der Politik ereifert. Und dafür, dass die Schwätzer an den Stammtischen und die Labervögel an den Würstchenständen sich mal wieder den Mund fusselig reden können. Denn übers Fressen und Saufen, da kann schließlich jeder reden. Möglicherweise muss man dann im Osten auch wieder nach Banane anstehen.

Siehe auch: FAZ.

Butter bei die Fisch, Angela Merkel

Es wird Zeit, in der Politik Tacheles zu reden – und genau das erwarten die Bürger von Angela Merkel. Doch das tut sie nicht, und mit jedem Tag, an dem sie schweigt und das Schiff Deutschland eine ungewisse Zukunft treiben lässt, umso mehr werden die Bürger wütend.

Sicher, die meisten Bürger, die sich jetzt gegen Angela Merkel wenden, haben die Nase voll von ihrer Nicht-Flüchtlingspolitik, sagen aber, sie wären gegen ihre Flüchtlingspolitik. Das ist nicht sehr klug, aber auch nicht zu vermeiden. Wo keine erkennbare Politik betrieben wird, entstehen Hohlräume, die schnell von rechten Fanatikern gefüllt werden. Niemand kann, sagen wir einmal, eine Finanzpolitik machen, wenn der Finanzminister planlos handelt, und siehe – der Finanzminister handelt sehr planvoll. Aber Frau Merkel behauptet, eine Flüchtlingspolitik aus dem Hut zaubern zu können, indem sie „Simsalabim“ sagt oder „wir schaffen das“ – das ist ein Bluff.

Wer dieser Ansicht ist, ist nicht rechts und nicht links und nicht bös und nicht gut: Er fordert nur ein, was dem Bürger zusteht. Und das ist sehr einfach: die gewählten Parlamentarier, Minister oder nicht zuletzt die Kanzlerin müssen Kompetenz zeigen und Verantwortung für ihr Tun übernehmen.

Gerade hat sich FDP-Chef Lindner geäußert – und er hat, wie so viele vor ihm, absolut recht: Politik braucht keine Illusionen, und Bürgern darf kein Sand in die Augen gestreut werden. Die Frage, wie sich der Zustrom von Flüchtlingen auswirkt, was sie also kurz-, lang- und mittelfristig für unser Land bedeuten, ist ungeklärt. Sie zu klären und dabei den Verstand zu gebrauchen, statt mit edlen Motiven und einfältigen Sprüchen um sich zu werfen – das wird erwartet. Also: Butter bei die Fisch (1), Angela Merkel. Falls es nicht schon zu spät ist.

(1) "Butter bei die Fisch(e)" ist Mundart. Der Ausdruck besagt, dass Leute, die herumreden, endlich einmal Klartext reden sollten.

Und mir wird Bach und Bächer

Ich will zu Tschaikowsky und lande bei Bach. Bach, Bächer, am Bächsten. In Leipzig gibt’s derzeit nur noch Bach. Am Markt herrscht Bachmosphäre und das Gewandhaus bot eben auch Bach – statt Tschaikowsky und Co. „Wir haben es auch erste am Eingang erfahren“ raunt uns ein älteres Ehepaar zu, aber „es soll schon seit September bekannt sein.“

Also höre ich diesen Bach, bearbeitet von Mendelssohn, der ja zu Leipzig wohlbekannt ist. Man gibt – zeitlich nicht ganz passend – die Matthäuspassion in der Leipziger Bearbeitung – zuletzt daselbst aufgeführt vor 175 Jahren. Ich glaube, ohne zu zögern, dass es schwer war, die Aufführung noch einmal in ähnlicher Weise nachzuvollziehen. Bewundere den Mut und den Aufwand.

Dies Konzert mag – für Puristen wie für Extremisten – ein Ereignis besonderer Art gewesen sein. Für mich war es einfach nur ein Musikstück mit viel Chor, das um den christlichen Religionsstifter in einer etwas märchenhaften Weise kreist. Schnee von gestern sozusagen, etwas für Musikwissenschaftler und vielleicht für manche Christen.

Und: Ich bin zur Pause gegangen. Eine Stunde Religionskunde hat mir gereicht. Und zu der Zeit fuhren auch noch mehrere S-Bahnen.