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ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
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Gestern gesehen: Gioara Feidman



Gestern habe ich ihn wieder sehen und hören dürfen: Gioara Feidman, ein bedächtiger, liebenswürdiger und stiller Musiker ohne jegliche Starallüren, auch wenn ihn manche Menschen den „King of Klezmer“ nennen.

Das Bild entstand auf einer Vernissage der deutschstämmigen Budapester Künstlerin Christa Bartesch, auf dem Feidmann am Montag Abend in Budapest spielte.

Die neue Moral: öffentlich-rechtlich per Krimi?

Die Kritiker waren des Lobes voll: Das war mal ein Krimi, der vom üblichen Schema abweicht – und er enthielt eine richtig kernige Gutmenschenmoral, die uns öffentlich-rechtlich verordnet wurde.

Da will also ein Mann mit einer Frau ins Bett, was man beiden nicht verübeln kann. Nur leider ist sie die Tochter der Chefin, und das Pärchen hat nur Bumsen im Kopf – wie unmoralisch. Wir, die wir noch nicht von der „neuen Moral“ des öffentlich-rechtlichen Fernsehens versucht sind, könne das so schlimm nicht finden. Doch da backt das Drehbuch noch etwas ein: Wegen der heftigen Sexaffäre wird ein Einbruch nicht gemeldet, und vielleicht stirbt deswegen ein Mensch. „Tote Männer“ heißt der Film – aufgemacht als rührender Krimikitsch, aber das soll der Zuschauer wohl nicht merken, dem dies als menschliches Drama verkauft wird – selbst Kritiker fallen darauf herein.

Die Frau Kommissarin, die sich selbst vernachlässigt und vermutlich deshalb an den Freuden des Lebens nicht mehr teilhat, wird als vergrätze, alternde Frau dargestellt – so wie es sich gehört. Nur nicht lustvoll sein – wie unmoralisch. Moral aus Bremen müssen sie nehmen, nordisch, knackig und akkurat.

Der Mann, um den es geht, ist Bi – und nach bewährter Krimimanier (einer schreibt es vom anderen ab) mordet die Ehefrau, die diesmal offenbar zur Unterstützung de moralischen Zeigefingers auch noch schwanger war, die Lover ihres Mannes. Bitte schön, nur Frauen dürfen bisexuell sein, nicht wahr? Männer nicht.

Ach, wie schön ist doch Moral – tut dies nicht, tu das nicht, mach die Mutti Kommissarin nicht böse, und wenn du schon fremd gehst, nimm wenigstens eine Frau und keinen Mann. Oder war das nicht die Moral? Ja, was war sie denn dann?

Die Schlagerzeit – oder: „War das nicht unsere Musik“?

„Wie findest du die Musik, damit sind wir doch aufgewachsen, nicht wahr“?

Ich bemerke immer mehr, dass ich Menschen treffe, die gegen 50 sind und denken, ich sie mit den gleichen Schlagern aufgewachsen wie sie. Nun ist die „Schlagerzeit“ zwar bei jedem jungen Menschen ein wenig anders, aber ich rate wahrscheinlich nicht falsch, wenn ich die so ungefähr zwischen das zwölfte und 16. Lebensjahr lege.

Desillusionierung – nein, wir sind nicht mit denselben Schlagern aufgewachsen – du bist 14 Jahre jünger, meine Schöne. Vierzehn Jahre waren damals eine sehr, sehr lange Zeit – und es gab noch wenig Evergreens, dafür aber einen Schnulzenhimmel über Deutschland, aus dem das Schmalz heraustropfte. Gerhard Wendland, Peter Alexander, Udo Jürgens, Caterina Valente – na schön, die Damen und Herren waren ganz nett bei Stimme – aber sie waren einfach – nun ja, heute würden Sie wohl „ätzend“ sagen. Ich kann mich noch erinnern, dass immer die gleichen Teams draufstanden, wenn es um die „Erfolgsschlager“ der damaligen Zeit ging: Heinz Gietz und Kurt Feltz. Die waren einfach schrecklich, aber weil damals wie heute eher das bildungsferne Publikum mit Illusionen vollgestopft werden sollte, war das Team eben erfolgreich. Nun, und dann dieser Freddy Quinn, der uns als „ehrlicher Seemann“ verkauft wurde - bei dme Mann musste erst einmal am Image gefeilt werden, damit er bühnenfähig wurde, aber es gelang. „Heimweh“ (Memories are made of this“) war so triefäugig-sentimental, dass er gleich 2 Millionen mal ins deutsche Herz einschmalzte: Das reichte für die Goldene Schallplatte. Das Lied sang im Original übrigens Dean Martin, ebenfalls ein Schmalzheld - aber er interpretierte es bei Weitem eleganter und routinierter als Quinn und vor allem ohne ""Wüstensand". Das Lied wurde – auch das ist eine der Merkwürdigkeiten des Lebens – später zum Heimatlied der geflüchteten ungarischen Widerstandskämpfer von 1956.





Nun bleiben wir bei der Musik: Bevor es in Deutschland eine eigenständige, lebendige Schlagszene mit Sängerkomponisten gab, mussten wir uns noch durch „Conny und Peter“ hindurchkämpfen, die bis uns in den 1950er Jahren als „gerade noch geduldete“ sogenannte Teenager-Musik um Mund und Nase geschmiert wurde. Auch dieses scheußliche Zeug wurde von der Jugend (also auch von mir) gesoffen wie Zuckerwasser – doch bereits kurz danach wechselte ich die Richtung: Irgendwann schenkte mir jemand eine Dixielandplatte. Sie mag ja von Papa Bue oder Acker Bilk gewesen sein – das spielte keine Rolle, denn einmal auf der Schiene, blieb ich dort, bis auch der Jazz nicht mehr das war, was man einmal in ihn hineininterpretier, hatte.