Die erste BRIGITTE ohne Model ist da - na und? Wir hören
sattsam Bekanntes vom Chefredakteur: "Einen Platzhalter brauchen Frauen nicht mehr. Sie wollen kein Rollenbild vorgesetzt bekommen, das ihnen suggeriert, wie sie aussehen sollten, sondern selbst am Entwurf beteiligt sein".
Das kling nun beinahe so, als ob Frauen bisher „Platzhalter“ gebraucht hätten, nur nach Rollenbildern gelebt hätten und sich jederzeit und überall hätten vorschreiben lassen, wie sie aussehen sollen, was die Aussage der Redaktion von vornherein als Hohlsprüche entlarvt.
Etwas weiter ging noch die Friendscout-Kolumnistin
Sarah A. Young. Sie vermutet, dass die BRIGITTE lediglich auf billige PR aus ist und schreibt:
… Zu erwarten, dass Brigitte von nun an nur noch Amateur-Fotos von übergewichtigen Hausfrauen um die 40 abbildet, damit sich die Leserklientel leichter wiederfindet oder distanzieren kann, ist vielleicht ein wenig naiv … Gleiches gilt aber auch für die Glorifizierung des neuen Brigitte-Konzepts, dem augenscheinlich auch Gründe wie beständig sinkende Auflagen zugrunde liegen.
Was besonders bedauerlich ist, wird gleich von vornherein offenkundig: BRIGITTE hatte lauthals verkündet, dem Magerwahn entgegentreten zu wollen – und was finde wir auf dem Titel? ( 2/2010) Nun, sie dürfen raten – das „Brot-und-Butter“-Thema der gesamten Frauenpresse: Diätvorschläge („Die neue Diät – so passt sie in ihr Leben“). Was mich besonders entgeisterte: Das vollgekleisterte Gesicht soll also das Abbild der modernen, natürlichen Frau sein?
Ich habe mir daraufhin auch die Nummern drei und die Nummer vier dieses Jahres angesehen. I
n Nummer vier bringt die BRIGITTE beispielsweise „zwölf Schnitte und Stylings von den besten Friseuren Londons“ und eine Dame, die mit sinnlichem Blick und halb offenem Mund in eine bessere Zukunft blickt. Der einzige Unterschied, den ich zu bisherigen BRIGITTE-Ausgaben feststellen konnte, ist der aufgepappte Punkt: „ohne Models“ – na, wenn das alles sein soll, was neu ist, dann mal gute Nacht, schöne Mittelstandsfrau – und bevor ich vergesse, dies zu erzählen: BRIGITTE-Leserinnen sind überdurchschnittlich gebildet, meist berufstätig und verfügen über ein hohes Haushaltseinkommen. Warum diese Frauen nicht mit Models leben können, ist mir ein Rätsel.
Was ich vorher bereits schrieb ü
ber das neue BRIGITTE Konzept, lesen Sie hier.