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Junge Union flicht alte Zöpfe –das Lied der Deutschen

Ach, da will ein gewisser Paul Ziemiak mir sagen, was ich zu fühlen habe. Nämlich dies:

Gerade jetzt, wo so viele Menschen zu uns kommen, sollten wir ein Zeichen setzen, dass unsere Nationalhymne das ausdrückt, was wir fühlen.


Was fühlen den „wir“, lieber Herr Paul Z., seines Zeichens Boss der „Jungen Union“ und gerade mal 30 Jahre alt?

Nehmen wir einmal an, er hätte, wie Kohl und Weizsäcker, die dritte Strophe des Lieds der Deutschen gemeint. Sie heißt:

Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand –
Blüh' im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland!


Ja, ja … das deutsche Vaterland. Als das Gedicht entstand, war Deutschland herzlich uneins – immerhin gab es, wenn ich recht weiß, damals 39 Deutsche „Heimaten“. Klar war also, was von Fallersleben wollte: ein einiges Deutschland. Und das haben wir ja nun. Basta. In Einigkeit und Recht und Freiheit. Sofern wir diese Werte verteidigen.

Und nun ergibt sich die Frage, von diesem Paul Z., was wir denn nun dabei fühlen sollen, oder wollen oder wozu wir vielleicht demnächst gezwungen werden sollen. Soll das Nationalgefühl alle anderen Empfindungen überschatten? Sollen wir Abschied von Europa nehmen? Oder gar unsere persönliche Identitäten verleugnen? Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn man in Schwaben, Bayern oder Sachsen die deutsche Sprache einführen würde statt der dort herrschenden Dialekte.

Aber das ist gar nicht gemeint. Sondern irgendein dubioses Gefühl, das sich offenbar bei dem Wort „Vaterland“ einstellen soll.

Lieber Herr Ziemiak. Ich bin Deutscher, und das schon durch viel mehr Generationen als Sie. Und ich weiß, wie sich „Deutsch sein“ anfühlt – im Inland und im Ausland. Und ich fühle dabei alles, was ich in vielen Auslands- und Inlands-Jahren in mehreren deutschen Bundesländern an Erfahrungen eingesammelt habe. Und ich kann Ihnen versichern: Das ist etwas mehr als der schwammige Begriff vom „deutschen Vaterland“ oder dem „gemeinsamen Fühlen“.

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