Bevor ich auch nur einen Satz mehr schreibe: Die Jugend ist ein Gewinn – und sie ist unser aller Zukunft. Das bedeutet nun freilich nicht, dass wir der Jugend alles überlassen sollten. Sie kann, soll und muss unsere Aufgaben eines Tages übernehmen – und manches können junge Leute eben schon besser als wir Älteren, die teils wir noch wie die Könige über unseren kleinen und großen Imperien thronen.
Doch was soll ich davon halten: Die SPIEGEL KG hat den Wunsch nach „
frischen Ideen und neuen Konzepten für den, 'Spiegel' – und will ‚mehr junge Leute ans Blatt binden’ wie ein Sprecher sagte. Stefan Aust, der langjährige Chefredakteur, muss 2008 gehen - er ist ein Mann in meinem Jahrgang.
Ich habe diesen Jugendwahn mehrfach erlebt. Die erste Kampagne in den 70ern spülte junge Leute in Führungs- und Schlüsselpositionen, die da gar nicht hingehörten. Ihre Familien zerbrachen, und einer der mir Bekannten (es waren wenige) landete unter den Münchner Brücken. Als ich vor einigen Jahren eine ähnliche Kampagne eines Unternehmers hörte, musste ich schon lächeln. Er müsse sein „Personal verjüngen“ hieß es – er plante es langfristig, so dass es momentan keine Auswirkungen hatte.
Die Wahrheit: Die Altersweisheit ist ebenso nötig wie der Elan der Jugend. Was oft vergessen wird: Die Alten können zwischen dem Rauschen des Windes und den Fakten sehr schnell unterscheiden. Das müssen die jungen in langwierigen, oft schmerzhaften Prozessen erst lernen. Auch dies wäre zu bezweifeln: Frische Ideen werden oft nicht von den „Alten“ behindert – sondern von verkrusteten Strukturen in den Organisationen. Hier anzusetzen, ist meist die näher liegende Idee.
Zitat:
Tagessspiegel.