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SAP: Kritik an der Produktpalette – in Zukunft ohne Léo ApothekerMontag, 8. Februar 2010
Egal, wie groß ein Softwareunternehmen ist – es zahlt sich nicht aus, die Interessen der Kunden aus den Augen zu verlieren. Diese Erfahrung musste nach Presseberichten gerade der Softwaregigant SAP machen: Léo Apotheker ist nicht mehr Chef des deutschen Vorzeigeunternehmens. Zwar gab das Unternehmen die Gründe nicht offiziell bekannt, jedoch vermutet die Presse, dass sowohl Kunden wie auch Mitarbeiter von Apothekers Firmenpolitik immer weniger begeistert waren. Man kann aber auf Dauer als Chef weder gegen Kunden noch gegen Mitarbeiter agieren – das müsste eigentlich zum „Kleinen 1 x 1“ des Managers gehören.
„Apotheker wurde kritisiert für Verzögerungen bei der Einführung einer online-basierten Software für kleine und mittelständische Unternehmen. Auch der Versuch, die Wartungskosten in Zeiten der Finanzkrise zu erhöhen, kam nicht gut an“, sagte Hasso Plattner, einer der Gründer von SAP, dazu gegenüber der „Financial Times“. Das Problem der SAP sei gegenwärtig die Produktpalette – dies wollen Analysten in den USA festgestellt haben. Offenbar hält man dort die Produktpolitik des Unternehmens für falsch: „SAP brauche nun eine starke Vision für Produkte, um wieder auf den richtigen Weg zu kommen“, hieß es beispielweise im Wall Street Journal nach Informationen des Handelsblattes.
Geschrieben von Gebhard Roese
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Westerwelle attackiert CSU – mit dem Rücken zur Wand?Samstag, 6. Februar 2010
An den Worten von Guido Westerwelle kann man eine Untugend feststellen, die in Deutschland fast überall grassiert: Schuld sind immer die anderen. Finde ich keinen Partner, sind es die Frauen, die nichts taugen, finde ich keine Arbeit, so ist es der Kapitalismus. Hat die aktive Umsetzung liberaler Politik auf der ganzen Linie versagt, dann ist es die CSU, die Schuld an allem ist.
Fragt sich, wen Herr Westerwelle auf diese Weise noch erreichen will. Die selbstgefällige, rechthaberische Art von Herrn Westerwelle geht nicht nur FDP-Gegnern auf den Keks, sondern vor allem FDP-Wählern. Leider sieht Herr Westerwelle all dies noch nicht ein. Doch was sollen wie von einem Politiker halten, der in Krisen gleich mit dem Rücken zur Wand kämpft?
Geschrieben von Gebhard Roese
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Die Rhetorik der Jesuiten und der KindesmissbrauchSamstag, 6. Februar 2010
Es ist nicht einfach für die „Gesellschaft Jesu“, mit den gegenwärtigen Vorwürfen zurechtzukommen. Man hat vertuscht, was offenbar leicht zu vertuschen war: den Missbrauch von Schutzbefohlenen. Nun, da sich nichts mehr vertuschen lässt, werden die Jesuiten hellhörig. Um Ihr Ansehen nicht zu verlieren, dass sie zweifellos hatten und auch heute noch haben, gehen sie an die Öffentlichkeit und sagen: Unsere Schuld - es darf nicht wieder vorkommen.
