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1968er - das Imperium schlägt zurück – und scheitert

Nicht nur der deutsche Bischof Mixa, sondern auch andere einflussreiche Kreise in der katholischen Kirche glauben, Angriff sei die beste Verteidigung, und die 1968er wären eben doch an etwas Schuld. Nicht an allem, versteht sich, aber eben doch an etwas.

Als Kronzeugin für die Verwerflichkeit der 1968er versucht die Katholiken-Postille „Tagespost“ Sophie Dannenberg zu einer Stellungnahme zu bewegen, die mit ihrem Roman „Das bleiche Herz der Revolution“ (2004 erschienen) zwar Talent, aber keinerlei Einfühlungsvermögen in die Zeit vor 1968 bewies. Dies hinderte die Tagespost allerdings nicht, reißerisch zu behaupten, sie habe „das Establishment in den Feuilletonredaktionen an seiner empfindlichsten Stelle getroffen: den Lebenslügen von 1968“. Ob die 1971 geborene Schriftstellerin wirklich kompetent genug ist, die ganze Tragweite der 1968er Bewegung zu erfassen, muss bezweifelt werden – sie ist ja in eine Zeit hineingewachsen, als sie bereits die Erfolge der 1968er ernten konnte. Wie auch immer – als Kronzeugin eignete sie sich offenbar nicht, denn auf die Frage, ob sich die „Sexualmoral der 68er, die sich als antirepressive und freiheitsfördernde verstand, damit nicht in ihr Gegenteil verkehrt (wurde)?“, antwortete sie zwar zuerst „natürlich“, fuhr dann aber fort:

„Übrigens ist es ein Gerücht, dass erst die 68er sich für einen liberaleren Umgang mit der Sexualität einsetzten. Es gibt schon seit der vorletzten Jahrhundertwende eine breite kulturgeschichtliche Strömung zur Veränderung, zur Liberalisierung von kulturellen Wahrnehmungsstrukturen. In der Wissenschaft wird dieser Wandel von der Psychoanalyse begleitet, in der Politik vom Sozialismus, in der Ästhetik vom Jugendstil … insofern sind die 68er historisch nachvollziehende Erben dieser Tendenz, die ja auch grundsätzlich gar nicht zu verurteilen ist, sondern interessante und wichtige Ergebnisse hervorgebracht hat.“


Generell macht die Autorin allerdings den Fehler der meisten Intellektuellen: Im Grunde nimmt sie an einem wissenschaftlichen Grabenkrieg teil, der sehr abseits der Realität stattfand. Denn die 1968er waren nicht nur ein paar Leute, die große Reden führten und in Kommunen lebten oder sich über Wilhelm Reich unterhielten. Es waren vielmehr ganz gewöhnliche Menschen, die sich endlich frei fühlten, durften, nachdem sie als Kriegs- und Nachkriegskinder weiterhin dem Bürgermief ausgesetzt waren, den im Wesentlichen die Regierungen unter der Führung von Konrad Adenauer verkörperten. Ich behaupte einmal, dass kein nach 1960 geborenes Kind in irgendeiner Weise nachfühlen kann, in welcher Weise der deutschen Jugend die damalige Befreiung genützt hat.

Vielleicht sollte man es einmal so sagen: Die 1968er haben kulturell und intellektuell da wieder angesetzt, wo die erste deutsche Demokratie aufgehört hatte – genau das hatten etliche CDU-geführten Regierungen versäumt – oder sollte man gleich schreiben „zu verhindern gewusst“?

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