Gestern hatte ich mich über einen jungen Mann geärgert, der nochmals die Rechtschreibreform hochkochen wollte – das war natürlich ganz falsch, denn ob ein einzelner Blogger in diesem Universum einen Kuss oder einen Kuß bekommt (ich vermute, nichts dergleichen) kann mir herzlich egal sein.
So kommt es eben, das man sich mal über die Falschen ärgert. Richtig ärgerlich bin ich darüber, dass christliche Autoren offenbar jetzt bestimmen, was in Wikipedia zu stehen hat: über Weihnachten zum Beispiel. Das Fest heißt nun mal Weihnachten und ist nicht ursprünglich christlich, wie uns die Autoren dort nachdrücklich klar machen wollen. Im Norden heißt es Jul, und in Norddeutschland ist es das Weihnachtsfest. Mag ja sein, dass die Süddeutschen, Rheinländer und Österreicher nur das christliche Weihnachtsfest kennen – aber das ist eben nur auf die Wintersonnenwende aufgepfropft.
Ich würde schon gerne mal wissen, warum wir eigentlich weder Jul noch die Wintersonnenwende feiern dürfen. Irgendwo muss in unseren Köpfen noch sein, dass jeder Gedanke an germanische Traditionen gleich den Hitlerteufel aus dem Kasten lockt. Liest man ältere Lexika (sagen wir einmal von 1880), so wird deutlich, dass man damals noch bei Weitem aufrichtiger und liberaler mit der Entstehung des Weihnachtsfestes umging und insbesondere Jul und die „wihen Nachten“ noch kannte: 12 Nächte ab dem 25. Dezember. Allerdings - so germanisch ist die Sache nun auch wieder nicht. Schließlich haben viele Völker die Wintersonnenwende wahrgenommen und Feste zu Ehren des Sonnengottes (z. B. des Sol oder Mithras) gefeiert.
Wikipedia:
„
Weihnachten (auch „Christfest“ oder „Heiliger Christ“) ist das christliche Fest der Geburt Jesu Christi und damit, nach christlichem Glauben, der Menschwerdung Gottes. Hauptfesttag ist der 25. Dezember, der an seinem Vorabend mit dem „Heiligabend“ (auch „Heilige Nacht“, „Christnacht“ - nach moderner Kalenderzählung am 24. Dezember) beginnt.“