Soweit, so gut. Gott wird auch ihre späte Reue anerkennen, und wir Irdischen könne ohnehin kaum etwas anders tun, als den Kopf zu schütteln über das, was passiert ist. Es ist ja nicht allein die Knabenschändung, die den Moralisten bewegt, sondern vor allem der Zusammenhang zwischen der heimlichen Schändung und dem öffentlichen Auftreten gegen Homosexualität schlechthin – ja überhaupt der Anspruch, sich in moralischen Fragen kompetent äußern zu können, der infrage steht. Das gilt nicht nur für die Jesuiten, sondern für die gesamte katholische Welt: Sag, wie hältst du es mit der Sexualität, von der Homosexualität einmal ganz zu schweigen? Worauf soll in durch den Zölibat gebundener Priester zurückgreifen, wenn ihn die Lust packt? Beten? Kalt duschen? Ein heimliches Arrangement mit der Haushälterin aushandeln? Die katholikenfreundliche Presse hat schon vorher abgewiegelt: Nein, eigentlich habe der Missbrauch mit dem Zölibat gar nichts zu tun. Wer es glaubt, wird möglicherweise selig. Jesuiten sind, mehr als andere Kirchenmänner, gewiefte Rhetoriker. Das begeistert an ihnen, jedoch nicht jetzt und hier. Wer sich jetzt äußert, muss Schuld auf sich nehmen – und zwar alle Schuld ohne jedes Schlupfloch. Wer jetzt um die Schuld schachert, tut weder seinem Orden, noch der Kirche, noch der Öffentlichkeit einen Gefallen. Sätze wie diese sollte man sich also drei Mal überlegen, bevor man sie einem Journalisten zu Protokoll gibt: „Also man darf nicht nur den Jesuiten vorwerfen, sie hätten früher weggeschaut. Früher haben alle weggeschaut. Man hat das toleriert, schweigend. Und ich fürchte, dass noch viele Missbrauchsfälle in kirchlichen und bürgerlichen Schulen auftauchen, wenn es Ankläger gibt.“ Das ganze Gespräch und den Nachsatz der Heilbronner Stimme kann allen empfohlen werden, die an Rhetorik interessiert sind. Manchmal möchte man meinen, diese Sätze wären nie gefallen – und dann wieder zeigen sie doch, was die Öffentlichkeit anhand dieses Interviews lernen kann. Eine Chance für die Fehlbesetzung im Gesundheitsministerium?Freitag, 5. Februar 2010
Manchmal ist die FDP wirklich zum Piepen: Der Bundesgesundheitsminister ist seinem Amt offenkundig nicht gewachsen – das weiß er mittlerweile selbst. Doch da macht sich Guido Westerwelle „persönlich zum Krisenmanager seines jungen Ressortchefs“, wie eine Zeitung berichtete.
Wörtlich sagte Guido Westerwelle: Er muss eine Chance haben. Nun fragt sich allerdings jeder im Lande: Warum ausrechnet Philipp Rösler? Argumente gibt es für ihn so gut wie keine – aber das trifft leider auch auf andere Minister der CDU/CSU-FDP-Regierung zu. Deutschland kann nur hoffen, dass es keine größeren Wirtschaftskrisen in dieser Legislaturperiode mehr gibt denn dort sitzt ein weiterer Minister, dem die Bürger kaum etwas zutrauen. Was macht Frau Merkel mit der Macht?Dienstag, 2. Februar 2010
Die Kanzlerin wirkt politisch verbraucht. Selbst die Fernsehmacher, die sie all die Jahre mit Wohlwollen durch ihre erste Amtszeit begleitet haben, werden nach und nach hellhörig. Noch sieht man das stille Kopfschütteln der Moderatorinnen und Moderatoren nicht, aber man spürt es bereits.
Auch gestern wirkte Frau Merkel nicht wirklich entschlossen. Die Hotelmehrwertsteuer wird sie verfolgen, auch wenn sie jetzt vor die Kamera tritt und sie als Teil des „Wachstumbeschleunigungsgesetzes“ verteidigt – allerdings so schwach, dass man meinen könnte, sie glaube selber nicht, was sie da sagt. Die Reise mit der CDU/CSU-FDP-Koalition ist in Deutschland zu einer Reise ins Ungewisse geworden – lediglich der Bundesverteidigungsminister ragt noch gelegentlich aus der Brandung wie ein Fels – er ist auch einer der wenigen in der neuen Regierung, der genügend echte Persönlichkeitswerte besitzt, um ein Ministeramt zu bekleiden. Die neuen Minister erweisen sich als blass: Guido Westerwelle ist politisch angeschlagen und wirkt dennoch trotzig und selbstgefällig – damit fällt er beim Publikum durch. Wer nicht wenigstens zu ein klein wenig Selbstkritik bereit ist, wird mit Recht verachtet. Keiner seiner Ministerkollegen aus der FDP leistet etwas, das man wirklich vorzeigen könnte – vom Wirtschaftsminister beispielsweise hörte man so gut wie gar nichts mehr, und der Gesundheitsminister scheint ebenfalls keine glückliche Amtsführung vorweisen zu können: FDP allein reicht eben nicht, Lebenserfahrung. Standhaftigkeit und Weitblick würden besser passen. Angela Merkel konnte etwas: Die Große Koalition führen. Aber erst jetzt merken wir, wie wichtig die starken Minister der SPD waren, die im Hintergrund für sie die Knochenarbeit taten. Sie hat nun keine starken Männer und politische Schwergewichte mehr beim Koalitionspartner, sondern muss mit einer FDP regieren, der man keinerlei staatsmännische Kompetenz mehr zutraut, seit sie die ersten 100 Tage im Amt ist. Sicher – Frau Merkel ist nicht zu beneiden, und sicher, die Kanzlerin ist trotz Richtlinienkompetenz nicht die Regierungskoalition. Aber dennoch erwartet die Bürger in Deutschland, dass sie die Regierung führen kann – zu sehen ist davon freilich kaum etwas. Die WELT kommentierte ähnlich. BRIGITTE ohne Models – und sonst wie gehabtFreitag, 29. Januar 2010
Die erste BRIGITTE ohne Model ist da - na und? Wir hören sattsam Bekanntes vom Chefredakteur: "Einen Platzhalter brauchen Frauen nicht mehr. Sie wollen kein Rollenbild vorgesetzt bekommen, das ihnen suggeriert, wie sie aussehen sollten, sondern selbst am Entwurf beteiligt sein".
