(sehpferd, freier Content, Nachdruck frei, 30.01.2008) Nachdem Hinz und Kunz Geschäftsleuten dazu raten, sich ein Blog zu leisten, steigen die Erwartungen teils ins Unermessliche.
Was ist daran realistisch?
Natürlich kommt es auf die Erwartungen an. Wenn man eine Dienstleistung oder Ware anbietet, die auf einen ganz bestimmten Kundenkreis in einer genau definierten Region mit besonders exklusiven Waren anbietet, dann kann man so gut wie sicher sein, dass es klappt, damit schnell neue Kunden zu gewinnen, wobei schnell immer noch heißt: „innerhalb eines Jahres“.
Beispiele: exklusive Fetischmode in München, eine Autovermietung in Budapest, ein Versandhaus für schwer erhältliches Handyzubehör in Deutschland.
In den meisten anderen Fällen wird das Blog nicht sofort direkte Kunden gewinnen, sondern eine Maßnahme sein, das Unternehmen im Gespräch zu halten. Gerade dies wird von vielen Unternehmen unterschätzt: Gezielte Mini-Werbung mit häufiger positiver Erwähnung des Markennamens ist oft wichtiger als das direkte Generieren von Umsätzen. Auch dazu ein Beispiel: Wenn im Internet ein Buch präsentiert wird, hat den Vorteil in erster Linie der Verleger, in zweiter Linie der Anbieter, zu dem ein Link führt und erst in dritter Instanz derjenige, der den Link in sein Blog eingebracht hat. Das bedeutet: Wer den Umsatz macht, ist nicht unbedingt derjenige, der an der Werbung beteiligt ist. Man kann das Buch bei seinem nächsten Stadtbummel kaufen, es auf die nächste Sammelbestellung (beispielsweise bei Amazon) setzen oder es tatsächlich mit dem Link bestellen.
Unternehmer sollten sich also davor hüten, aus Blogs „direkt Umsatz“ generieren zu wollen. Es ist wesentlich wahrscheinlicher, dass der Umsatz über die Mundpropaganda oder eine andere Weitergabe durch Leser erfolgt.