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ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
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Warum Ihnen das Glück vielleicht nichts nützt – oder doch

Nie ist so viel über das Glück geschrieben worden, wie dies heute der Fall ist. Doch immer, wenn viel geschrieben wird, muss man sich fragen: Wem nützt es?

Zunächst einmal haben wir Menschen das Recht, selbst zu bestimmen, was wir für „Glück“ halten. In den Ländern Mitteleuropas können wir sogar wählen, wie wir unser Glück machen. Haben wir das schon vergessen?

Erstaunlich, dass wir eine Belehrung darüber benötigen, was uns glücklich macht. Noch erstaunlicher, dass wir in typisch deutscher Verbissenheit das Glück unbedingt „festmachen“ wollen, wie man ein Schiff vor Anker legt. Doch so, wie ein Schiff kein Schiff mehr ist, wenn es nur im Hafen liegt, so ist das Glück kein Glück mehr, wenn Sie es als Begriff festgenagelt haben.

Wir zementieren Begriffe und wissen nicht einmal, was wir damit anrichten. Wem das Glück hold ist, dem gelingen manche Dinge schneller und einfacher als jemandem, der seinen Erfolg hart erarbeiten musste und dem ein wenig Glück dazu fehlte. Das ist eigentlich alles. Es gibt keinen Grund, nun auch noch zwangsweise zum Glück verpflichtet zu werden.

Es gibt einen Zustand zwischen Glück und Unglück: Man nennt ihn das Leben. Wenn ich Ihnen etwas raten darf: Lassen sie all diese Glücksbücher in den Regalen stehen – sie sind ihr Geld nicht wert.

Wenn Sie genau wissen wollen, wie Sie die Sache mit dem Glück schaukeln, ohne unbedingt glücklich werden zu müssen, dann lesen Sie „Dr. Ankowitschs Kleiner Seelenklempner“. Er verändert entweder ihr Leben – dann hat er seine Wirkung getan, oder aber Sie lesen ihn mit Vergnügen – dann dürften Sie schon eine höhere Stufe als das Glück erreicht haben: Die Gelassenheit.

Die Pille: Unzuverlässige Berichte in der deutschsprachigen Presse

Journalisten legen offenbar sofort die Scheuklappen an, wenn eine „wissenschaftliche Studie“ auf ihren Schreibtischen liegt – und sei es auch deren Interpretation durch die dpa.

Wie anders konnte es sein, dass eine von Grund auf fragwürdige Studie über „die Pille“ in einigen Hundert Publikationen so gut wie kritiklos nachgedruckt wurde? Die beiden von der dpa verbreiteten Kernaussagen wurden in vielfacher Weise variiert, am einfachsten (und noch recht humorvoll) vom „STERN“, der titelte: „Beziehung toll, Liebesleben mau“.

Noch relativ neutral verhielt sich die Springer-Presse. Das Abendblatt schrieb in vornehmer Zurückhaltung: „Die Pille beeinflusst Partnerwahl und Beziehungsglück“ – hätte man noch geschrieben: "Forscher verdächtigen die Pille Partnerwahl und Beziehungsglück zu beeinflussen“ wäre die Aussage sogar korrekt gewesen. Erstaunlicherweise ist die BILD-Zeitung hier vorbildlich gewesen. Sie titelte: „Partner unsexy! Ist die Pille schuld?“ Wenigsten einmal tauchte hier in der deutschen Presse ein Fragezeichen hinter der Meldung auf.

Fast schon an bewusste Fehlinformationen grenzen Überschriften wie „Pille bringt weniger Scheidungen“. (die presse, Österreich) oder die des FOCUS: „Pille schützt sogar vor Seitensprüngen“ – beide Informationen werden durch die zugrunde liegende Studie nicht abgedeckt, denn die Studie bezieht sich auf die Einnahme der Pille zum Zeitpunkt des Kennenlernens.

Insgesamt setzte die Presse auf Beliebigkeit. Titelten die einen: „Sexuelle Unlust durch Verhütung mit der Pille“ (heute.at) oder „weniger Spaß im Bett“ (Springers „WELT“), so hoben die anderen die angeblich positiven Aspekte der der Studien heraus: „Glückliche Beziehungen dank Pille“ (n-tv)

Soweit mir bekannt, recherchierte nur eine einzige Zeitschrift ausführlich: „Wissenschaft .de“ erläuterte die Hintergründe und ordnete die Forschungen damit korrekt ein.

Dem einen oder anderen der Damen und Herren Redakteure in der deutschsprachigen Presse hätte allerdings durchaus aufgehen müssen, dass die Aussage: „Weil Frauen vor der Beziehung die Pille einnahmen, wurde die Beziehung im Nachhinein glücklicher“ nicht bewiesen wurde. Festgestellt wurde nämlich nur, dass bei den befragten Frauen, die zu Beginn der Beziehung bereits die Pille nahmen, später ermittelt wurde, dass ihre Beziehungen zu einem gewissen Prozentsatz glücklicher waren. In der Studie wurde beispielsweise gar nicht berücksichtigt, ob es die Pille war, oder eine dahinter liegende Einstellung, die diese Frauen veranlasste, die Pille zu nehmen.

Die Frage, die sich für das Volk in den deutschsprachigen Ländern ergibt, dürfte sein: Können wir unserer Presse bei wissenschaftlichen Themen, die uns alle betreffen, vertrauen? Ich denke, die Antwort dürfte diesmal gegen „Nein“ tendieren.