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ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
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Ein Flickenteppich der Nichtigkeiten: Schönheit und Beruf

Ganz begriffen habe ich nicht, worauf die FAZ-Autorinnen Lisa Nienhaus und Stefani Hergert mit ihrem langatmigen und widersprüchlichen Artikel eigentlich hinaus wollen – ist es ein Aufruf, sich vor der Bewerbung „die Brust straffen, die Zähne richten und Fett absaugen“ zu lassen?

Die beiden Autorinnen haben das getan, was Journalisten leider oft tun: Aus diesem und jenem Versatzstück einen Flickenteppich zusammengeschustert, der den Anspruch von Wissenschaftlichkeit vermitteln soll. Ein Texaner namens Daniel Hamermesh wird zitiert: „Gutes Aussehen wirkt auf das Gehalt etwa so stark wie eineinhalb Jahre Berufserfahrung mehr". Bei zehn oder zwanzig Jahren Berufserfahrung würde dies vermutlich nicht mal in den USA mit einem einzigen Cent zu Buche schlagen – aber behaupten kann man es ja mal.

Ja sicher, es mag sein, dass schöne Kinder von Lehrern besser bewertet und mehr beachtet werden, es kann auch sein, dass mancher schöne Mensch eher einen Job findet, als ein hässlicher – aber was bitte bringt uns dies bei der nächsten Bewerbung oder bei der Partnerwahl?

Die Autorinnen sind wissenschaftsgläubig, und so zitieren sie dies und das – und doch klingt am ende alles wie Geplapper: Schöne Menschen verdienen nicht nur mehr, auch die Firmen, für die sie arbeiten, sind erfolgreicher. Münchener Forscher werden zitiert, die 0,6 Prozent mehr Bruttogehalt pro Zentimeter Körpergröße ermittelt haben wollen. Wir wussten doch immer schon: Wirtschaft braucht Wachstum. Wenn ein Mann von 1,80 also beispielsweise (nur kein Neid) brutto 5000 Euro verdient, bekommt der Zweimetermann 5600. Da staunen wir als Laien natürlich und wünschen uns ein paar Zentimeter mehr – an Körpergröße, oder was dachten Sie?

Die äußere Erscheinung – na klar, die ist wirklich wichtig. Nur welche „äußere Erscheinung“? Mich haben oft Menschen tief beeindruckt, an deren Aussehen ich mich gar nicht mehr erinnere – deren Ausstrahlung aber gleichwohl beeindruckend war. Schönheit? Ach, Agathe, die Puppe kotzt.

Am Ende – ja, am Ende. Da nützen dann die zwei Zentimeter mehr auch nichts, die Ihnen 1,2 Prozent mehr Bruttogehalt bringen. Wenn sie kein Englisch sprechen, beispielsweise oder ihre Garderobe unpassend ist – oder sie nicht verstehen, ein gutes Gespräch zu führen. Das schreiben dann sinngemäß auch noch die Autorinnen. Fragt sich, warum sie all das Andere geschrieben haben.

Eigenwerbung -anders formuliert

Ich schreibe für Sie – auf alle Fälle, für alle Fälle. Meine bevorzugten Themen sind Partnerschaft, Populärpsychologie, Dating, Liebe, Erotik und Klatsch. Schließen Sie daraus bitte nicht auf Oberflächlichkeit – das wäre ein schwerer Fehler: Denn ich sehe Verbindungen zwischen zwei Punkten, wo andere nicht einmal Punkte sehen.

Schon wieder eine „Miss“ entmisst

Bei kaum einem Wettbewerb sind die Kriterien so undurchsichtig wie bei einer Miss-Wahl – und so gut wie nirgendwo werden Moralvorstellungen aus dem vergangenen Jahrhundert so hochgehalten.

Jedenfalls wurde nun eine gerade gekürte „Miss Bayern“ wieder entmisst, weil „im Internet Aktfotos“ von ihr existierten. Herausgefunden hat dies die „böse Konkurrenz". Der „Express“ schrieb, offenbar in Unkenntnis der deutschen Sprache, dass eine „Mitkonkurrentin“ sie entlarvt hatte. Überhaupt wundere ich mich über die Sprachregelungen beim „Express“: Da ist wahrhaftig von einem „Nackedei-Skandal“ und von „Nackedei-Fotos“ die Rede. Ralf Klemmer, der Chef des Veranstalters MGC, sah sich noch veranlasst, sich eine Krokodilsträne aus dem Knopfloch zu drücken: Sie sei ein „so hübsches Mädchen“, sagte er einer Zeitung, und „solche Bilder“ hätte sie gar nicht nötig gehabt. Ob sie diesen Rat „nötig“ hatte? Ich bezweifle es. Aktfotos für angehende Models sind so normal, dass außerhalb der pseudo-moralischen Glitzerwelt der Misswahlen kaum noch jemand Notiz davon nehmen würde.

Als Nachfolgerin wurde jedenfalls die Zweitplatzierte, die 22-jährige Anna Lena Freyenhagen, bestimmt, die nun die Chance hat „Miss Germany“ zu werden.

Anmerkung: Der Artikel wurde am 06.10.2009 auf Wunsch der Ex-Miss sachlich verändert.