„Die Bedeutung einer intakten Landessprache für das geistige Leben wird in Deutschland kaum gewürdigt“,
schreibt das „Berliner Sprachbündnis“ – und verlangt „öffentlichen Schutz“ für die deutsche Sprache.
Nun habe ich wirklich nichts dagegen, wenn wir versuchen, ein klares Deutsch zu sprechen und zu schreiben – möglichst ohne Wörter, die aus dem Französischen und Englischen entlehnt sind. Auf der anderen Seite aber ist der öffentliche Schutz einer Sprache grober Unfug.
Dies gilt vor allem, weil ein großer Teil der deutschen Bevölkerung täglich als Umgangssprache einen Dialekt bevorzugt. Wird er außerhalb der kleinen familiären und dörflichen Kreise Gleichgesinnter gesprochen, so kommt er sprachlicher Umweltverschmutzung nahe. Sollten wir nicht zunächst in Deutschland auf „deutsch“ als Umgangssprache beharren, statt uns ständig an schwäbische, badische, sächsische und bayrische Dialekte gewöhnen zu müssen?
Wo wird das falsche Deutsch noch gesprochen? In der Wirtschaft, vor allem – und noch mehr in der Werbung. Da haben die Sprachschützer dann wirklich recht: Das Kauderwelsch, das uns in Pressemitteilungen um die Ohren geknallt wird, gehört zu einem großen Teil in die Kloschüssel.
Aber geht es ihnen nicht um etwas ganz anderes? Um ihre viel geliebte Hochsprache, die eigentlich nur in der Literatur wirklich geschrieben wird? Darum, dass Eliten immer mehr auf das Englische ausweichen? Ich meine: Wir als Europäer hätten nichts nötiger als eine gemeinsame Sprache – und Englisch wäre diese Sprache. In den skandinavischen Ländern hat sie sich längst durchgesetzt, und in Deutschland setzt sie sich – zu meiner Freude – gerade durch. Franzosen und Polen mit ihrer nationale Sprachpolitik als „vorbildlich“ hinzustellen, gleicht schon einem Angriff auf eine gemeinsame europäische Kultur.
Die Sprachschützer mögen guten Willens sein – sie nützen aber keinem Menschen wirklich. Das nationale Getümel, das aus ihren Zeilen spricht, verhindert Europas zusammenwachsen. Es ist einfach undenkbar, dass jemand, der heute in Dänemark, morgen in Ungarn und übermorgen in Deutschland ist, alle drei Sprachen erlernen muss: Englisch wäre das Mittel der Wahl – oder eben auch Deutsch. Aber dann müsste Deutsch nicht in Deutschland gefördert werden, sondern als EU-Sprache.