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Tatort: Himmel, was für ein Scheiß!

Klar, die feinnasigen Kulturkritiker benutzen solche Worte wie „Scheiß“ nicht. Aber was soll man zum Tatort noch sagen, außer dass er einfach Scheiße war?

Feinnasig heißt das (FAZ)

(der Sender sollte sich) um eine bündige Inszenierung und um ein Buch bemühen, das nicht derart zerfasert.


Was passiert da überhaupt? Irgendwie sollte eine bekannte Schauspielerin in den Krimi-Himmel gehoben werden: Heike Makatsch. Im ARD-Tatort „Fünf Minuten Himmel“ spielt sie eine schwangere Kommissarin, deren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft höchst undurchsichtig ist. Diese „Ellen Berlinger“ soll, so sagen jedenfalls die Kritiker, als einsame Wölfin dargestellt werden. Eher schon erinnert der Charakter an eine Frau, die „zugemacht“ hat und das Leben nur noch aus dem engen Winkel von Scheuklappen betrachtet.

Oh ja, es gab eine ziemlich geringfügige Krimi-Handlung nach dem Motto: Der Tote war ein korruptes Schwein, das kann man schon mal in aller Unschuld umbringen. Und es gab jede Menge Teenager, die allesamt dringend in die Obhut von Psychiatern gehörten, ihre abartige Neigung aber durchaus genüsslich, detailliert und für Voyeure vor der Kamera ausleben durften. Nein, es war nicht Sex. Wäre es Sex gewesen, hätte es wahrscheinlich einen Riesenradau gegeben. Aber es war nur ein paar „Ohmachtsspiele“, die auf den Kriminalfall aufgepfropft wurden, um ihn spektakulärer zu gestalten.

Na schön, am Schluss gab es ein paar Minuten Spannung, die allerdings mühevoll an den Haaren herbeigezogen wurden. Und klar, dann musste auch noch Mitleid her: Schließlich hatte die jugendliche Mörderin ja ein Dreckschwein umgebracht, das es verdient hatte.

Himmel, was für ein Scheiß! Ein mieses Drehbuch ohne wirklichen roten Faden, eine Figur, die sich fast nicht spielen lässt, weil sie übertrieben und dazu noch unstimmig angelegt ist, und eine herumeiernde Regie.

Himmel, was für ein Scheiß? Ja – und man wundert sich, warum die angeblich so populäre und hervorragende Schauspielerin Heike Makatsch so eine Figur spielt. Wobei man sich auch gerne frage darf, was der Personenkult um diese Frau als Schauspielerin soll.

Ich denke, die Schauspielerin Heike Makatsch hat sich selbst einen Bärendienst erwiesen – denn wenn das Buch so schlecht ist wie die Regie, fällt das auch auf die Schauspielerin zurück. Und: Freiburg mag nicht so schön sein wie seine Fassade – aber es strahlt normalerweise vor Lebensfreude. Die ARD machte daraus ein Drecknest von komischen Figuren, Meschuggenen und Sozialfällen.

Leitkultur und "Deutsch sein" – jenseits der hohlen Sprüche

Das Gerede von einer „Deutschen Leitkultur“, wie wir es hie und da hören, macht Deutschland nicht glaubwürdiger. Schon der gebürtige Deutsche weiß mit dem Begriff kaum etwas anzufangen. Was ist denn bitte „deutsche Kultur“? Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang? Solche Spruchweisheiten konnte man vielleicht einem Studenten des 19. Jahrhunderts zumuten. Wie „deutsch“ unsere Kultur wirklich ist, kann man daran erkennen, wie viele „Ausländer“ an ihrer Entwicklung mitgewirkt haben: die Römer, die Missionare und in Spuren sogar die Araber, von denen unser Zahlenwerk im Wesentlichen stammt. Natürlich hat es nicht daran gefehlt, „uns Deutschen“ eine gemeinsame Identität zu geben, doch bis heute fehlt sie den meisten „Deutschen“, die sich über ihre Landmannschaft definieren. Der „Deutsche“ ist Sachse, Schwabe oder Bayer, und als solcher will die Landsfrau oder der Landsmann gesehen werden. Allein die Un-Kultur, sich nicht auf gemeinsame deutsche Sprache zu einigen, sondern jedes nationale Kauderwelsch als „eigenständige Sprache“ zu verehren, beweist nachdrücklich, wie wenig „deutsch“ sich die Deutschen fühlen.

