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Ich bin 2010 verfügbar:
Im September 2010:
Ich suche Aufträge aus den Bereichen Dating, Beziehungen und Liebe.
Im nun folgenden Blog finden sie Meinungsbeiträge, also keine Arbeitsproben.
Kontakte und Anfragen erbitte ich über meine Webseite.
Dienstag, 15. Juni 2010
Wer weniger als 70 Prozent des mittleren Einkommens verdient, gilt nach einem Bericht der ZEIT bereits als „arm“, und die Anzahl dieser Armen ist Prozentual gestiegen – in 10 Jahren von 18 auf 22 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist die Anzahl der als „reich“ geltenden Bundesbürger von 16 auf 19 Prozent gestiegen – sagt die ZEIT. Allein die Zahlen der „Mittelschicht“ sanken von 64 auf 60 Prozent.
Die Frage ist, was das „Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung“ uns damit sagen will. Wenn bereits ein Einkommen von 70 Prozent des mittleren Einkommens als zu gering ("arm") eingeordnet wird und bereits 150 Prozent als „reich“, dann kann man sich genauso gut Fragen: ja, warum dann nicht 90 und 120 Pozent?
Was soll der Bürger damit anfangen? Im Grunde genommen steht er kopfschüttelnd davor. Kein Mensch in Deutschland wird Menschen mit „nur“ 70 Pozent des durchschnittlichen Einkommens als „arm“ bezeichne und nur wenige werden auf der anderen Seite glauben, dass ein Mensch, der 150 Prozent verdient, bereits „reich“ sei. Solche Zahlen liegen in ganz normalen Rahmen des Einkommensgefälles.
Dass die Mittelschicht „abstürzen“ könnte, wie vereinzelt Zeitungen schrieben, ergibt sich aus den Zahlen nun allerdings keinesfalls – sie könnten genau so gut aufsteigen.
Die Presse hatte heute natürlich nicht Besseres zu tun, als auf den an sich guten Zahlen für Deutschland Horrorvisionen heraufzubeschwören – das stärkt die Auflage und die Online-Aufmerksamkeit: Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer – das ist absolut lächerlicher Populismus – oder journalistische Schlamperei, wie man es nimmt.
Immerhin wären, wenn man die 150-Prozent-Grenze zugrunde legt, fast 20 Prozent (also ein Fünftel) der Deutschen „reich“- das wäre wahrhaftig ein Grund, stolz zu sein auf ein Land, in dem es auch heute noch möglich ist, sozial aufzusteigen. Freilich kann man in Deutschland auch soziale absteigen – wer würde es bezweifeln. Nur: Wenn wir Deutschen zu Reichtum kommen können, wie wir an dem berühmten Fünftel sehen können, dann ist es doch wundervoll, in Deutschland zu leben.
WELT (Kommentar)
DIE ZEIT (Bericht)
Montag, 8. Februar 2010
Egal, wie groß ein Softwareunternehmen ist – es zahlt sich nicht aus, die Interessen der Kunden aus den Augen zu verlieren. Diese Erfahrung musste nach Presseberichten gerade der Softwaregigant SAP machen: Léo Apotheker ist nicht mehr Chef des deutschen Vorzeigeunternehmens. Zwar gab das Unternehmen die Gründe nicht offiziell bekannt, jedoch vermutet die Presse, dass sowohl Kunden wie auch Mitarbeiter von Apothekers Firmenpolitik immer weniger begeistert waren. Man kann aber auf Dauer als Chef weder gegen Kunden noch gegen Mitarbeiter agieren – das müsste eigentlich zum „Kleinen 1 x 1“ des Managers gehören.
„Apotheker wurde kritisiert für Verzögerungen bei der Einführung einer online-basierten Software für kleine und mittelständische Unternehmen. Auch der Versuch, die Wartungskosten in Zeiten der Finanzkrise zu erhöhen, kam nicht gut an“, sagte Hasso Plattner, einer der Gründer von SAP, dazu gegenüber der „ Financial Times“.
