Skip to content

  Aktuelle Informationen

ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
  Mobil 016093095395.

„Generation Porno“ – öffentlich-rechtlicher Unfug oder Realität?

Offenbar will sich die ARD nun auch auf die Ebene der Boulevardpresse begeben – denn alles, was man im Vorfeld über den Dokumentafilm "Letzter Halt Sex – Kids am Abgrund" gehört hatte, wurde sofort mit dem Begriff "Generation Porno" in Verbindung gebracht. Sn der reißerischen Aakündigung, dass der Film von einem offenbar zurückhaltenden Arzt und Psychologen gedreht wurde, ändert daran auch nichts. Wenn schon etwas unter einem solchen Titel angekündigt wird, dann steht handfeste Sensationsmache dahinter – warum dreht man sonst solche Filme?

Bereits die Ankündigung des öffentlich-rechtlichen Senders SWR heißt es: "Vor allem der frühzeitige und intensive Konsum von pornografischen Darstellungen hat ganz offenbar gravierende Auswirkungen auf die seelische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen."

Das ist, ohne Verlaub, schlicht und einfach eine tendenziöse Ankündigung, die mit „der“ seelischen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen“ gar nichts zu tun haben dürfte, sondern sich eben auf die Leute bezieht, die man offenbar mir viel Mühe irgendwo aufgegabelt hat und jetzt sensationell vorführt: „Guckt mal, die verwahrloste Jugend, alle pornoverseucht“. Mit dem gleichen Recht hätte man ein paar weibliche Schnapsleichen aus Parks zerren können und schreiben: „Letzter Halt Alkohol – Frauen am Abgrund“ und dies reißerisch ankündigen: „"vor allem der frühzeitige und intensive Konsum von alkoholischen Getränken hat ganz offenbar gravierende Auswirkungen auf die seelische Entwicklung von Frauen." Das allerdings tut man nicht – „Letzter Halt Sex“ abgemischt mit „Generation Porno“ bringt garantiert viel mehr Zuschauer.

Ich sag es, wie ich es sehe: Mich ekelt es an, wie jede Generation die jeweils vorausgehe Generation als sex- oder pornoverseucht, genusssüchtig und verwahrlost bezeichnet. Autor Dr. Manfred Bölk versuchte jüngst, den Vorwurf zu umgehen, in dem er sagte, dass „die Jugendlichen … charakterlich nicht verdorbener oder unmoralischer als die Generationen davor“ seien. Doch was soll man davon halten, wenn er dann sofort der Medientrumpf aus der Tasche gezogen wird, Zitat: „Die Medien haben sich komplett verändert. Es ist inzwischen so unglaublich einfach, an pornografische Inhalte heranzukommen“. Doch auch in diesem Fall ist die Argumentation fadenscheinig: Fotokopiergeräte gibt es schon lange, und vor 30 oder 40 Jahren waren es eben erotische Geschichten oder „heiße Fotos“, die von Hand zu Hand gingen – gar nicht zu reden von der Aufregung, die es um „BRAVO“ oder „TWEN“ gab. Man mag einem jungen Journalisten verzeihen, wenn er dies nicht weiß: Aber der Filmautor ist in einem Alter, in dem er sich an diese Jahre eigentlich erinnern müsste – und das macht die Sache in meinen Augen zu einem Spiel mit gezinkten Karten.

Mehr (und natürlich viel positiver) in: pro-medienmagazin.de

Übrigen zeigt die ARD den Film zu Sendezeiten, an denen die meisten Eltern nicht einmal mehr vor dem Fernseher sitzen: Um 23:30 – da fragt sich wirklich, warum und für wen man den Film dann überhaupt noch zeigt.


"Letzter Halt Sex – Kids am Abgrund" - Mittwoch, 23.30 Uhr, ARD
Wiederholungen:
6. August, 2:30 Uhr auf ARD,
8. August, 17:03 Uhr, ARD extra

Siehe dazu auch meine Filmkritik

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Formular-Optionen

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!