Damit erst gar keine Missverständnisse entstehen: Ich bin Deutscher von Geburt, und meine Ahnen sind bis bis weit ins 17. Jahrhundert zurückzuverfolgen. Die Geburt macht uns dennoch nicht zu Deutschen, sondern das Bewusstsein dessen, was die Deutschen eint. Und genau an diesem Punkt wird es schon knifflig, denn das wusste nicht einmal dieser Herr von Fallersleben so eindeutig zu sagen.

Deutsche Philosophie, Musik und Dichtkunst, so könnte man sagen, seien die Eckpfeiler, gefolgt von Tugenden wie Fleiß und Zuverlässigkeit. Sicher könnet man auch das humanistische Gedankengut dazurechnen – Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit – aber das haben nun ja eigentlich die Franzosen erfunden. Und das Christentum, das so viel in den Mund nehmen, wenn om „Deutsch sein“ die Rede ist, stammt gewiss nicht aus der Feder eines Deutschen.

Nehmen wir das alles zusammen, bitte schön: Wo steht dann da die Leitkuh, auf deren Haut wir unsere Leitkultur schreiben könnten? Und weil manche Deutschen gerade jetzt ihr geschichtsloses Gehirn immer gleich zum Maul durchleiten: Die Gleichheit von Mann und Frau ist eine Innovation, die erst mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland Realität wurde – allerdings nicht in vollem Umfang. Der erzkonservative Kanzler Konrad Adenauer und seine CDU leisteten zunächst gar aktiven Widerstand gegen die Gleichheit von Frau und Mann, und die letzten Reste der Ungleichheit wurden erst 1977, also vor nicht einmal 40 Jahren, im Gesetz beseitigt.

Erstaunlich, wer heute alles die Freiheit und Gleichheit für sich in Anspruch nimmt, insbesondere die Wertschätzung und Gleichberechtigung der Frauen, die sich heute sogar die deutschen Katholiken an den Hut heften. Ich bin gewiss kein Feminist, aber die Gleichheit und Wertschätzung haben sich die Frauen in Deutschland selbst erkämpft.

Wissen Sie, wann ich gelernt habe, Deutsch zu denken? Immer dann, wenn ich im Ausland war – besonders in Südafrika und in Ungarn, aber auch in Skandinavien und im Vereinigten Königreich. Und das Allererste und Wichtigste besteht darin, ein klares Deutsch zu sprechen und Deutschland zu repräsentieren, wann immer es geboten ist. Ich habe niemals eine Leitkultur dazu gebraucht.

Der alte Scheiß in neuen Tüten - auf einen Schlag

Der alte Scheiß in neuen Tüten sollte eigentlich das aussagen, was in der Schlagerbranche, mehr aber noch in der sogenannten "Volksmusik-Branche" üblich ist: "Den alte Scheiß in neuen Tüten" zu verkaufen. Aber war dabei herauskam, war der ziemlich verkrampfte Versuch, mit viel Anstrengung und einem mehr als skurrilen Ermittlerteam "etwas Neues" zu schaffen.

Neue Kommissarinnen sind nicht deswegen gut, witzig oder bedeutsam, weil sie Frauen sind. Und warum die Regie die neuen Damen im Ost-Krimi alle bis zur Unkenntlichkeit des Tons nuscheln lässt, weiß auch niemand.

Wenn ich es recht verstanden habe: Man wollte nicht den alten, abgestandenen Scheiß bringen, der seit langem „Tatort“ heißt. Nun gut. Aber eine Kriminalkomödie war’s auch nicht. Was war es dann? „Härte und Herzlichkeit“ oder „Innovation um jeden Preis? Oder: Scheiß drauf, das Publikum frisst es sowieso?

Der Aufschrei kam allerdings von ganz anderer Seite: Die Volksmusikbranche fühlte sich geoutet. Wo billigste Gefühlskonserven auf einen lukrativen Massenmarkt treffen, da darf man nicht einmal im Krimi andeuten, dass immer wieder die gleichen Klischee-Gefühle hinausgeträllert werden.

Die Massenpresse allerdings wusste sofort, dass sie mit den Wölfen heulen musste, und stelle sich sofort auf die Seite der vor Selbstmitleid triefenden Schnulzensänger.

Und die „üblichen Verdächtigen“ bei den Kritikerinnen und Kritikern? Die waren begeistert, wussten aber eigentlich nicht, warum. Nun ja, irgend etwas muss man wohl schreiben, nicht wahr? Zumal, wenn fast 10 Millionen Menschen zugesehen haben. Ja, ja … kein schön‘rer Tod in dieser Zeit, als hier beim Tatort lang und breit. Wo wir uns anöden mit all den and'ren Blöden, zu Krimizeit.