Das kling nun beinahe so, als ob Frauen bisher „Platzhalter“ gebraucht hätten, nur nach Rollenbildern gelebt hätten und sich jederzeit und überall hätten vorschreiben lassen, wie sie aussehen sollen, was die Aussage der Redaktion von vornherein als Hohlsprüche entlarvt. Etwas weiter ging noch die Friendscout-Kolumnistin Sarah A. Young. Sie vermutet, dass die BRIGITTE lediglich auf billige PR aus ist und schreibt: … Zu erwarten, dass Brigitte von nun an nur noch Amateur-Fotos von übergewichtigen Hausfrauen um die 40 abbildet, damit sich die Leserklientel leichter wiederfindet oder distanzieren kann, ist vielleicht ein wenig naiv … Gleiches gilt aber auch für die Glorifizierung des neuen Brigitte-Konzepts, dem augenscheinlich auch Gründe wie beständig sinkende Auflagen zugrunde liegen. Was besonders bedauerlich ist, wird gleich von vornherein offenkundig: BRIGITTE hatte lauthals verkündet, dem Magerwahn entgegentreten zu wollen – und was finde wir auf dem Titel? ( 2/2010) Nun, sie dürfen raten – das „Brot-und-Butter“-Thema der gesamten Frauenpresse: Diätvorschläge („Die neue Diät – so passt sie in ihr Leben“). Was mich besonders entgeisterte: Das vollgekleisterte Gesicht soll also das Abbild der modernen, natürlichen Frau sein? Ich habe mir daraufhin auch die Nummern drei und die Nummer vier dieses Jahres angesehen. In Nummer vier bringt die BRIGITTE beispielsweise „zwölf Schnitte und Stylings von den besten Friseuren Londons“ und eine Dame, die mit sinnlichem Blick und halb offenem Mund in eine bessere Zukunft blickt. Der einzige Unterschied, den ich zu bisherigen BRIGITTE-Ausgaben feststellen konnte, ist der aufgepappte Punkt: „ohne Models“ – na, wenn das alles sein soll, was neu ist, dann mal gute Nacht, schöne Mittelstandsfrau – und bevor ich vergesse, dies zu erzählen: BRIGITTE-Leserinnen sind überdurchschnittlich gebildet, meist berufstätig und verfügen über ein hohes Haushaltseinkommen. Warum diese Frauen nicht mit Models leben können, ist mir ein Rätsel. Was ich vorher bereits schrieb über das neue BRIGITTE Konzept, lesen Sie hier. Voodoo als Druckmittel für Huren?Donnerstag, 28. Januar 2010
Die Frage, ob man mit Aberglauben Frauen in die Prostitution zwingen kann, wird derzeit gerade ernsthaft in die Presse getragen. Die Frankfurter Rundschau, die sich selbst ja wahrscheinlicher zur seriösen deutschen Presse zählen dürfte, titelte „Hexe unter Anklage“, die BILD-Zeitung „Frauen mit Voodoo-Zauber zum Sex gezwungen“, der Wiesbadener Kurier noch recht zurückhaltend „Zuhälterei mit Voodoo-Zauber“. Grundlage ist eine dpa-Meldung, aus der zitiert wird: „Der 37-Jährigen wird vorgeworfen mindestens drei Frauen aus ihrer Heimat mit Voodoo-Zaubersprüchen eingeschüchtert und in Bordellen untergebracht zu haben“.
