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ihre worte - neu geschrieben
  Gebhard Roese - Ihr Texter, Schriftsteller und Journalist.
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Hohe Erwartungen an Geschäfts-Blogs?

(sehpferd, freier Content, Nachdruck frei, 30.01.2008) Nachdem Hinz und Kunz Geschäftsleuten dazu raten, sich ein Blog zu leisten, steigen die Erwartungen teils ins Unermessliche.

Was ist daran realistisch?

Natürlich kommt es auf die Erwartungen an. Wenn man eine Dienstleistung oder Ware anbietet, die auf einen ganz bestimmten Kundenkreis in einer genau definierten Region mit besonders exklusiven Waren anbietet, dann kann man so gut wie sicher sein, dass es klappt, damit schnell neue Kunden zu gewinnen, wobei schnell immer noch heißt: „innerhalb eines Jahres“.

Beispiele: exklusive Fetischmode in München, eine Autovermietung in Budapest, ein Versandhaus für schwer erhältliches Handyzubehör in Deutschland.

In den meisten anderen Fällen wird das Blog nicht sofort direkte Kunden gewinnen, sondern eine Maßnahme sein, das Unternehmen im Gespräch zu halten. Gerade dies wird von vielen Unternehmen unterschätzt: Gezielte Mini-Werbung mit häufiger positiver Erwähnung des Markennamens ist oft wichtiger als das direkte Generieren von Umsätzen. Auch dazu ein Beispiel: Wenn im Internet ein Buch präsentiert wird, hat den Vorteil in erster Linie der Verleger, in zweiter Linie der Anbieter, zu dem ein Link führt und erst in dritter Instanz derjenige, der den Link in sein Blog eingebracht hat. Das bedeutet: Wer den Umsatz macht, ist nicht unbedingt derjenige, der an der Werbung beteiligt ist. Man kann das Buch bei seinem nächsten Stadtbummel kaufen, es auf die nächste Sammelbestellung (beispielsweise bei Amazon) setzen oder es tatsächlich mit dem Link bestellen.

Unternehmer sollten sich also davor hüten, aus Blogs „direkt Umsatz“ generieren zu wollen. Es ist wesentlich wahrscheinlicher, dass der Umsatz über die Mundpropaganda oder eine andere Weitergabe durch Leser erfolgt.

Lernen aus der Wahl

(sehpferd, 28.01.2008, freier Content) Aus der Hessenwahl mag es Dutzende von Lehren geben – aber eines glüht aus der Asche hervor: Arroganz zahlt sich nicht aus. Das gilt in erster Line für Herrn Koch, der mit seiner Arroganz und Instinktlosigkeit das politische Kapital der CDU verspielt hat. Es gilt aber leider eben auch für den Chef der Freien Demokraten, Jörg-Uwe Hahn, der offenbar vor den ZDF-Kameras noch glaubte, einen verspäteten Wahlkampf mit markigen Sprüchen vorführen zu müssen. Der völlig verfehlte, arrogante und überaus peinliche Auftritt wird selbst viele Freunde der FDP vor den Kopf gestoßen haben.

Andrea Ypsilanti hat einen guten Wahlkampf gemacht – und noch in der Wahlnacht Liebesgrüße zur FDP gesandt, von der sie dann nur wenig später per Fernsehen die Frontalabfuhr bekam. Aber ob es klug war, gleich die Große Koalition, vielleicht mit einem anderen Partner ais ausgerechnet Herrn Koch, völlig auszuschließen? Der gestrige Tag hat vor allem eines gebracht: In Hessen ist man offenbar weder in der Lage gelassen zu verlieren, noch so zu gewinnen. Niedersachsen bot da ein besseres Bild: Klare Positionen, klare Profile – und weiterhin eine stabile Regierung.

Am Rande sei Folgendes bemerkt: Am rechten Rand ist inzwischen alles abgefischt, was es an Wählern gab. Am linken Rand aber ist noch Potenzial. Wenn Sie mich fragen: Ich hätte nichts gegen ein Drei-Partein-System. Sowohl die Grüne Partei wie auch die extreme Linke schaden letztlich nur der Sozialdemokratie, während ihr Nutzen fragwürdig ist. Nicht, dass ich ein SPD-Freund wäre – aber die Partei muss versuchen, den Unzufriedenen auf der Linksaußenkippe eine Heimat zu bieten, wenn sie wieder siegen lernen will.

Computer sind überflüssig - meint ein Psychiater

(sehpferd, 27.01.2008 freier content) Das wissen wir natürlich schon lange: Der Gebrauch von Werkzeugen zerstört den natürlichen Umgang mit dem Material, und wer einmal einen Öltanker steuern will, der muss erst auf einem Segelschiff anheuern. Der Gebrauch von Telefonen ist überhaupt ganz widerwärtig, weil er die Besuchskultur zerstört hat – und nun sind Computer überflüssig.

Das hat ein deutscher Psychiater, Manfred Spitzer, festgestellt und dabei die Wurzel vieler anderer Übel gefunden: den Computer, der in der Schule steht. „Völlig überflüssig“ meint er und argumentiert:

Früher haben die Buben wenigstens ein bisschen gelesen. Wenn man denen gesagt hat, sie sollten ein Referat halten, dann mussten sie ihre Nase in ein Buch stecken. Heute gehen sie in das Online-Lexikon Wikipedia und betätigen nur die Befehle «Kopieren» und «Einfügen» auf der Tastatur ihres Computers. Würden sie ein Buch nutzen, müssten sie den Inhalt ja von Hand eintippen. Das Schlimme aber ist: Sie lesen nicht einmal mehr, sondern halten Referate über Dinge, die sie nicht wirklich begriffen haben.“

Wissen Sie, liebe Leserinnen und Leser, wenn man mal die Befehlsfolge „Kopieren und Einfügen“ weglässt und sich an die eigene Schulzeit erinnert, was finden wird dann? Wir haben Referate über Dinge gehalten, von denen wir nicht das Geringste verstanden haben. Das war eben Schule. Manche von den damaligen Schülerinnen und Schülern sind dann Studentinnen und Studenten und anschließend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geworden.

Sie ahnen, was kommt? Sie sprechen zum Teil über Dinge, die sie nie wirklich begriffen haben, zu denen sie keinen Bezug haben und die ihre intellektuelle Leistungsfähigkeit bei Weitem übersteigen. Nur: Damals gab es noch keine Computer. In der Schule reichte aber auch damals schon „Lernen auf kurzfristige Ziele hin“. Echtes Verstehen ist ein Luxus, den sich nur wenige leisten wollen.

Quelle des Zitats: NZZ.