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  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
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Betreuungsgeld - Rad ab?

Stellen Sie sich vor, alle Eltern, die ihre Kinder nicht in die Schule schicken würden, bekämen Lernersatzgeld, damit sie Ihre Kinder selber lehren könnten. Rund 4.800 Euro kostet ein Schüler kalkulatorisch jährlich – dies entspräche 400 Euro pro Monat und Kind.

Was würden Sie dann sagen? Wahrscheinlich: „Die haben ja ein Rad ab bei der Regierung“.

Genau das sage ich auch – zum Betreuungsgeld.

Tatort: Zwischen Sensationsmache, Klischees und Realität

Es ist böse“ hieß es am gestrigen Sonntag in der ARD – und nach mancher Vorabkritik hätte man einen sensationellen Kriminalfilm mit Tiefgang erwarten können. Doch der Film wurde mit Klischees und „Geheimnissen“ verkleistert, sodass vom Kern, der Aufklärung mehrerer Morde an Frankfurter Prostituierten, kaum etwas übrig blieb.

„Nach einer wahren Begebenheit“ heißt es im Vorspann des Tatorts – und das erweist sich als zutreffend. Es geht um einen mehrfachen Prostituiertenmörder, der in der Realität letztendlich durch einen kühlen Analytiker zur Strecke gebracht wird, einen sogenannten „Profiler“.

Nun ist die Arbeit eines Profilers natürlich viel zu strukturiert für einen „Tatort“ in der ARD – da will man sensationelle menschliche Abgründe, und also müssen die Konflikte auf die Kommissarinnen und Kommissare verlegt werden. Den Part des ruhigen Profilers übernimmt der Schauspieler Joachim Król, der ihn hervorragend und glaubwürdig spielt, während Nina Kunzendorf diesmal die klischeehafte Rolle einer übertrieben karrieresüchtigen, aber dafür viel zu sensiblen Frau in einer von Männern beherrschten Welt zugeschrieben wird.

Hinzu kommen Geheimnisse, die man sich wirklich hätte schenken können: Frank Steier hat plötzlich einen geheimnisvollen Freund, dessen Existenz oder Nichtexistenz mit dem Stoff nicht das Geringste zu tun hat, Kommissarin Conny Mey scheint ein unbewältigtes Problem ihrer Jugend oder Pubertät vor sich herzuschieben, das vielleicht zur Story passt, ansonsten aber völlig deplatziert wirkt, und die Episode eines prügelnden, machohaften Mannes wirkt Angesicht der Morde wie eine Dekoration, um zu beweisen, dass Männer Bestien sein können. Die FAZ schrieb: „In ihrer neuen Ernsthaftigkeit gewähren sie uns dafür einen kurzen Einblick in ihr sonst sorgsam gehütetes Privatleben.“. Man hätte auch sagen können: „Um des Stoffs willen führt der Drehbuchschreiber ein paar lächerliche oder sensationsheischende Passagen ein, die nicht zur Glaubwürdigkeit der Charaktere beitragen.“

Die Kritiker fallen regelmäßig auf solche blöden Tricks herein – und so ist die Kritik denn auch durchgehend positiv - lediglich der „Stern“ mäkelte mit Recht an den Dummklischees des Drehbuches herum. Völlig absurd wirkt die Besprechung des SPIEGEL-Kritikers. Er will gesehen haben, dass es eine „Reihe von Typen“ gab, die „mit ihrer Libido zu kämpfen“ hatten, und die im „günstigeren Fall“ zu „Ehebrechern und Lügnern, im ungünstigeren zu Vergewaltigern und Mördern“ würden.

Um die Sache so zu sehen, muss man schon ziemlich einseitig denken. Wenn jemand mit seiner Libido hadert, wird er zum Puffgänger, und wenn die Sterne gerade ungünstig stehen, wird er zum Vergewaltiger? Das ist, mit Verlaub, ein an den Haaren herbeigezogener Blödsinn, der sich in diesem Resümee niederschlägt: «So ist das Besondere an diesem "Tatort", wie sich die Destruktion im bürgerlichen Biotop Bahn bricht. »

Wo sah der Kritiker denn bitte im gesamten Handlungsverlauf das „bürgerliche Biotop“?

Grass und deutsche Eigenarten

Der Herr Grass hat also ein Gedicht veröffentlicht – das ist sein gutes Recht. Das Gedicht sagt kaum etwas aus, das nicht schon bekannt wäre, und es ist absolut belanglos. Vielleicht ist es ärgerlich, aber warum darf es eigentlich nicht ärgerlich sein? Sind wir alle schon so eingezuckert von Götterspeise-Meinungen, dass wir etwas "Ärgerliches" nicht mehr ertragen können?

Geht es der Presse wirklich um Grass, um Kultur, um Israel oder Deutschland? Oder geht es nicht eher um ein Gerangel der Eitelkeiten? Mir scheint, jeder will zum Grass-Gedicht etwas sagen, weil er glaubt, mehr dazu sagen zu müssen als jeder andere. Man kann in Deutschland prächtige Artikel schreiben, wenn man den Begriff „Antisemitismus“ verwendet – er ist immer für Schlagzeilen gut. Die Formel: „Kritiker Israels = Antisemit“ ist hervorragend geeignet, wenn man Leser gegeneinander aufbringen will. Noch vor einigen Wochen, so schien es, hätten Deutsche zur Normalität zurückgefunden. Juden und Christen sind keine Feinde, Israelis und Deutsche schon gar nicht, zumal dann nicht, wenn sie aufrechte Demokraten sind. Wir leben miteinander in unseren Unterschieden. Übrigens nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt, und das ist gut so.

Wer eigentlich bohrt erneut den Stachel ins Fleisch? Dieser Grass, um den es ja relativ still geworden ist, oder die Springer-Presse und ihre geschwätzigen Redakteure? Vielleicht alle, die in Deutschland sogenannte Mainstream-Presse machen: „Ja, es ist alles gesagt, aber noch nicht von uns …“

Wie schön, dass man in Deutschland so viel zu sagen hat, wenn es eigentlich nichts mehr zu sagen gibt – und wenn es ganz schlimm kommt, dann psychoanalysiert man eben noch Herrn Grass, der sich vermutlich nicht einmal dagegen wehren kann. Nein, das war keine Idee der Springer-Presse. Das war eine Idee der „ZEIT“. Da fragt man sich unwillkürlich, auf welchem journalistischen Niveau diese Wochenzeitschrift mittlerweile angekommen ist.