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  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
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Sexting: Nacktheit, Moral und ein Todesfall

Ich beginne Artikel ungerne mit schlechten Nachrichten: Aber da gab es eine gewisse Jessica Logan, die mit 18 Jahren beschloss, ihr Leben zu beenden. Nun weiß niemand wirklich, warum eine 18-jährige ihren Leben ein Ende macht – außer US-amerikanischen Medien.

Die Story, die dahinter steht, ist schnell erzählt: Jessica Logon hat das getan, was nach zehntausenden zählende US-Teenager täglich tun: ihren Freunden freizügige Fotos zu schicken, was neuerdings "sexting" genannt wird. Doch nun geschah, was ebenfalls oft geschieht: Die Teenagerliebschaft geht zu Ende, der Freund schickt das Foto an ihrer Schule herum, und die junge Frau wird von den dümmlichen und möglicherweise eifersüchtigen Mitschülerinnen ihrer Schulklasse „Hure“ genannt. Sie begibt sich zu einem örtlichen Fernsehsender, um ein Zeichen zu setzen, dass so etwas aufhört – und zwei Monate später hat sie sich erhängt.

Fragt sich, ob es einen inneren Zusammenhang zwischen dem Verschicken eines Aktfotos und dem Todesfall gibt –das behauptet bis dato nur die Mutter. Fragt sich aber auch, in welchem erbärmlichen moralischen Zustand sich die US-amerikanische Gesellschaft befindet. Man hat dort die Moral umgekehrt: Nicht die Hexenjäger sind dort die Verbrecher, nicht die Verleumder und Beleidiger, sondern ein junges Mädchen, dass ihrem Freund ein Foto von dem schenkt, was er ohnehin sieht: ihren nackten Körper.

Es ist keine Frage von „Sexting“. Es ist ein Frage einer Gesellschaftsordnung, die jahrelang unter dem Diktat einer verlogenen Moral stand – und noch steht. Doch die US-amerikanische Gesellschaft denkt gar nicht daran, sich den Spiegel vorzuhalten und ihre Sexualmoral als verlogen zu brandmarken – im Gegenteil. Sie hat „Sexting“ als neuen Frevel gefunden und brandmarkt ihn – da kann man selbst die Maske des Biedermannes behalten.

BRAVO, Herr Gersdorff und Jesus von Nazaret

Ein gewisser Mathias von Gersdorff sammelt gerade Unterschriften – er will angeblich die „BRAVO” verbieten lassen. Von der Webseite der Organisation TPF Deutschland, die er vertritt, heißt es unter anderem: „Wie jeder weiß, ist sie (die Familie) die Zelle der Gesellschaft. Von Jesus Christus zur Würde eines Sakraments erhoben …“.

Offenbar verwechselt der Katholizismus da mal wieder etwas. Denn der Religionsstifter Jesus von Nazaret (nicht „Jesus Christus“, das ist er nur für Christen) war selber nie verheiratet und predigte über fast alles – außer über die Ehe. Die war ihm viel zu weltlich.

Lediglich, als die Schriftgelehrten ihn in eine theologische Diskussen verwickeln wollten, die, die ihn als Ketzer entlarven sollte, hat er sich zur Ehescheidung geäußert – wohl bemerkt, zur jüdischen Ehescheidung nach den mosaischen Gesetzen, die viel an Interpretation offen lassen.

Der Satz „was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen“, ist ein rein rhetorische Formulierung, wie sie in solchen Disputen üblich war. Deswegen heißt es im NT auch, dass ihn seine Anhänger hernach noch einmal fragten, wie er denn dies gemeint habe. Seine Aussage interpretierend, verzichtete der Religionsstifter dann auf die straken theologischen Formulierungen und wies darauf hin, dass er es für Ehebruch halte, wenn ein Mann sich scheiden ließe und eine andere Frau heiratete. Man sieht: Das heilige Sakrament der Ehe ist eine Erfindung des Katholizismus.

Was die BRAVO angeht – die war schon Old Conny und seinen Ministern ein Dorn im Auge – Jugend und Sexualität? Das wollte den Damen und Herren der Christenunion damals gar nicht passen. Wie man sieht, gibt es immer Nachfolger, die der Jugend ihr Eigenleben nicht gönnen.

Kondome - wie man einen Papst schön redet

Schlecht ist immer nur die Politik – ein Papst hingegen ist immer ein Papst, und er kann nur das Beste wollen, sonst wäre er ja kein Papst. Nun, und während ihn Afrika liebt und lobpreist, den Papst aus Rom, nimmt Europa eine winzige kleine Sache so ernst: Seine Äußerungen über dünne Gummihüllen, Kondome genannt. Der Welt-Korrespondent und Mitherausgeber die Monatszeitschrift Vatican Magazin, Paul Badde versucht in der WELT, die Äußerungen des deutschen Papstes schön zu reden. Das Problem ist nur – so etwas lässt sich nicht mehr schön reden.

Zur Erinnerung: Der Papst von Rom hatte gerade erneut behauptet, die Benutzung von Kondomen verschlimmere nur das Problem (AIDS/HIV), und die Lösung läge in einem „spirituellen und menschlichen Erwachen“. Darauf kann er lange warten, der Papst.