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Christian Wulff – die bessere Wahl

Christian Wulff hat es geschafft – und damit ist dann auch „Merkels Kandidat“ durch. Doch er war und ist nicht nur „Merkels Kandidat“, sondern verkörpert auch ein völlig anderes Menschenbild, das zumindest meiner Meinung nach dem modernen Deutschland viel näher kommt als das seiner Vorgänger Horst Köhler und Johannes Rau – und übrigens auch dem Menschenbild seines Gegenkandidaten, Joachim Gauck.

Wie kein anderer deutscher Bundespräsident repräsentiert Wulff auch eine neue, moderne Familienkultur: Er lebt in zweiter Ehe in einer sogenannten „Patchwork-Familie“ und kann die Welt deshalb noch aus einer ganz anderen Perspektive sehen als all seine Vorgänger. Wie seine junge Ehefrau mit den repräsentativen Pflichten zurechtkommt, wird sich zeigen – und auch, ob sie im sozialen Bereich neue Impulse setzen wird. Eine junge Mutter an der Seite des Bundespräsidenten – das lässt darauf hoffen, dass die eingefahrenen sozialen Gleise eine neue Weiche bekommen.

Die Wahl hatte bisweilen skurrile politische Züge: Merkels Mann konnte zunächst nicht durchgebracht erden und schaffte es erst im dritten Wahlgang – das schwächt Frau Merkel ebenso wie die gesamte Regierung, die ohnehin kaum noch Ansehen beim deutschen Volk genießt. Sollet Frau Merkel nun ihre bisherige „Aussitzhaltung“ beinbehalten, wird sie bald endgültig das Ansehen des Volkes verlieren – und das ihrer Partei dazu. Der Machtmensch Merkel wird sich wohlmöglich letztmalig darüber klar werden müssen, dass es nicht reicht, Konkurrenten abzudrängen, sondern dass man auch treue, aber dennoch kritische Gefolgsleute nachziehen muss. Da reicht eine einzige „Kronprinzessin“ in Person der Ursula von der Leyen nicht.

Für die FDP steht vor einem riesigen Scherbenhaufen - vielleicht schlägt man sich noch eine halbe Legislaturperiode schlecht und recht durch – aber dann muss der Koalitionswechsel kommen – und mit ihm Menschen, in die das Volk wirklich Vertrauen haben kann.

Was die Linkspartei am Wahltag vollführte, lässt sich am besten so zusammenfassen: „Wir wollen um jeden Preis opponieren“. Man erlebte einen sichtlich nervösen und deutlich überforderten Gregor Gysi, der die Meinung seiner Partei nicht einmal schlüssig vortragen konnte, und eine Partei der Verweigerer, die sich nun fragen lassen muss, ob sie jemals bereit sein wird, der Demokratie aktiv zu dienen. Wer „Afghanistan“ und „Hartz IV“ in die Bundespräsidentenwahl einbringt, wie es Linksparte-Sprecher gestern taten, muss sich zudem fragen lassen, ob er überhaupt verstanden hat, warum es bei der Wahl eines Bundespräsidenten geht – oder sich der Polemik bezichtigen lassen.

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