Das Problem der SAP sei gegenwärtig die Produktpalette – dies wollen Analysten in den USA festgestellt haben. Offenbar hält man dort die Produktpolitik des Unternehmens für falsch: „SAP brauche nun eine starke Vision für Produkte, um wieder auf den richtigen Weg zu kommen“, hieß es beispielweise im Wall Street Journal nach Informationen des Handelsblattes.
Dienstag, 26. Januar 2010
Das Missverhältnis zwischen dem Deutschen als Kunden und als Arbeitnehmer könnte an nichts besser bewiesen werden als an dem Fall einer deutschen Drogeriekette, der jetzt allgemein Schlagzeilen macht: Schlecker. Für Journalisten ist das Thema offenbar Gold wert: Immer neue „Enthüllungen“ werden hervorgekramt, und manche Mitarbeiterin lässt sich zu einem Interview überreden. Freilich kommen dabei keine sensationellen „Fakten“ heraus, sondern Dinge, die ohnehin bereits bekannt waren.
Wenn wir akzeptieren, dass Unternehmen zunächst einmal Gewinne machen müssen, dann ist das Gewinnstreben an sich nichts Verwerfliches. Fallen nun die Gewinne durch einen ruinösen Preiswettbewerb stetig, so muss irgendwo gespart werden – und es ist wahrhaftig nicht die feine Art, dies beim Stammpersonal zu tun. Das ist der Anteil am Fall der Drogeriekette, den man mit Recht beklagen kann.
Wem aber kam der Preiskampf bisher ausschließlich zugute? Sie raten es: ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Ihnen allein. In Ihrer Verantwortung lag, dass viele kleine Drogerien mit höheren Preisen haben schließen müssen, weil Sie oft kleine Preisvorteile bei den großen Ketten gesucht und gefunden haben. Sie als Verbraucher haben die Drogerieketten groß gemacht, der Preiskampf wird vor Ihren Augen ausgetragen und nur Sie haben den wirklichen Profit davon.
Insofern sind die Tränen um die Arbeitsbedingungen zum Teil eben auch Krokodilstränen – doch davon hören wir in der Öffentlichkeit kein Wort. Es ist eben viel praktischer, mal wieder den angeblich so gierigen Kapitalismus zu verdammen. Die Schwierigkeiten des Einzelhandels werden von der einschlägigen Presse bewusst heruntergeredet, weil damit kein Leser hinter dem Ofen hervorgelockt werden kann - aber eine Angestellte, die vom Unternehmen angeblich „bewusst ausgehungert“ wurde, wie der Stern schrieb, die bringt natürlich Leser.
Sonntag, 8. November 2009
Wenn es in Deutschland eine Volksabstimmung nach Schweizer Vorbild geben würde, dann würden die Politiker in manchen Bundesländern wie auch im Bund selbst jetzt mit den Ohren wackeln: Das deutsche Wählervolk will keine OPEL-Staatshilfe.
Die geht jedenfalls aus einer Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" hervor. Im Grunde ist nur allzu verständlich, warum das deutsche Volk anders denkt als die deutschen Regierungen. Aus dem Osten hört man beispielsweise: „Wo waren denn die großen Sanierer und Retter, als die Industrie in manchen gebieten der ehemaligen DDR schlagartig zusammenbrach?“ Die Antwort kennen wir: weil die Unternehmen in Thüringen, Sachsen und den anderen neuen Bundesländern unrentabel waren. Kein Mensch führte damals das Wort „Arbeitsplätze“ im Munde, das heute von der SPD und den Gewerkschaften immer wieder vollmundig präsentiert wird.
Das Volk der Bundesrepublik Deutschland wird sich auf Änderungen in der Industrielandschaft einstellen müssen. Es wird hinnehmen müssen, dass sich die Welt wandelt und mit ihr die Republik und mit der Republik auch die Bundesländer – bis hinunter zu den Regionen und den Arbeitsplätzen vor Ort.
