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ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
  Mobil 016093095395.

Das getümliche Fühlen

In letzter Zeit fühle ich mich sehr getümlich. Die Gymnasiasten unter Ihnen werden mich jetzt belächeln, die Realschüler an mir zweifeln. „Dieses Wort gibt es doch gar nicht“, werden die Klugen sagen, und die Deutschlehrer, die ja nicht eben zu den Klügstenn gehören, werden versuchen, mich zu belehren: „Du meinst sicher, dass du dich wohlfühlst, nicht wahr? Dir ist gemütlich, nehme ich an?

Humpty Dumpty hätte seine Freude an mir. Der oberschlaue Wicht weiß (jedenfalls bei Alice hinter den Spiegeln) dass er selbst einem Wort die Bedeutung zuweisen kann, die er selber wünscht. Sie sehen: Ich fühle mich gegenwärtig äußerst getümlich.

Ein Tum oder ein Thüm ist ist ja eigentlich eine Sache, die „völlig in der Art ist“, also „etwas Rechtes, etwas Gediegenes“ und so denke ich, ein Recht darauf zu haben, ein Getüm zu sein und mich demzufolge getümlich fühlen zu dürfen. Ich muss Ihnen an dieser Stelle verraten, dass ich meine Ungetüme inzwischen katalogisiert, beschriftet und in Schuhkartons abgelegt habe. Sollte ich also wieder einmal ein Ungetüm benötigen, um einen meiner schrägeren Artikel zu schreiben, dann darf ich dort zugreifen. Ich nehme mir mein Ungetüm dann einfach heraus, um es später dort wieder abzulegen, bevor es mir in die Küche folgt und meinen Kühlschrank leerfrisst. Es hat eben große Vorteile, ein Getüm zu sein und sich getümlich zu fühlen, nicht wahr?

Ach, Sie meinen, ich sei etwas eigentümlich? Nein, nein, ich bin im Grunde nur tümlich, sonst gar nichts. Das „Ge“ muss einfach davor – man sagt ja auch nicht, es war irgendwo mütlich, sondern es war gemütlich.

Wenn ich Ihnen jetzt zu getümlich werde, dann schreiben Sie mir ruhig. Ich habe noch ein paar Ungetüme in den Schuhkartons, über die ich mich gerne für Sie und Ihre Leserschaft auslasse. Selbstverständlich gegen Honorar – so eigentümlich, auf Geld zu verzichten, bin ich noch nicht.