Es liegt mir nicht, viel über mich zu offenbaren - aber in diesem Fall will ich eine Ausnahme machen. Und nicht nur, weil hier gerade eine Blogcarneval stattfindet. Es ist auch Sonntag - und es ist jeden Tag Zeit, der Wahrheit die Ehere zu geben. Also - was bedeutet es für mich, Christ zu sein?
Was es für mich bedeutet, Christ zu sein? Zunächst einmal bedeutet es, in einer Familie aufgewachsen zu sein, in der Verstand und Umsicht regierte und der Herr Pfarrer ein Mann im schwarzen Anzug war. Freundlicherweise durfte er mich dennoch taufen – das war so üblich damals.
Verständlicherweise stellte ich mir die Frage nach dem Christsein zum Zeitpunkt der Taufe noch nicht – und die Eltern hatten ohnehin 1946 andere Sorgen als dem Herrn Pfarrer schön zu tun. Die nächste Stufe meiner Prüfung war dann die Konfirmation – so etwas machte man einfach in meiner Heimatstadt. Der Herr Pfarrer war diesmal ein anderer, die Kirche war eher lutherisch als reformiert, und irgendwie schaffte der Mann es, dass ich einmal in den Gottesdienst ging.
Wissen Sie, liebe Leserin,, lieber Leser, ich habe dies Geschichten aus dem alten und neuen Testament früher immer in den Schuhkarton Sparte „Geschichte und Geschichten“ gelegt. Da lag ich so falsch nun auch wieder nicht. Glaube bedeutet nicht, ein Buch aus dem Orient zu besitzen. Es bedeutet, den Auftrag der Schöpfung in sich zu tragen.
Unser so genanntes „Christentum“ ist eine gar seltsame Mischung aus dem mosaischen Glauben, einigen Christusworten und sehr, sehr vielen Interpretation von den Aposteln über die Kirchenväter und die Päpste bis zur heutigen Zeit. Wenn ich überhaupt irgendwo ansetzen kann, dann bei der Schöpfung, die als Auftrag verstehe – und schließlich wieder bei dem Wanderprediger, von dem die Religion ihren Namen hat. Er predigte ja nicht
für, sondern
gegen die Geistlichen seiner Zeit und legte den Finger in die Wunden ihrer falschen Interpretationen.
Nicht mehr und nicht weniger
versuche ich heute. Sicher – ich kann nur ganz wenig tun – aber das tue ich gerne: Hinter dem Rauschen kirchlicher Sprüchemacher die wenigen Wahrheiten herauszufinden.
Warum ich Christ bin? Vielleicht, weil ich für den Papst von Rom alles andere als ein Christ bin. Denn Christ bin ich nur für mich.
Wenn Sie jetzt sagen: in Wahrheit sind Sie gar kein Christ, dann haben Sie aus Ihrer Sichtweise sicher auch recht – denn für mich ist Jesus nicht der Messias (der Christus). Aber das wäre ein anderes Thema: Der Messias ist ein Mensch, der den ewigen Frieden bringt.