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ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
  Mobil 016093095395.

Hoheit statt demokratisch gewählte Kanzlerin?

Die Kaiserin des deutschen Volkes hat gesprochen. Eurobonds würde es nicht geben, „solange sie lebe“.

Die CDU-freundliche Presse versucht sogleich, zu beschwichtigen, abzuwiegeln und sonstige Pflästerchen auf die Aussage zu kleben, hier ein Zitat aus der WELT:

In diesem Zusammenhang fiel der Satz, auch für Europa sehe sie eine solche gesamtschuldnerische Haftung nicht – "solange ich lebe". Merkel war quasi vom Erklären ins Dozieren geraten. Sie wollte einen Sachverhalt deutlich machen, aber keine neue Position einnehmen.


Dieser Text ist fast noch lächerlicher als die Aussage der deutschen Kanzlerin, die sich als Kaiserin aufführte. Denn worüber sie sprach, war kein Sachverhalt, sondern ein Affront in Richtung Brüssel, der seinesgleichen sucht. Sie hätte auch sagen können: „Was schert mich, Kaisern Angela die Erste, eigentlich der Zusammenhalt Europas? Ich mache, was ich will, schließlich bin ich die Regentin.“

Mal ehrlich, Freundinnen und Freude, - außer Satirikern kann niemand die Kanzlerinnenworte mehr so recht anerkennen, oder?

Der Satiriker D. Hugendick sinniert in der ZEIT, welche Zeitspanne die Kaiserin/Kanzlerin denn wohl mit „solange ich lebe“ gemeint hat:

So könnte sich Merkels Schwur bald situationsadäquat aktualisieren zu: Keine Euro-Bonds, solange ich nicht 67 bin, solange die EM läuft, solange der grüne Anzug in der Reinigung ist. Solange eben, bis die Macht des Faktischen greift.


Wie jemand, wann der grüne Anzug aus der Reinigung kommt? Der Autor dieser Zeilen ist nämlich nicht nur Demokrat, sondern auch Europäer. Und als beides … also als Demokrat und Europäer, könnte man sich durchaus in Kürze vorstellen, dass die Koalitionsregierung in Deutschland auseinanderfällt, was nicht einmal schade wäre. Oder eben doch Eurobonds eingeführt werden.

Sinn machen? Wie Journalisten die Sprache verhunzen

Angeblich dient der Journalismus auch der Sprachpflege. Schön wäre es, doch angesichts der Abschreiber-Mentalität und der offenkundigen Oberflächlichkeit mancher Presseorgane werden immer mehr Begriffe falsch genutzt.

Typisch für die krasse Fehlnutzung eines Begriffs ist „Sinn machen“. Die Art, in der dieser Begriff genutzt wird, grenzt an Dummheit:

1. „Sinn machen“ ist nicht „Sinn haben“


Wenn ein Umstand, der beschrieben wird, bereits einen Sinn hat, dann muss er keinen mehr machen. Muss erst ein Sinn draus gemacht werden, dann beinhaltet (das einfachere Wort dafür ist „hat“) er noch keinen Sinn.

2. Übersetzen müsste man können

Man darf von einem Journalisten wohl erwarten, über einen etwas erweiterten Wortschaft der englischen Sprache zu verfügen. „It makes sense“ heißt nicht „es macht Sinn“, sondern es ergibt Sinn. Die Formulierung „es macht Sinn“ ist also eine Verballhornung. Sinn wird nicht „gemacht“, also erzeugt, sondern ergibt sich in einem Artikel aus den zuvor genannten Fakten oder Meinungen.

Das alles ficht unsere Presse nicht an – und das „macht“ durchaus Sinn, denn die Forderung an den Journalisten, präzise zu recherchieren, wird von den heutigen Online-Medien ohnehin kaum noch ernst genommen. Warum sollte man dann präzis in der Sprache sein?

Sie schreiben doch nicht etwa solche Bücher?

Es ist schon ein paar Tage her, da fragt mich eine Dame in meiner neuen, gepflasterten Heimat: „Sagen Sie mal, was schreiben Sie eigentlich?

Ganz neu ist die Frage nicht. Jeder fragt es hier in der Kleinstadt. Die Friseurin, der Gärtner … aber jetzt kam noch ein Nachsatz: „Hoffentlich schreiben sie nicht so wie Charlotte Roche“. Nun kann ich mich dunkel an den Zwergenaufstand bei Radio Bremen erinnern, als Frau Roche mal moderieren dufte, und nach und nach erinnerte ich mich auch an das ungelesene Buch: „Feuchtgebiete“.

Die Zeit zieht in schnellen Schritten an mir vorbei, wie es scheint. Denn diese Charlotte Roche hatte das Buch doch erst vor ein paar Jahren geschrieben, und wie ich mich erinnern kann, wurde es in königlicher Auflage verkauft, und als sie ihr zweites Buch vorstellte, wohnte ich doch schon in dieser Holperpflasterstraße am äußersten Rand Thüringens.

Ich habe der Fragestellerin ausweichend geantwortet, denn sie wäre vermutlich äußerst verblüfft gewesen, wenn ich geantwortet hätte: „Oh, Gnädigste, ich hätte sehr gerne das Geld verdient, das Frau Roche damit verdient hat.

Wie kommen Leute eigentlich auf die Idee, eine Schriftstellerin anzugreifen, nur weil sie Erfolg hat? Ist nicht Erfolg der größte Antrieb in unserem Schriftstellerleben?

Übrigens: Ich schreibe gar keine Bücher, nicht einmal Groschenhefte. Ich schreibe Webcontent. Auch für Sie.