In der gegenwärtigen sogenannten „OPEL-Krise“ wird das Pferd von hinten aufgezäumt: Die Arbeitsplätze sollen sich möglichst nie verändern, die Standorte nicht und die Bundesländer auch nicht. Ja nicht einmal die Bundesrepublik selbst soll sich wandeln: Nein, wenn es nach Gewerkschaften und SPD ginge, dann müsste sich die Welt wandeln, müsste sich das System verändern.
Man mag den Bürger mit solchem omnipotenten Gehabe zeitweilig imponieren können – aber man hält die Welt und die in ihr befindlichen Tendenzen nicht auf, indem man Länderpolitik macht.
Von Politiker erwartet man, dass sie jede Tendenz dieser Erde in einen Nutzen für das eigene Volk verwandeln – und nicht, dass sie das Volk ermuntern, gegen den Strom der Zeit zu opponieren. Das aber geschieht im Moment: Statt großzügig in Bildung und Ausbildung zu investieren und die technische Intelligenz zu fördern, damit sie uns eine lebenswerte Welt erhält, macht sich die Politik Gedanken um OPEL-Standorte. Da kann man nur sagen: Wie kurzfristig dürfen Politiker eigentlich denken?
Mehr im SPIEGEL
Donnerstag, 5. November 2009
Zu OPEL muss man als Zeitungsleser eines wissen: Der „Fall Opel“ hat eine politische Sichtweise und eine wirtschaftliche. Die politische wird stark strapaziert, und möglicherweise sogar mit Recht: Vor der Wahl hatte sich mancher Politiker viel zu weit aus dem Fenster gelehnt.
Doch aus wirtschaftlicher Sicht sieht die Sache nicht einmal so schlecht aus: Was Deutschland wirklich auszeichnet, ist nicht der Bau von Automobilen, sondern der Geist, der sie entwirft und verwirklicht. Da hat ein Teil der sogenannten „OPELANER“ nun wirklich ausgezeichnete Karten – und auch Deutschland kann froh sein, das man mit der Entwicklung im Land bleibt.
Die Standorte, an denen Automobile gebaut werden, müssen sich hingegen ohnehin auf einen Wandel einstellen: Man kann ein Auto überall in Europa bauen, und man kann auch unterschiedliche Herstellernamen auf die Kühlerhaube schrauben, wenn es sinnvoll ist. Die vielen Standorte in Deutschland sind nur bedingt sinnvoll – man wird einige von ihnen infrage stellen müssen, wenn man andere erhalten will.
In der Welt des Massenautomobils besteht heute nur noch, wer groß genug ist – und wer kleine Autos zu günstigen Preise produzieren will, kommt um wirtschaftliche Größe nicht mehr herum. Das ist so einfach und so logisch, dass es vielleicht sogar die Politik eines Tages verstehen wird.
Mehr in der RP über das, was GM Opel zu bieten hat.
Mittwoch, 4. November 2009
Noch vor der Bundestagswahl wurde gemunkelt, dass nach dem Wahltag bei OPEL möglicherweise alles ganz anders aussehen würde. Doch dann verhielt sich die deutsche Presse merkwürdig ruhig. Zwar gab es immer wieder Gerüchte, dass GM der Inhaber on Opel bleiben wolle, doch wurden diese Informationen stets nur auf Sparflamme gekocht.
Heute nun geben sich die Politiker in Deutschland allesamt betroffen: Sie gehen an die Presse und reden, was das Zeug hält.
Selbst ein Konservativer kritisiert nun plötzlich das Verhalten von GM mehr als heftig und tönt lautstark: „Dieses Verhalten von General Motors zeigt das hässliche Gesicht des Turbokapitalismus“.