Offenbar soll der Leserschaft vieler Zeitungen glaubhaft gemacht werden, dass es sich dabei ausschließlich um einen Voodoo-Zauber gehandelt hat – wer genau liest, stellt aber bald fest, dass es sich um einen Fall von Menschenhandel und Zuhälterei handelt, bei dem der Voodoo-Zauber nur eine untergeordnete Rolle spielte – wenn es nicht überhaupt eine Schutzbehauptung ist. Damit soll nicht bestritten werden, dass man mit Voodoo und anderen Ritualen Menschen tatsächlich gefügig machen kann – eine angeblich “christliche“ Sekte soll auf diese Weise ja sogar junge Mädchen zum „flirty fishing“ animiert haben. Es ist allerdings die Frage, ob solche reißerischen Aufmacher wirklich nötig sind, um die Problematik verstehen zu können. Übrigens behaupten auch die Anhänger gewisser Verführungs-Gurus (PUAs), Frauen reihenweise durch eine hypnoseähnliche Technik „flachlegen“ zu können – sie behaupten, dabei die angeblich „wissenschaftliche“ Methode NLP zu verwenden. Die FDP muss wieder wahrhaftig werdenMittwoch, 27. Januar 2010
Der deutschen Freien Demokratischen Partei hängt seit langer Zeit ein Makel an, der sie für viele Menschen unwählbar machte: die aggressive und dabei äußerst durchsichtige Politik gegenüber ihrer wahren oder vermeintlichen Klientel.
Bei der letzten Bundestagswahl wählten dennoch viele Menschen FDP, weil sie mehr Freiheit für den Bürger wollten und die Sozialdemokratie für den Bremser wirtschaftlichen Fortschritts hielten. Doch die FDP hat diesen Bonus nicht über die Wahl hinübergerettet und wirkt heute nicht nur so farblos wie nie zuvor, sondern machte Fehler über Fehler – in der Sozial- und Gesundheitspolitik zuerst und in der Wirtschaftspolitik leider auch, während man von einem „Mehr“ an Bürgerfreiheit und Bürgerverantwortung nichts mehr bemerkt. Gegenwärtig, so scheint es, resultiert das Oberwasser der FDP in erster Linie aus der Führungsschwäche der deutschen Bundeskanzlerin, doch der Wähler hat, mindestens nach Auskunft der Demoskopie, das Spiel um die Macht inzwischen durchschaut und ist zurückgerudert – freilich, es ist noch ein weiter Weg bis zur 5-Prozent-Partei, aber wenn die FDP so weitermacht, dann schafft sie es vielleicht doch noch, von fast fünfzehn über neun Prozent auf fünf Prozent zurückzufallen. Es wäre wohl an der Zeit, einmal etwas kräftiger nachzudenken, als wir dies von den FDP-Ministern bislang gewohnt sind.
Geschrieben von Gebhard Roese
in Bundespolitik
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Tlia Tequila vermarktet ihre „100-Prozent-Schwangerschaft“Mittwoch, 27. Januar 2010
EILMELDUNG - © 2010 by sehpferd, Budapest. Wenn es ein Junge ist, werde ich ihn Jaden nennen, wenn es ein Mädchen ist, wird sie Violet heißen“, verriet die Myspace-Prominente und selbstdefinierte Bisexuelle Tila Nguyen aka Tila Tequila dieser Tage der staunenden Presse. Nun aber ist sich Tila Tequila ganz sicher, schwanger zu sein.
