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ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
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Probleme bei der Partnersuche? Ach, es ist der Kapitalismus

Alles auf dieser Erde ist einfach - wenn man es unter dem Gesichtspunkt einer Ideologie sieht. So lese ich verblüfft dieser Tage im "Freitag":

Single-Börsen sind wie Supermärkte: Man checkt Angebote und testet ein Produkt. Das Unvorhersehbare und Irrationale an der Liebe bleibt dabei auf der Strecke


Sicher - der Beitrag stammt nicht im Original aus dem "Freitag“ –es handelt sich um die Übersetzung eines zuvor in der britischen Presse erschienenen Artikels, der deutlich machen soll, dass die Liebe vom Kapitalismus zerstört wird.

Die Behauptung ist weder neu, noch ist sie intelligent – und doch finden derartige Pamphlete Verbreitung. Die simple Logik: Online-Dating findet an einem Markt statt, und Markt ist Kapitalismus, und den Kapitalismus hat der Teufel erfunden.

Die „Argumente“ sehen dann so aus:

Wir wollen diese ihres eigentlichen Wesens beraubten Produkte genießen, aber bitte schön ohne das irrationale Moment, irgendetwas Schlechtes zu konsumieren und ohne das Spontane und Unberechenbare von Gefühlen zuzulassen.


Nun, zufrieden? Wenn wir Online Dating betreiben, sind wir „unseres eigentlichen Wesens beraubte Produkte“. Ich schlage vor, die Autoren solcher Artikel sollten ihr "eigentliches Unwesen" überprüfen und zum eigentlich Wesentlichen zurückfinden.

Der Autor des Ursprungsartikels war übrigens John Walters, der für den Guardian schrieb.

Vorurteile und Vorteile durch „richtige“ Namen für das Kind?

Warum nur gelten Namen wie Alexander, Maximilian, Simon, Lukas und Jakob als „freundlich und leistungsstark“? Und wieso behauptet eine Partneragentur, Namen wie „Felix, Paul und (abermals) Lukas“ würden häufiger angeklickt als andere?

Die Erklärung erscheint auf den ersten Blick einfach: Männer mit biblischen Namen (Simon, Lukas, Jacob und Paul) haben vermutlich Eltern, die an christlichen Traditionen orientiert sind, und „Alexander und Maximilian“ deuten auf Bildungsbürger hin. Lediglich Felix, lange Jahre als Name verpönt, bricht die Riege der „Gutmenschennamen“ – sein Name bedeutet nichts als „der Glückliche“.

Generell aber stehen Vorurteile hinter der Beurteilung der Namen, denn christliche Namen sprechen eher für Einfallslosigkeit oder Opportunismus und historische Namen deuten auf elterliche Arroganz hin.

Im Namensspektrum scheinen die germanischen Namen wie Siegfried oder Hilde ganz verloren gegangen zu sein, und auch nordische Namen wie Nils, Jens oder Lars werden seltener verwendet. Wer auf „Nummer sicher“ gehen will, rettet sich offenbar ins neue Testament oder eben in die Geschichte. Bei den Frauen ist es übrigens etwas anders: dort punkteten bei den Grundschullehrern einst Charlotte, Sophie, Marie und Hannah, während bei den Partnersuchenden angeblich Katharina, Lena und ebenfalls wieder Hannah populär waren.

Charlotte ist übrigens die weibliche Form von „Karl“ – und so ist jede Karla eben auch eine Charlotte. Bai Lena stehen sowohl „Helena“ als auch „Magdalena“ als Namensgeber zur Wahl (also christlich oder griechisch) und Hannah (Hanna) ist alttestamentarisch.

Einen Sinn darin zu finden, ist müßig – und wer genau hinsieht, wird auch dies feststellen: Populäre Namen kommen und gehen, und jede „Hanna“ oder „Charlotte“ wäre noch vor 30 Jahren wegen ihres altbackenen Namens „durchgefallen“. Also gibt es keinen Anlass, weibliche Babys heute „Hanna“ oder männliche „Maximilian“ zu nennen – richtig ist vielmehr, ihnen eine Auswahl von Namen mit auf den Weg zu geben, der durchaus aus unterschiedlichen Quellen stammen kann – und griechische oder germanische Götternamen wirken oft interessanter als die Namen christlicher Jünger, die heute so populär sind.


Quellen: Liebepur für die Kritik, Morgenpost für die Partnerwahl, Eltern für die Grundschulstudie, "Beliebte Vornamen" für die Erläuterungen.