Man sollte deutschen Politikern in der gegenwärtigen Situation dringend raten, sich mit einer derartigen Kritik zurückzuhalten. Ob man nun die GM-Entscheidung liebt oder nicht: Im Grunde genommen ist ein einmaliger, harte Einschnitt bei OPEL bei weitem besser als ein Dansiechen auf Raten – und dies vor allem im Hinblick auf den Steuerzahler, der bei den staatlich gelenkten OPEL-Sanierungsversuchen allemal der Gelackmeierte gewesen wäre.
Wirklich belämmert steht nun der OPEL-Betriebsrat da, der ebenfalls blauäugig alle Hinweise darauf ignorierte, dass GM OPEL nun doch nicht verkaufen wollte. Da man alle Asse auf „Plan M.“ gesetzt hatte, dürfte für „Plan G.“ nicht einmal ein Konzept in der Schublade liegen.
Im Grunde genommen kann man diese Frage natürlich genau so gut an die Politik stellen. Also: Warum gab es keinen „Plan G.“? Ich wage eine Prognose: Weil er vor der Wahl politisch unerwünscht war. Nun wird man ihn erstellen müssen.
Mehr Politikerstimmen bei n-tv
Freitag, 23. Oktober 2009
Wer kritisch liest, was die „ Süddeutsche Zeitung“ heute schreibt, kommt um eine Frage nicht herum: „Was bitte, bedeutet die angebliche neue Hoffnung für die Quelle?“
Denn was eine „abgespeckte Form“ sein könnte, wird nicht deutlich – die Investoren wollen offenbar die Namen, unter denen die Quelle derzeit firmiert: Quelle®, Webschatz® und Privileg®. Angeblich soll der Vertrieb dieser Waren wie bisher über Katalogversand, Internet und stationäre Läden stattfinden, jedoch wird sich jeder Investor langfristig überlegen müssen, wie lukrativ heute noch das traditionelle Kataloggeschäft ist.
Wenn überhaupt, ist dies ein Tropfen auf den heißen Stein – und keine neue Hoffnung, sondern eher eine übertriebene Erwartung.
Freitag, 23. Oktober 2009
Nach Medienberichten konnte sich General Motors nicht dafür entscheiden, die von der EU verlangte Erklärung abzugeben, dass die Entscheidung zum Verkauf an Magna frei von einer Einflussnahme der Bundesregierung fiel. Vielmehr wollen gut informierte Kreise wissen: "Das war nicht der Fall, weil uns nie eine Alternative zu Magna gelassen wurde".
Damit ist der OPEL-Deal wieder offen – und die OPEL-„Retter“ haben wieder einmal nasse Füße. Der November wird voraussichtlich zeigen, ob das Wasser für sie noch höher steigt. Jedenfalls soll nach Informationen verschiedener Zeitungen auch die Treuhand noch zögern, den gewünschten Brief an Brüssel zu schreiben.
Mehr wusste die ftd.
Mittwoch, 21. Oktober 2009
Ein Jahrzehnt Internet geht an einem Versandhandelsunternehmen nicht einfach vorbei. Der rasche Marktwandel vom breit gestreuten Kataloggeschäft auf das Internetgeschäft hätte den Verantwortlichen bei Quelle eigentlich auffallen müssen - aber offenbar handelte man dort nach dem Motto. „Nichts sehen, nichts hören und nicht sprechen“.
Nun ist das endgültige „aus“ für die Quelle gekommen – und da fragt man sich inzwischen wirklich, wen es eigentlich noch wundert: Die Dinosaurier werden immer trauriger. Es ist keinesfalls so, dass „der Kapitalismus“ die kleinen Unternehmen frisst und die großen begünstigt, wie uns die Dauerbeschaller mit Antikapitalismus-Parolen von Linksaußen dauernd sagen wollen – im Gegenteil. Das Internet hat neuen Gründern ihre Chance gegeben, wenngleich auch sie nach einigen Jahren wieder zu den Dinosauriern gehören werden. Das Leben besteht in Anpassung, nicht darin, sich ein dickes Fell zuzulegen und darauf auszuruhen.