Bereits zuvor hatte es Gerüchte über eine mögliche Schwangerschaft der 28-jährigen exotischen Internetberühmtheit gegeben, doch zunächst musste sie erst einmal den Tod ihrer angeblichen verlobten Casey Johnson vermarkten, was sich im Nachhinein offenbar nicht als so publikumswirksam herausstellte. Zwischenzeitlich versuchte sie, sich als Gottesbotin auszugeben, was verschiedene Kommentatoren daran zweifeln ließ, ob Frau Nguyen diese Beiträge bei vollem Bewusstsein geschrieben hätte. Nun allerdings hat sie den Publikumshit nummer eins: Schwangerschaft. Mag vielen Single-Frauen die Botschaft wie ein Horror klingen, Schwanger geworden zu sein, so ist es für Frau Nguyen der Beginn einer neuen, verheißungsvollen Marketingkampagne, denn das Nguyen-Baby wird sich mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit besser vermarkten lassen als jedes andere Baby zuvor. Angekündigt wurde es jetzt so: “THE BIG NEWS EVERYONE: TILA TEQUILA IS OFFICALLY PREGNANT, 100% CONFIRMED!!!!!!!!!!!!!! & THIS BABY WAS NO "ACCIDENT" EITHER!!!!!!!!” Der Mythos, dass es ein gewolltes Kind sei, wurde gleich mitgeliefert und noch in eine Wolke von lila Kitsch verpackt: "Es ist eine wahrhaftig anrührende Geschichte, die ich euch ein andermal erzählen werden … aber ich wurde Schwanger für Casey! (ihre angebliche Verlobte red). Weil sie eine Familie gründen wollte und bereits eine adoptierte Tochter hatte, wollte eigentlich sie diejenige werden, die schwanger werden wollte. Aber nun, da sie von uns gegangen ist, wird ein neues Leben geboren und ich weiß, dass ihr Geist in meinem wundervollen, geheimnisvollen Baby ist, das jetzt in mir wächst“. Wir müssen also damit rechnen, dass Frau Tequila nicht aus den Schlagzeilen herauskommt. Im Moment versucht sie gerade, zuerst die US-amerikanischen alleinerziehenden Mütter in ihre PR-Kampagne einzubinden. Krokodilstränen um Mitarbeiter – wer sind die Profiteure?Dienstag, 26. Januar 2010
Das Missverhältnis zwischen dem Deutschen als Kunden und als Arbeitnehmer könnte an nichts besser bewiesen werden als an dem Fall einer deutschen Drogeriekette, der jetzt allgemein Schlagzeilen macht: Schlecker. Für Journalisten ist das Thema offenbar Gold wert: Immer neue „Enthüllungen“ werden hervorgekramt, und manche Mitarbeiterin lässt sich zu einem Interview überreden. Freilich kommen dabei keine sensationellen „Fakten“ heraus, sondern Dinge, die ohnehin bereits bekannt waren.
Wenn wir akzeptieren, dass Unternehmen zunächst einmal Gewinne machen müssen, dann ist das Gewinnstreben an sich nichts Verwerfliches. Fallen nun die Gewinne durch einen ruinösen Preiswettbewerb stetig, so muss irgendwo gespart werden – und es ist wahrhaftig nicht die feine Art, dies beim Stammpersonal zu tun. Das ist der Anteil am Fall der Drogeriekette, den man mit Recht beklagen kann. Wem aber kam der Preiskampf bisher ausschließlich zugute? Sie raten es: ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Ihnen allein. In Ihrer Verantwortung lag, dass viele kleine Drogerien mit höheren Preisen haben schließen müssen, weil Sie oft kleine Preisvorteile bei den großen Ketten gesucht und gefunden haben. Sie als Verbraucher haben die Drogerieketten groß gemacht, der Preiskampf wird vor Ihren Augen ausgetragen und nur Sie haben den wirklichen Profit davon. Insofern sind die Tränen um die Arbeitsbedingungen zum Teil eben auch Krokodilstränen – doch davon hören wir in der Öffentlichkeit kein Wort. Es ist eben viel praktischer, mal wieder den angeblich so gierigen Kapitalismus zu verdammen. Die Schwierigkeiten des Einzelhandels werden von der einschlägigen Presse bewusst heruntergeredet, weil damit kein Leser hinter dem Ofen hervorgelockt werden kann - aber eine Angestellte, die vom Unternehmen angeblich „bewusst ausgehungert“ wurde, wie der Stern schrieb, die bringt natürlich Leser. Ist die SPD lernunfähig?Sonntag, 24. Januar 2010
Es hätte so gut aussehen können für die Zukunft Deutschlands: CDU, SCU und FDP hätten ein starkes Team bilden können, dass uns schneller aus der Wirtschaftskrise herausbringt als andere, Angela Merkel hätte eine führungsstarke Bundeskanzlerin sein können, und die SPD hätte in der Opposition lernen können, wie man sich politisch konstruktiv zu einer Partei mausert, die durch Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit wieder zur Wählbarkeit zurückfindet.
