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Die Grünen: Selbstzerfleischung oder Selbstfindung?

Ob Renate Künast ihr Wähler überhaupt noch kennt? Manchmal muss man daran zweifeln, etwas, wenn sie sagt: „Union und FDP arbeiten im Bund … an der maximalen Entfernung von den Inhalten grüner Politik.“

Sie hat eines nicht begriffen: Dem Bürger ist schnurzpiepegal, was „Grüne“ Parteiprogramme aussagen (was übrigens auch für die anderen Parteien gilt). Bürger wählen inzwischen die Partei, von der sie das Beste für sich selbst und ihre Kinder erwarten, und die „Grüne Wählerschaft“ setzt sich heute eben ganz anders zusammen als noch vor 30 Jahren, als die politische Karriere von Frau Künast begann.

Wenn Frau Künast ihre Wähler sucht, muss sie inzwischen in Niedrigenergiehäuser der Vorstadt gehen, eine hohe Hecke überwinden und in bürgerliche Idylle vordringen, in der die Kinder auf Privatschulen gehen. Natürlich gibt es auch andere Wähler, doch alle eint eines: Man will eine bessere Zukunft auf der Basis einer wertkonservativen Grundhaltung. Einheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf hohem Niveau, sozusagen – wie beispielsweise in Stuttgart oder Tübingen.

In Tübingen weiß denn auch der OB Palmer (Grün), wo es lang geht: „"Es wird Streit darüber geben, ob wir immer im linken Lager bleiben müssen, oder ob wir abhängig von Inhalten und Personen mit CDU und FDP regieren können."

Sagen wir es doch einmal klar: Die Grünen entfernen sich von den Zielen der SPD immer mehr, die nachhaltig die deutsche Großindustrie über den Umweg der Gewerkschaften stützt. Das Mittelstandskonzept der CDU müsste ihnen wirtschaftlich viel näher liegen – und selbst bei den Freidemokraten könnten sie sich ganz gut einkuscheln – dort siedeln sich die freien Berufe an, die ebenfalls nicht zu den Umweltzerstörern gehören. Es ist, wie es ist: Die alten Feindbilder taugen nichts mehr, die alten Freundbilder aber auch nicht. Wer jetzt die Selbstzerfleischung der Partei versucht und den alten Ideologiekrempel wieder von der Müllhalde holt, betreibt gewiss kein Recycling, sondern Politik-Umweltverschmutzung.

Sie auch: Wertkonservative Grüne

Zitate Palmer, Künast: SPIEGEL

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