Ein wenig Licht fällt angesichts der Insolvenz auf die Interventionen einiger CSU-Politiker, die absolut noch mehr Geld aus dem Steueraufkommen der Bundesrepublik Deutschland in die Quelle pumpen wollten: Das Geld wäre früher oder später ebenfalls futsch gewesen. Was mit den 50 Millionen Euro passiert ist, die man der Qualle bereits gegeben hat – darüber wusste nicht einmal die ftd Deutschland etwas Genaueres. Angeblich sei der Kredit „gut abgesichert“ – da wäre natürlich gut zu wissen, mit was er abgesichert wurde.
Ob das Beispiel auch ein Lehrbeispiel für die OPEL-“Rettung“ ist? Möglicherweise nicht mehr, weil es dafür bereits zu spät ist. Klarheit hat man hier jedenfalls immer noch nicht.
Montag, 19. Oktober 2009
Die deutsche Bundeskanzlerin hatte sich beim OPEL-Verkauf sehr weit vorgewagt – möglicherweise zu weit, wie viele schon damals meinten. Nun will das „ Wall Street Journal“ wissen, dass möglicherweise doch noch „Plan B“ zum Tragen kommen muss – die erneute Übernahme von OPEL durch General Motors.
Dies versetzt die sogenannten „OPELANER“ in helle Aufregung – sie fürchten um ihre Arbeitsplätze. Doch auch die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hat gewichtige Gründe, am OPEL-Deal zu zweifeln: In einem Schreiben an die deutsche Regierung hieß es, man habe Hinweise, dass die von der Bundesregierung zugesagten finanziellen Hilfen vom Verkauf an Magna abhängig gemacht würden – und dies sei ein Verstoß gegen EU-Recht. Gleich, wie ihr Vorstoß ausgeht – das nationale Getue um OPEL und die Krokodilstränen über mögliche Werksschließungen anderwärts belasten das Verhältnis der deutschen Regierung zu Europa schon seit längerer Zeit.
Es zeigt sich, dass die Entscheidung, OPEL an Magna zu verkaufen, viele Fragen aufwirft, von denen die meisten ohnehin erst nach dem Verkauf beantwortet würden. Ob nun der „Sanierungsfall OPEL“ ganz neu aufgerollt werden muss, wird sich wohl in den nächsten Tagen entscheiden – und alles bleibt so spannende wie am Anfang.
Sonntag, 13. September 2009
So nach und nach sickern die ersten Brocken der Wahrheit über den Sanierungsfall OPEL durch. Der Stellenabbau wird beispielsweise gehandelt wie beim Orakel zu Delphi – da fragte zum Beispiel die „Welt am Sonntag den GM-Europachef Carl-Peter Forster „ Reicht die angepeilte Zahl von rund 10 000 abzubauenden Stellen?“ und Forster antwortete nonchalant: „ Das sind die Zahlen, die im Konzept von Magna genannt werden. Wir fragen uns derzeit eher, ob wir die Größe der Werke reduzieren oder mehr Fabriken schließen“.
Auch der Opel-Käufer Magna hat inzwischen durchblicken lassen, dass zu den bisher bekannt 3000 abzubauenden Stellen in der Produktion noch 1.100 Stellen in der Verwaltung kommen sollen, die abgebaut werden müssten.
Die "nationale" Karte sticht nicht
Eines der Hauptprobleme des gesamten OPEL-Desasters ist allerdings noch kaum genannt worden: der nationale Unterton, der in der deutschen Verhandlungsführung und leider auch in der deutschen Presse oft mitschwingt: Man denkt Hessisch, man denkt Deutsch – und das heißt in der Summe, man hat Europa längst vergessen. Allein dies könnte sich als schwerwiegender Fehler erweisen, denn man wird die Fabriken früher oder später eben doch dort bauen müssen, wo die Autos gebraucht werden und die Löhne niedrig sind – und nicht dort, wo der Markt gesättigt ist und die Löhne hoch sind. Auch der nationale Stolz, jetzt OPEL als angeblich “Deutsches“ Unternehmen führen zu können, ist nichts als eine bewusste Vernebelung der Tatsachen: Ohne GM geht gar nichts bei OPEL, und bis auf die Belegschaftsbeteiligung ist keiner der Eigner wirklich Deutsch, ja nicht einmal wirklich europäisch.