Die Wahrheit: CDU, CSU und FDP zeigen ein desaströses Bild der Willensbildung, Angela Merkel findet die Zügel nicht, mit der sie die Regierungsverantwortung lenken kann, und die SPD fantasiert mithilfe ihres linken Flügels schon wieder von einer rot-rot-grünen Regierung. Die SPD scheint derzeit lernunfähig zu sein, was wirklich schade ist. Sie hat gerade einen schwachen, uneinigen Gegner und sollte all ihre Kraft darauf konzentrieren, sich mit der Regierung auseinanderzusetzen, so, wie es ihr Auftrag ist und so, wie das Volk es von ihr erwartet. Stattdessen geht man schon wieder auf rot-roten Schmusekurs. Es wäre wirklich an der Zeit, die SPD-Linken wieder auf die Schiene zu setzen – aber das haben schon andere versucht und sind daran gescheitert. Schade eigentlich – den selbst die Gegner der Sozialdemokratie wünschen sich eine starke Opposition und keine Links-links-Schmuserei. Mobilmachung für den westlichen Kulturkampf?Samstag, 23. Januar 2010
Noch nicht mit allen Mitteln, aber doch mit vielen kleinen Tricksereien wird derzeit versucht, die Menschen in Deutschland für den Kulturkampf zu mobilisieren, und es ist nicht die Regierung, die es betreibt. Wenn wir uns kurz erinnern: Auch in der Schweiz war es nicht die Regierung, sondern das Volk, das Minarette verbieten lassen wollte.
Kurz gesagt: Der alte Kampf "westliche Kulturen gegen östliche Kulturen" soll wieder belebt werden, und „Christentum versus Islam“ ist dafür nur der Aufhänger. In Wahrheit geht es um etwas anderes, nämlich um das Selbstherrlichkeitsprinzip: Wir wissen nicht nur, was für andere möglicherweise besser sein könnte, sondern wir wollen bestimmen, was für andere gut und richtig ist. Die Diskussion und er TAZ beweist: Feministische Kritik am Islam ist und bleibt ein „Ausdruck eurozentristischer Dominanzkultur“ – ähnlich übrigens, wie der Krieg, den die USA und Europa in Afghanistan führen. Die Arroganz, kulturell für die ganze Welt sprechen zu wollen, mag nicht unbedingt deutsch oder eurozentrisch sein, sie widersetzt sich aber immerhin einer in Jahrtausend gewachsenen Kultur, und wenn ich schreibe „einer Kultur“, dann ist dies auch falsch, denn in Wahrheit maßen sich die Vereinfacherinnen und Vereinfacher ja an, für alle Kulturen zu sprechen. Germanische Bräuche wurden in Deutschland auf diese Weise schon lange fast völlig getilgt oder von Christen vereinnahmt, Buddhisten werden sowieso ignoriert, und Hinduisten und Konfuzianer erst gar nicht berücksichtigt – von den Naturreligionen und ihren Kulturen einmal ganz zu schweigen. "Frauen, gar Feministinnen haben aber triftige Gründe, bestimmten Traditionen, die von ihren Befürwortern religiös begründet werden, entschieden entgegenzutreten“ ... heißt es in der TAZ. Was ist denn dies anderes als die Arroganz, für alle Frauen sprechen zu wollen und die Kulturen aller Welt zu verändern? Damit ich nicht falsch verstanden werde: Diese Kulturen werden sich verändern. Aber auch die Situation der Frauen in Deutschland hat sich nicht in die Richtung verändert, die Salon-Feministinnen einmal vorgegeben hatten – das Leben entwickelt sich nicht nach den Richtlinien neuer Ideologien, sondern nach den Bedürfnissen der Menschen. Änderungen müssen immer aus dem eigenen Kulturkreis kommen, wenn sie friedlich und dauerhaft sein sollen, und sie entwicklen dabei eine Eigendynamik. Von ganz anderer Seite wird argumentiert, die Linken müssten nun endlich zu dem von ihnen propagierten Atheismus stehen und dürften sich daher nicht derart intensiv für die Rechte der Muslime einsetzen, wie sie es angeblich gerade tun. Wer das schreibt, geht schon von der falschen Voraussetzung aus, der Linken sei es 1968 um den Atheismus gegangen. Nein, so war das nicht. Es war vielmehr die von der Adenauerregierung begründete und seither immer weiter fortgetragene Macht rechtsgerichteter und judenfeindlicher Kirchenkreise, gegen die sich die Wut richtete, und dies völlig zu Recht. Es ist aber absurd, wenn das Magazin Freitag nun schreibt: „In dem Streit um den Bau der Kölner Moschee z. B. stellten sich linke Organisationen, die Partei Die Linke und die Grünen, auf die Seite der Bau-Befürworter. Das war widersprüchlich, denn von ihrem atheistischen und antireligiösen Standpunkt aus hätten sie sich gegen den Bau jeglicher Gotteshäuser aussprechen sollen.