Da staunen wir natürlich: Schweden hat die Prostitution beinahe abgeschafft. Derartige Kunde kommt von einem gewissen
Thaddeus M. Baklinski, einem so genannten „Pro-Life-Aktivisten“, also einem religiös motivierten Abtreibungsgegner. Die Sache, die er schreibt, basiert auf einem seriös erscheinenden Artikel im deutschen Nachrichtenmagazin
DER SPIEGEL von André Anwar, dessen offenbar einzige Quelle für den vermeintlichen Erfolg die Polizei ist. Dort hat ein gewisser Jonas Trolle diese Auskünfte gegeben – und gleich damit herumgeprahlt, dass es in Stockholm nur noch „zwischen 105 und 130“ Prostituierte gäbe – wohingegen man in Oslo 30.000 Damen bei dieser Arbeit vorfinden würde.
Was der Polizeimann nicht sagte: In Schweden wird von „Prostitution“ seit jenem Jahr 1999, in dem die Kunden der Prostituierten stattlich als Verbrecher gebrandmarkt wurden, nur noch dann gesprochen, wenn eine Frau auf der Straße von einem Freier angesprochen wird. Was außerhalb der Straße geschieht, sieht ja niemand – und was niemand sieht, interessiert in Schweden keinen Menschen.
Indessen – wenn man eben will, dass sich solche Nachrichten verbreiten, ist der SPIEGEL natürlich der ideale Multiplikator – so gut wie jeder Hurengegner hat dort inzwischen seine Zahlen abgeschrieben, die durch gar nichts belegt werden können außer durch die Aussagen jenes Polizeibeamten. Zitat aus einem
Bericht der deutschen Bundesregierung: „Das vorrangige Ziel der polizeilichen Maßnahmen (in Schweden) war die Beseitigung der Straßenprostitution. Dies geschah überwiegend mit den Mitteln des Ordnungsrechts und der Straßenverkehrsordnung.“
Um die Prostituierten von der Straße zu holen, wurde damals (1999) insgesamt die lächerliche Summe von 10 Millionen Kronen zur Verfügung gestellt – wer glaubt, dass damit auch nur ein Bruchteil der Huren in den drei schwedischen Hochburgen der Straßenprostitution (Stockholm, Göteborg, Malmö) umgeschult werden konnte, müsste eigentlich auch noch an den Weihnachtsmann glauben.
Was ist wirklich geschehen? Die Damen, die vor 1999 nicht auffällig waren, sind auch später nicht aufgefallen. Wo die Übergabe „Sex gegen Geld“ nicht offenkundig ist, gibt es weder Kläger noch Richter. Die Huren sind entweder abgewandert oder betreiben ihr Gewerbe nun ohne Geldübergabe auf so genannten „Verabredungen“ – dies können allenfalls noch verdeckte Ermittler feststellen.
Und der Bodensatz der schwedischen Männer? Der sucht das erotische Vergnügen mit Huren eben anderwärts. Nicht unbedingt in Norwegen und Finnland, wo Prostituierte auch nicht gerade sehr geschätzt sind, sondern in der Provinz oder gleich in den baltischen Ländern. Wer in Malmö wohnt, kann mit dem Zug über die Brücke fahren: In Kopenhagen haben feministische Extremisten weniger Chancen, die Regierung zu beeinflussen.