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ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
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Angela Merkel gibt den Rüttgers

Angela Merkel scheitert mit ihrer Strategie des endlosen Aussitzens zunehmend – und schwingt sich derzeit auf den Zeit-Ungeist von Seehofer, der wiederum den Ungeist von Sarrazin populistisch adaptiert hat. Besonders unverständlich, weil aussichtslos und frustrierend, sind die Aussagen eines gewissen Stefan Müller. Er sagte nach Zeitungsberichten: „Alle Langzeitarbeitslosen müssen qualifiziert werden, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund … bevor das nicht passiert ist, kann es keine weitere Zuwanderung geben, unabhängig aus welchem Land oder Kulturkreis.“

Sicher, sicher, Herr Müller – doch wenn wir die Langzeitarbeitslosen nicht einmal als Spargelstecher qualifizieren können, als was denn bitte dann? Wird nicht schon viel zu viel Geld für „Qualifizierungen“ ausgegeben, die sich als Seifenblasen erweisen?

Menschen haben, wie es scheint, ein kurzes Gedächtnis. Es ist ungefähr 30 Jahre her, seit man versuchte, mit BASIC-Kursen Programmierer für seriöse Wirtschafts-Datenverarbeitung zu qualifizieren. Und es ist erst zehn Jahre her, als ein gewisser Jürgen Rüttgers den Spruch „Kinder statt Inder“ in die Welt setzte, der auf einem ähnlichen grundlegenden Irrtum beruhte wie der von Merkel, Müller, Seehofer und Co.

Wissen Sie, ich rufe so gut wie täglich eine Software auf, die PSE heißt und ihren Ursprung unzweifelhaft in den USA hat. Auf der ersten Seite werden für einen kurzen Moment die Entwickler angezeigt – indische, pakistanische und hin und wieder auch ein paar englisch klingende Namen.

Die CDU? Sie begreift derzeit gar nichts, und sie entfernt sich dabei von jenen, die sie stützen und stabilisieren: die deutsche Wirtschaft. Die Kluft zwischen der Regierungschefin und dem Arbeitgeberpräsidenten ist jedenfalls schon jetzt deutlich erkennbar. Nun, und weil gerade von Qualifizierung die Rede war: Die Gastronomie sucht, soweit mir bekannt, nach wie vor Spüler – und findet keine.

Bewegt sich die CDU weg von der Volkspartei?

Die Diskussion um die Rede des Bundespräsidenten zur Deutschen Einheit zeigt klar, wie weit die CDU sich von einer Volkspartei wegbewegt: Wer die Partei des Christentums sein will, kann keine Volkspartei sein. So bitter es klingt: Die CDU lässt sich wieder vor den Karren einer Ideologie spannen – und Christentum als Politik ist nichts anderes als Ideologie.

Natürlich trifft dies nicht auf alle Mitglieder zu – aber die deutsche Bundeskanzlerin eiert in diesem Konflikt abermals herum, statt klar Stellung zu beziehen: Ist die CDU nun dem deutschen Christentum verpflichtet oder allen Deutschen?

Was ich sehr vermisse: Es geht nicht nur um deutsche Christen, deutsche Juden und deutsche Muslime. Deutsche Freidenker gehören ebenso zu Deutschland, und von ihnen redet kein Mensch. Sie sind aber eine große kulturelle Kraft in Deutschland. Vermutlich haben die Hardliner in der CDU ihre Rechnung ohne die Menschen aufgemacht, die sich keiner der drei großen Religionen verpflichtet fühlen.

Die CDU? Für mich ist sie seit letzter Woche vierte Wahl geworden. Unter ihr rangieren bei mir nur noch die extrem Rechten und extrem Linken.

Was Wulff wirklich sagte? Viel weniger, als jetzt behauptet wird.

Neue Affentänzchen um die Leitkultur

Der neue Bundespräsident hat es in einer seiner ersten großen Reden gezeigt, was menschliche Größe bedeutet: Die Bruderreligionen aus der Quelle des Abraham allesamt zu ehren, so, als ob es die eigenen wären und ihre Kulturen zu akzeptieren.

Wörtlich sagte der Präsident allerdings noch weitaus tiefer gehende Worte:

Wir sind Deutschland. Ja: Wir sind ein Volk. Und weil diese Menschen mit ausländischen Wurzeln mir wichtig sind, will ich nicht, dass sie verletzt werden in durchaus notwendigen Debatten. Legendenbildungen, Zementierung von Vorurteilen und Ausgrenzungen dürfen wir nicht zulassen. Das ist in unserem ureigenen nationalen Interesse.


Daraus haben interessiertere Kreise wieder einmal das Märchen zusammengestrickt, „wir“ hätten bislang eine Leitkultur gehabt und die Kultur der Muslime würde dazu nicht passen.

Es mag ja sein, dass manche Deutsche glauben, wie hätten eine Leitkultur, doch das ist ausgemachter Blödsinn. Wir haben bestenfalls eine Religionsgemeinschaft, die sich diese kulturelle Hoheit anmaßt: Die Christen – und weil sie nicht allein bleiben wollen, holen sie noch die jüdische Tradition mit ins Boot, die tatsächlich einen großen Einfluss auf die Kultur hatte – auch außerhalb der Religion.

Allerdings können die Radikaldenker, die eine „deutsche Leitkultur“ postulieren, offenbar nicht zwischen Kultur und Religion unterscheiden: Die Kultur hat längst arabische, griechische, römische und selbstverständlich auch germanische Wurzeln – und das heute so verherrlichte Christentum ist – wie fast alle Religionen – ein Import aus dem Orient.

Doch was nütz dies alles? Deutsche sind wahrscheinlich unverbesserlich einseitig. Meine Damen und Herren CDU-Mitglieder: Wir leben nicht mehr im „Heiligen Römischen Reich deutscher Nationen“, sondern in einem Land des 21. Jahrhunderts. Schon vergessen? Offenbar noch nicht. Die „“ewig Gestrigen“ schleichen sich aus allen Epochen wieder ins 21. Jahrhundert zurück – als selbst ernannte Heilsbringer. Ich kann nur immer wieder raten: Lachen wir sie und ihre neuen Affentänzchen um die Leitkultur aus - sie haben es sich wirklich verdient.

Übrigens: Sollten die Äußerungen des Bundespräsidenten wirklich bei den angeblichen „zwei Drittel der Deutschen“ auf Ablehnung stoßen, was such ein Demoskopentrick sein könnte, dann brauchen zwei Drittel der Deutschen politische Nachhilfestunden.