“ Solche Aussprüche sind infam, denn damit werden sowohl Linke wie auch Grüne bezichtigt, sowohl atheistisch wie auch antireligiös zu sein – was sie nicht zwangsläufig sind – und zudem gehört die religiöse Toleranz, dies es beim Bau von Christenkirchen, Moscheen, Synagogen und anderen Gebetsstätten zu verteidigen gilt, zu den Rechten, die in Deutschland unverbrüchlich zu gewährleisten sind. Da ich kein „Linker“ und auch kein „Grüner“ bin, könnte ich über die Diskussion einfach hinwegsehen – doch gilt es wachsam zu sein gegen jede Art von Überheblichkeit gegenüber anderen Kulturen. Man kann die eigene Kultur kritisieren, weil man sie kennt und in ihr aufgewachsen ist – um fremde Kulturen zu kritisieren, bedarf es aber einer tiefen Einsicht, die oft als das „Gehen in den Schuhen des Anderen“ beschrieben wird. Zum Schluss noch eine Randbemerkung aus theologischer Sicht: „Freitag“ empfiehlt der Linken sich bezüglich des Islam mit „religiösen Inhalten“ auseinanderzusetzen. Das klingt zunächst wie ein verständlicher Hinweis, entpuppt sich aber bei näherem Hinsehen ebenfalls als bloße Provokation: Man kann einer fremden Religion nicht einfach näher treten, sondern muss sich im Grunde in den Glauben, die Kultur und die Theologie hineindenken. Genau genommen ist dem Fremden am Ende nur die Theologie zugänglich, und sie ist der Teil, an dem es am meisten zu kritteln gibt, wie einschlägige Internetseiten täglich offenlegen. Ich kann jedem Christen nur empfehlen, zunächst einmal vor der eigenen Tür zu kehren und die christliche Theologie (nicht die Religion) einmal auf den Prüfstand zu stellen. Wahrscheinlich wird er bei genügend kritischer Betrachtung am Ende zum Pfarrer laufen und sagen: „Um Himmels willen, und das sollen wir wirklich glauben?“ Der Unwort-UnfugMittwoch, 20. Januar 2010
Ob Bauernvorführung „Bauer sucht Frau“, Abkanzlungspopularität in DFDS oder die Unwortsuche der Jury um Professor Dieter Schlosser: Hauptsache, man ist in den Medien. Doch während die beiden erstgenannten Ereignisse als öffentlicher Klamauk hinreichend bekannt sind, wird das Unwort des Jahres zelebriert wie ein Heiligtum.
Diesmal heißt das Unwort „Betriebsratsverseucht“, und die ersten Reaktionen von Gewerkschaften zeigen, wie richtig man damit ins politische Schwarze getroffen hat. Nur, dass Betriebsratsmitglieder ihrem Unternehmen eigentlich näher stehen als den Gewerkschaften. Zudem ist dieses angebliche „Unwort“ eher ein ungehörtes Wort. Während es jetzt durchs Dorf getrieben wird wie eine Sau, war es vorher so gut wie unbekannt. Fragt sich, was eigentlich in den Köpfen der Jury um den Frankfurter Germanisten Horst Dieter Schlosser vorgeht – und es fragt sich zudem, was die Bemerkung sollte, dieser Ausdruck „brandmarke den Tiefpunkt im Umgang mit Arbeitnehmern“. Abgesehen davon, dass ich bezweifle, dass die Jury überhaupt Kontakt zu „ganz gewöhnlichen Arbeitnehmern“ hat, ist der Ausdruck eher schelmenhaft gemeint gewesen als bösartig. Der Deutschlandfunk-Kommentator Burkhard Müller-Ullrich schrieb dazu: „So lächerlich die Unwortklauberei von Schlosser und seinem Verein ist, so bedenklich ist die dahinter stehende Vorstellung von Sprache.“ Genau das ist es: Man will eine reingewaschene, sozial korrekte Gutmenschensprache, verfügt nicht über den nötigen Humor, um sinnreich mit Sprache umzugehen und verdammt Ausdrücke, die zwar plakativ, aber recht exakt bezeichnen, was gemeint ist: Noch nicht lange ist es her, seit dieselbe Gruppe von Leuten das „Humankapital“ (2004) verdammt hat, das uns Deutsche am Leben erhält und die Grundlage des wirtschaftlichen Erfolg der Deutschen darstellt. Der einzige Grund, warum das humane Kapital dieses Landes nicht Humankapital genannt werden darf, liegt in der Arroganz der Elfenbeintürme. Was der Grund für die unselige Wortwahl 2009 war, ist nicht bekannt. Vielleicht wollte man mal wieder zeigen, wie böse doch der Kapitalismus ist. Warum Männer zu Huren gehenMontag, 18. Januar 2010
Ich hätte den Artikel besser nennen sollen: "Warum Männer zu Huren gehen und Feministinnen Wissenschaft betreiben", denn nach meinen Recherchen stellte sich heraus, dass man kaum ein Bild von den Männern bekommt, die in London zu Huren gegangen sind - dafür aber ein ausführliches Bild von einem international operierenden Extremfeminismus.