Allrad- und Eletrotechnologie als Rettung?
Sand in den Augen? Nur weil Magna über Allradtechnologie und ein bisschen Erfahrung mit Elektroantrieben hat, wie die FAZ argumentiert? Da darf man ja wohl einmal fragen, welche Erfahrungen Magna mit der Massenproduktion von Kleinwagen und Fahrzeugen der Kompaktklasse hat, einem Segment, in dem OPEL immerhin stark vertreten ist.
Wenn Opel sich behaupten will, dann muss kooperiert werden – mit wem auch immer, denn ein wirklich einmaliges und überzeugendes Automobilkonzept hat der Autobauer aus Rüsselsheim nicht.
Die Konkurrenzlage bietet wenig Lücken: Die schickeren und eleganteren Autos kommen aus Frankreich, die vergleichbaren aus Deutschland und Japan. Käufer, die emotionslos sind und nach Preis und Qualität entscheiden, haben also die freie Auswahl. Wird der OPEL wählen? Das wird die wichtigste Frage der Zukunft sein, und sie wird mit Sicherheit nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten der Käufer entscheiden. Die nämlich handeln nach wie vor nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, auch, wenn es die Politik nicht mehr tut.
Quellen (teilweise Zitate)
Welt (Zitat)
FAZ
Spiegel
Freitag, 11. September 2009
Die deutsche Presse war heute selten einhellig der Meinung, dass der Verkauf von OPEL an Magna keines der Probleme des deutschen Autobauers lösen wird.
Besonders FAZ-Kommentator Georg Meck hat Tacheles geredet: Ein Bieterwettkampf habe gar nicht stattgefunden, schreibt er, sondern es sei überwiegend darum gegangen, das Geld des deutschen Steuerzahlers einzuheimsen. Wörtlich heißt es in der FAZ:
„ Was die Herren aus Österreich, Russland, Belgien, anfangs auch aus Italien und China, reizt, sind moderne Fabriken, tolle Ingenieure, der Zugang zu neuen Märkten - und das Geld des deutschen Steuerzahlers.“
Der wird letztendlich nun die Zeche zahlen – und das ist nicht nur ein Ärgernis, sondern kommt einer Verhöhnung des deutschen Volkes nahe – da wird man sich fragen dürfen: zu wessen Gunsten? Der Kommentator stellt noch einmal die Kernfragen: Warum muss ausgerechnet der Staat einen Autobauer „ künstlich am Leben halten“? Es gibt keine vernünftige Antwort auf die Frage. Damit Herr Koch (CDU) in Hessen triumphieren kann, wie gestern Abend vor den Fernsehkameras? Ist das der Preis, den das deutsche Volk zahlen soll? Dann ist er zu hoch, und zwar viel zu hoch.
Wirtschaftskreise raufen sich heute die Haare über den Magna-Deal, der als ein politischer Deal gilt, und fast überliest man dabei einen Satz, der heute oft verwendet wird: Die Wahrheit erführe Deutschland erst nach der Bundestagswahl.
Donnerstag, 10. September 2009
Heute wird ein großer Teil der sogenannten Opelaner jubeln, und auch der Betriebsrat und die Bundesregierung werden wohl ein kleines Freudentänzchen wagen, denn der Regierungs- und Opelaner-Wunschkandidat Magna hat den Zuschlag im Übernahmepoker erhalten, wie die deutsche Bundeskanzlerin heute stolz verkündete.
