Man kann nur alle unseren Mitmenschen danken, die einmal versuchen, in deutschsprachigen Blogs Wels zu spielen und ein bisschen a, Boden zu gründeln. Das haben die Leute gut gemacht – und
vor denen ziehe ich erst mal den Hut.
Allerdings – und hier knabbern mich schon die Zweifel an: Würden Sie eine Zeitung eine Zeitung nennen, wenn sie seit zwei, drei oder vier Wochen keine Meldungen mehr gebracht hat? Ich nicht. Wieso nennt man dann bitte ein Blog noch ein Blog, wenn er vor einem oder anderthalb Monaten zuletzt aktualisiert wurde?
Nun, wahrscheinlich kommen so die 133.300 aktiven Blogs zustande, die „innerhalb der letzten zwei Monate aktualisiert wurden“). Don Dahlmann macht daraus gleich mal die Milchmädchenrechnung auf: 200.000 Blogs (also zusätzlich hunderttausend Quasileichen) gäbe es in Deutschland, und jedes dieser Blogs hätte ja wohl mindestens 20 Leser, nicht wahr?
Macht 4 Mio. Leser – ein Zehntel aller Onlinebenutzer in Deutschland – freilich unter der Voraussetzung, dass Leute ja so gerne Blogs lesen, deren Aktualisierungsdatum Schnee von gestern ist. Nun ja,
lieber Herr Dahlmann, - ein Schelm, wer Arges dabei denkt. Ich könnte genau so gut so gut mit 100.000 Blogs rechnen, die je 10 Leser haben. Unterstelle ich, dass einige Leser mehrere Blogs lesen so komme ich vielleicht noch auf 5 Personen pro Tag und Blog – 500.000 statt vier Millionen. Beide Zahlen sind natürlich reine Fantasie – niemand weiß, wie viele Deutsche sich tatsächlich aus Blogs informieren.
Na – und dann steckt in dem Urgestein der Blogger ja auch noch so ein kleiner Rebell – und wo die Zahlen nicht weit reichen, da hilft dann eben das Pathos des edlen Ritters: „Es geht nicht nur darum, wie viele Menschen ein Thema lesen, sondern auch wie oft ein Thema von anderen Seiten verlinkt wird. Es geht um Linktiefe und Linkhäufigkeit. Zwei Dinge mit denen man ein einzelnes Blog - theoretisch - innerhalb weniger Stunden auf die Zugriffszahlen der Onlineseiten der "Welt" treiben kann.“ Das meint Herr Dahlmann. Er kann ja mal versuchen, es zu beweisen.
Ja, ja … der Glaube, er versetzt Berge. Abgesehen davon: Blogger können selbstverständlich nützlich sein – aber in ganz anderer Weise. Denn es sind nicht die angeblich „großen“ politischen Themen, die noch einer Bloggermeinung bedürfen. In Wahrheit sind es kleine Wahrheiten, Anmerkungen und Richtigstellungen, die Blogs so wichtig machen – und durchaus nicht als Nadelstiche in der Welt der Presse, sondern als Instrument von Firmen und Einzelpersonen, das zu verkünden, was sie für richtig halten.