„Wir sind das Volk“ – ja sicher, was denn sonst. Es steht seit Jahrzehnten so in unserer Verfassung. Was sollte dort auch sonst stehen? Im Internet habe ich solche Dinge gefunden wie "sind wir nun ein Volk"? Das ist mir, mit Verlaub, gleichgültig. Wenn die Bayern oder die Sachsen partout ein anderes Volk sein wollen – man mag sich dort nennen, wie man will.
Sind wie nun eine Nation? Offenbar, wenn ich die Sache richtig verstanden habe. Die Nation bindet uns nur sehr bedingt, denn außer Deutschen sind wir eben auch noch Rheinländer, Schwaben, Niedersachen oder Bremer. Abgesehen von dieser Perspektive gibt es auch noch eine höhere Ebene: Wir sind Eu-Inländer. Das zählt für manchen mehr als die Nationalität.
Die Kultur habe ich übrig gelassen. Als ich jung war, lernte ich, dass wir uns über germanische, griechische und christliche Wurzeln definieren. Das geht natürlich gar nicht wirklich zusammen – das Germanische, besser das Indogermanische, sind unsere Grundlagen, während das Römische uns die Kultur brachte. Die Mär von der griechischen Kultur in Deutschland ist – mehr oder weniger - eine Gymnasiallehrererfindung. Die „christliche“ Kultur? Die Importware aus dem Orient war nie wirklich die Kultur des Volkes. Wenn es eines Beweises bedarf: Sehen Sie sich doch an, wie die germanischen Völker Ostern und Weihnachten begehen.
Eine gemeinsame Kultur? Welche denn, Bitte schön? Ich kann weder zwischen Ost und West noch zwischen Nord und Süd eine wirklich verbindende Kultur erkennen. Lediglich die Hochsprache verweist mich darauf, dass wir einander hören und lesen können. Wenn das gemeinsame Kultur ist - na bitte. Schließlich haben wir wenigstens teilweise einen gemeinsamen Rundfunk und ein gemeinsames Fernsehen.
Kultur? Ich kann auf die Pappnasenkultur der Rheinländer so gut verzichten wie auf die eigenbrötlerische Sprachkultur der Schwaben und Badener. Wenn ich ein Deutscher bin, dann deshalb, weil ich mich zu Deutschland bekenne – bei all seinen Mängeln.
Was ich im Herzen bin? Ein Bremer natürlich – und wie so viele Bremer, die sich nicht über den Sportverein Werder, sondern über Handel und Wandel definieren, lebe ich inzwischen außer Landes.