Allerdings ist da noch ein Häkchen an der Sache: Die Konditionen scheinen noch nicht zu stimmen, denn General Motors ließ außerdem verlauten, „die endgültigen Details müssen aber noch ausgehandelt werden“, was darauf hindeutet, dass man mit dem Übernahmeangebot von Magna noch nicht hinreichend zufrieden ist.
Magna galt den Deutschen vor allem als so attraktiv, weil zugesichert wurde, dass „alle vier deutschen Opel-Standorte“ erhalten werden sollten, was wirtschaftlich als bedenklich angesehen wird, politisch aber selbstverständlich ins Kalkül der deutschen Regierung passt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, was nun aus dem Rest von General Motors in Europa wird, beispielsweise aus Vauxhall.
Zu Euphorie besteht jetzt weniger Anlass als je zuvor. Dass OPEL nun „gerettet“ ist, glaubt kaum jemand in der deutschen Wirtschaft - es sei denn, die Gewerkschaften. Erst die nächsten Tage, Wochen und Monate werden Aufschluss darüber geben, was die Nachricht von heute eigentlich wert ist.
Quelle: FAZ-Net
Kritik vom Handelsblatt.
Dienstag, 25. August 2009
Es gab von Anfang an Zweifel am deutschen Konzept zur Opel-Rettung, die mehr von politischem Opportunismus als von sinnreichem Pragmatismus getragen wurde: Denn OPEL braucht nach Ansicht aller Wirtschaftsexperten einen Partner, der ebenfalls Autos verkauft – und nicht nur peripher mit der Automobilindustrie verschwistert ist. Zudem war allen klar, dass auch Vauxhall innerhalb des GM-Konzerns eine Bedeutung hat – aber das europäische Denken ist den deutschen immer dann nicht gegeben, wenn seine Landesfürsten die Machtkarte spielen.
Nun will die Financial Times über Insiderinformationen verfügen, die signalisieren: Vielleicht wird OPEL gar nicht verkauft, sondern bleibt bei GM – und dies sogar dann, wenn deutsche Betriebsräte und Gewerkschaften darüber ganz anderer Meinung sein sollten. Doch im Moment glaubt man seitens der deutschen Gewerkschaften noch, Machtkarten ausspielen zu können. „Wir müssen den Druck auf Detroit erhöhen", hieß es nach Angaben der Financial Times. Da kann man nur im Sinne der Belegschaft von OPEL hoffen, dass die falsche Botschaft in Detroit keinen Gegendruck erzeugt, denn die Macht liegt gegenwärtig einzig und allein in Detroit – und die besseren Argumente leider auch. Mit Ideologien Unternehmen retten zu wollen, zahlt sich nicht aus.
Montag, 24. August 2009
Die OPEL-Rettung wird vielleicht einmal in die Geschichte eingehen als eine der größten Seifenblasen der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Denn die Macht sitzt bei der US-amerikanischen Regierung und beim Mutterkonzern in den USA, und nicht bei der deutschen Bundesregierung oder den „Opelanern“, wie man die Beschäftigten verniedlichend nennt. Da mutet merkwürdig an, wenn der Betriebsrat ausrechnet jetzt lospoltert und eine Machtkarte ziehen will, über die er gar nicht verfügt – die Drohung mit der Rücknahme der Zusagen finanzieller Zugeständnisse wird nämlich einen Partner überhaupt nicht jucken: General Motors.
Der Betriebsrat sollte wissen: Die Machtkarte kann nur der spielen, der die Macht hat. Die deutschen OPEL-Beschäftigten haben sie gegenwärtig nicht – und wenn man sie nicht hat, dann sollte man auch keine große Lippe riskieren. Auch das Verhalten der Gewerkschaft ist befremdlich: Eine rein deutsche OPEL-Gruppe wird es kaum geben, dazu ist OPEL zu klein. Doch wo weit und breit kein anderer Autobauer zu sehen ist, der ernsthaft mit OPEL kooperieren will, wird auch der Gewerkschaft wohl nichts anderes übrig bleiben, als sich mit GM zu befreunden.
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