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ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
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Welt der vergangenen Illusionen: High Fidelity

Ich würde Ihnen sehr gerne ein Bild dessen vermitteln, was sich gegen 1959 und später in Deutschland als „High Fidelity“ präsentierte, aber es ist kaum mehr möglich, weil man sich heute kaum noch vorstellen kann, wie das „gute alte Dampfradio“ klang, das in besseren Modellen sogar „3-D-Klang“ versprach.

Gegenüber diesen Nussbaum-Natur-Monstern und den mit ihnen verwandten scheppernden Musiktruhen war alles irgendwie besser – selbst der zischelnde und nervtötende Taunussound, der bald zum viel bejubelten „glasklaren, transparenten Klang“ avancierte. Damals ging ein typisches Verkaufsgespräch zwischen einem Konzertbesucher klassischer Konzerte und einem Radiofritzen, der niemals ein solches Konzert besuchte, so:

Käufer: „Finden Sie nicht, dass die Höhen überbetont präsent sind?“

Verkäufer: „Den Eindruck haben wir heute alle, weil wir noch den Klang der alten Radios gewohnt sind – das hat unser Gehör vermutlich fehlgeleitet.“

Käufer: „Aber die Mittellagen klingen absolut unnatürlich, hören Sie doch mal auf die Bratschen und Celli.“

Verkäufer (weiß nicht, was Celli oder Bratschen sind): „Ich schalte Ihnen mal auf den Elektrostaten um, bei dem sind die Mittellagen differenzierter.“

Käufer: „Das haben Sie recht, jetzt kommen die Bratschen schön – aber was ist mit den Bässen? Sie sollten doch auch körperlich spürbar sein, aber ich höre sie kaum?“

Verkäufer (Verlegen): „Das mag an dem Vorführraum liegen – wollen Sie die Anlage nicht einmal bei sich zu Hause erproben?“

Illusion Symphonieorchester im Wohnzimmer

Es war eine Welt, in der sich wenige redlich bemühten, die Wahrheit über den wirklich guten Klang herauszufinden. Als ich vor Jahren einmal sagte, ein großes Symphonieorchester sei niemals in der Lage, in einer 20-Quadratmeterr-Wohnung aufzutreten, und der in der Wohnung entstehende Klang sei allemal ein Abklatsch der Wirklichkeit, wurde ich verlacht. Man wollte die Illusion aufrechterhalten, dass der Hörraum gar keine Rolle spiele. Man wollte verkaufen, und zwar alles, was teuer war.

Die "geilsten" Technikkisten waren einfach nur teuer

Ich kann mich gut daran erinnern, als das Haus TEAC erstmals Geräte zu einem Schnäppchenpreis baute, die an zehn Mal so teure Geräte heranreichten. Damals war die Hi-Fi-Euphorie bereits auf dem absteigenden Ast – und dies mit Recht. Denn der Kunde, den ich beschrieb, war nicht eben typisch für die Szenerie, sondern der Kunde, der mit der schicksten, geilsten und teuersten Technikkiste prahlen wollte.

Geld zerschreddern mit Hi-Fi

High Fidelity war einmal ein hervorragender Weg, Geld zu zerschreddern – und das taten die neureichen Bürger mit Geltungsdrang zur Genüge. Übrigens war ich einer der Ersten, der so etwas zu Hause hatte, und ich habe selbstverständlich zu Anfang auch Geld daran vergeudet. Bis ich einsehen musst, dass die hochgelobten „Spitzenlautsprecherboxen“ in Wahrheit teure Möbelstücke mit schwachem Inhalt waren – aber damals hatten die Engländer gerade ihr neuen Wunderboxen entwickelt. Sie nahmen nur ein Zehntel des Raums ein und konkurrierten munter mit den teuren Möbelstücken aus Deutschland und den USA – ich hatte sie übrigens fast 20 Jahre in Betrieb.

Keine Ahnung von Musik und Physik - Illusion High Fidelity

High Fidelity hatte alles, was man für eine Illusion benötigt: Am besten war es, keine Ahnung von Musik, Physik oder gar speziell von Akustik zu haben, aber den Platz, um in der eigenen Villa zwei „Riesenoschis“ von Lautsprechern aufzustellen – vom dazu gehörenden Konto einmal ganz zu schweigen.

Gute Auslastung beim Online-Schriftsteller

Mühsam nähren sich bekanntlich nicht nur die Eichhörnchen, sondern auch die Schriftsteller. Dennoch bin ich bis Ende September völlig ausgebucht und bereits für den gesamten Oktober vorgebucht. Sollten Sie noch Bedarf für Ihr Weihnachtsgeschäft oder neue Projekte haben, reden Sie bitte einfach mit mir.

Deutsch: Das Datum und eine Dummheit am Rande

Am Dienstag, dem 20. September 2011, erlebte ich etwas Merkwürdiges: ein Streit um das Datum, das an Dienstag, den 20 September gekoppelt war. Hätten sie die kaufmännische Form gewählt, wäre ihnen der Streit erspart geblieben, dann wäre es Dienstag, 20. September 2011. Sie hätten alternativ auch schreiben können: Dienstag, 20.09.2011 oder gar Dienstag, 2011-09-20, oder gar nur 2011-09-2, was allerdings möglicherweise zu Problemen geführt hätte, weil es eben Leute gibt, die noch im vorigen Jahrhundert leben.

Freunde – bitte schön. Der Duden lässt beide Schreibweisen zu, und im Sekretärinnenhandbuch steht es auch goldrichtig.

Ja – nur in der Lehrerschaft, da hat es sich offenbar noch nicht herumgesprochen.