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Konstruierter Krimi-Kitsch mit Männergewalt: Wölfe und Lämmer

Warum schlägt der empfindsame, offenbar auch sehr liebe volle Mann seine Frau? Warum würgt er sie am Ende, als sie durch einen anderen frisch gefesselt und geknebelt am Boden liegt?

Wir sehen einen Krimi, der frauendominiert vor uns abläuft, obwohl Buchautor und Regisseur Männer sind. Wir hören die Meinung einer Frauenhaus-Betreuerin, wir erleben die Gewalt am Beispiel – und uns wird nicht die geringste Möglichkeit an die Hand gegeben, sie zu verstehen.

Das Verhalten der Frauen bleibt rätselhaft: Die gebildete Frau malträtiert ihren Ehemann psychisch bis aufs Blut (obwohl auch dies nicht so recht deutlich wird), aber vom Ehemann wird weiterhin eine stoische Haltung erwartet – wie es bei Edelmenschen eben üblich ist. Rutscht einem Mann die Hand aus, so erfahren wir bereits zu Anfang, so wird diese Hand auch würgen - was denn am Ende auch geschieht. Die Handlung und die Person wollen nicht zusammenpassen – ja und warum tat er es? Die Begründung hat der Autor an den Haaren herbeigezogen: Unterhaltsansprüche im Fall der Scheidung. Die ungebildete Frau hingegen wirkt verhuscht, kann sich nicht entscheiden, ob Sie die Mixtur von Gewalt, Alkohol und Sex eher hinnehmen oder eher verweigern soll – der Autor lässt sie am Ende sterben – da braucht er sich um ihr Schicksal schon keine Sorgen mehr zu machen – praktisch, nicht wahr? Auch die brave Gärtnersfrau, die in die Geschichte genau so platt hineinkonstruiert wurde wie die bildungsferne Frau, macht keinen positiven Eindruck: Der Weg, einen Seitensprung zu verzeihen, dessen Motive nicht einmal wirklich deutlich wurden, steht ihr nicht offen.

Wölfe und Lämmer? Wer war hier eigentlich was? Ich habe keine Wölfe gesehen, sondern einen gestrauchelten Mann, einen Unsicheren und einen Belanglosen – keiner von ihnen entsprach dem Bild es hungrigen Wolfes ohne Skrupel.Und die Lämmer? Das dümmste Lämmchen war sicher die weibliche Polizistin im Film, während die bildungsferne Frau nach der Charakterzeichnung im Film wohl am ehesten als „psychisch ruiniert“ eingestuft werden musste. Die ermordete Oberschichtfrau dürfte wohl eher unter den Oberbegriff der Hyänen im Schafspelz fallen als unter die der Lämmer - und die Gärtnersfrau war schlicht und einfach völlig belanglos als Charakter des Films.

Ich kann nur hoffen, dass uns das ZDF von dieser Art von Krimikitsch in Zukunft verschont. Beziehungsdramen im Krimi – ja bitte, denn wegen irgendetwas müssen die Menschen ja ermordet am Boden liegen. Aber lächerliche Konstruktionen eines undurchsichtigen Beziehungskonflikts dreier Paare, wie in diesem Film: nein, danke. Übrigens: Die beiden Kriminalistinnen waren nicht gerade ein Aushängeschild für den Umgang der Polizei mit den Bürgern.

Gesehen: gestern im ZDF.

Die Nordsee-Zeitung meinte: „"Wölfe und Lämmer" dringt tief vor ins Elend häuslicher Gewalt.“ Ich meine: Die häusliche Gewalt in diesem Film ist ein aufgesetzter Effekt, um den an sich lächerlichen, nichtssagenden und hochgradig unglaubwürdigen „Mord wegen Unterhaltsansprüchen“ marktfähig zu machen.

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