Der reißerische Titel der gestrigen ARD-Sendung „Letzter Halt Sex“ entsprach nicht dem Inhalt: Sex gibt den Jugendlichen, die Manfred Bölk in seinem Film öffentlich vorgeführt hat, eben keinen Halt. "
Letzter Halt Sex" wird damit zum reißerischen Aufmacher für einen einseitigen und vordergründigen Film über Dinge, die wir schon lange wissen: Es gibt Jugendliche, die zu Gewalt, Drogenmissbrauch und eben auch zu Sexkonsum neigen.
Verglichen mit dem, was sich sonst in der Drogen- und Gewaltszene abspielt, ist Sex freilich nicht besonders spektakulär. Auf diese Weise verkommt der Film zur öffentlichen "Vorführung" von Jugendlichen: etwa, wenn der Filmemacher einen der jungen Männer auf dem Handy nachsehen lässt, wie viele Mädchen er schon vernascht hat. Sein „erstes Mal“ war mit elf Jahren – das mag schockieren, doch wer mit elf Jahren bereits Sex hatte, hört mit 13 nicht einfach damit auf, und so hatte der heute 16-Jährige eben schon eine kleine Namensliste auf seinem Handy – was hatte denn der Filmemacher erwartet? Plötzliche Abstinenz?
Nein, es gingt nicht um Sex – und eigentlich nicht einmal um die jungen Frauen und Männer, die da vorgeführt wurden. Es ging darum, dem bürgerlichen „Nicht-BILD-Leser“ mal so richtig zu zeigen, was in den Wohngettos bei der Jugend abläuft. Nicht von ungefähr wurden ständig reißerische Boulevard-Titel eingeblendet, so. Als wolle man sagen: Es steht nicht nur in der BILD, seht, Bürger: Es kommt auch in der ARD.
Auf welches Niveau sich die ARD damit begibt, muss sie wohl selber wissen. Tatsache aber bleibt: Diese Jugendlichen sind weder typisch für „die Jugend“ noch ist ihr Sexkonsum ihr Hauptproblem. Wie sich denn überhaupt fragt, warum ausgerechnet Sex zum Problem hochstilisiert wird und nicht etwa Drogen: Sind Drogen neuerdings ungefährlicher als Sex?
Der WESTEN bringt es heute übrigens hervorragend auf den Punkt. Dort schreibt Monika Idems:
„
Ginge es Bölk um Jugendliche aus sozialen Brennpunkten, müsste mehr Thema sein als Sexualität. Ginge es ihm um die sexuelle Verrohung von jungen Leuten, hätte er auch Jungen und Mädchen aus anderen Gesellschaftsschichten befragen müssen“.
Ich denke mal, an die Jugendlichen aus „anderen Gesellschaftsschichten“ wäre er nicht herangekommen – vor allem nicht an diejenigen, die weder Jugendämtern noch Richtern noch der Boulevardpresse aufgefallen waren. Es lässt sich eben nicht jeder gerne öffentlich in die Karten gucken.
Lesen Sie dazu auch meine Meinung,
bevor ich den Film gesehen hatte.