Julie Bindel schrieb für den Guardian über Ihre Interviews mit Männern, die zu Huren gehen. Bei den betreffenden Männern handelte es sich um Teilnehmer an einer Befragung, die innerhalb eines feministischen Forschungsprojekts durchgeführt wurde. Für die Studie, die von Melissa Farley, Julie Bindel selbst und Jacqueline M. Golding im Auftrag von „eaves“ durchgeführt wurde, befragte man offenbar 103 Londoner Männer, die sich Sex bei Huren kauften. Sowohl die Studie wie auch das Interview hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Man kann sich des Verdachts nicht erwehren, dass für die Studie Männer gefunden wurden, die von vornherein darin litten, zu Huren gehen zu müssen und die keine Freude daran hatten, sich mit diesen Huren zu vergnügen. Das mag vielleicht auch daran liegen mag, dass es sich um den Bodensatz der Prostituierten handelte, der von diesen Männern besucht wurde – jedenfalls fehlen im Bericht der drei Forscherinnen die Preisangaben, die einen gewissen Ausschluss über die Qualität der gesuchten Kurzzeitkontakte gegeben hätte. Die Organisation wirbt zudem auf ihrer Webseite für etwas, was sie als „nordisches Modell“ bezeichnet: die Kriminalisierung von Männer, die sich Sex kaufen und die Entkriminalisierung von Frauen, die Sex verkaufen. Damit stellt sie sich klar auf die Seite von Ideologen aus dem feministischen Lager, die nichts anderes im Kopf haben, als Männer in die kriminelle Ecke zu stellen, die nichts wollen als ein wenig sexuelles Vergnügen – und ich frage mich, ob die befragten Männer überhaupt wussten, mit welcher Art von Forschung sie es zu tun hatten. Die Studie hat denn auch zumindest in Teilen tendenziöse Züge, etwa, wenn die Männer befragt werden, was nach ihrer Ansicht die Prostitution überflüssig machen könnte. Ich selber konnte weder aus der Studie noch aus den Interviews der englischen Journalistin irgendwelche plausiblen Gründe finden, warum die Männer erstens zu Huren gehen und zweitens vielleicht davon absehen würden – insofern glaube ich, dass sowohl der Artikel wie auch die Studie selbst im Grunde wertlos ist. Für interessierte Feministinnen: lesen Sie die Studie im Original (pdf) oder lesen Sie, was im Guardian stand. Via: Nerve. Ms. Robinson und die moralisierende Geilheit der PresseDonnerstag, 14. Januar 2010
Seit Tagen schreien nun Boulevardjournalisten und auch Angehörige der vorgeblich „seriösen“ Presse heraus, dass es in Nordirland einen Skandal gibt. Wenn, dann ist es höchstens ein Skandälchen, und wenn es denn ein Skandälchen ist, dann hat es mit Sex höchstens ein ganz klein wenig zu tun und mit sexueller Moral nur insofern, als man nicht mit dem Finger auf andere zeigen sollte, wenn man im Glashaus sitzt.
Dreh und Angelpunkt der Geschichte ist die attraktive 60-erin Iris Robinson, die Frau des eigentlich noch amtierenden „ersten Ministers“ von Nordirland. Sie hat möglicherweise ein paar Dinge getan hat, die man als Politikerin und Ehefrau eines Politikers besser entweder niemals tut oder aber, wenn man sie denn schon tut, so vertuscht, dass sie nicht aufgedeckt werden. Wer die Vorwürfe, die die BBC gegen sie erhebt, durchliest, wird vermutlich lächeln. Nun, und was ihren Gatten Peter Robinson betrifft: Der ist auch erst seit ziemlich kurzer Zeit „Erster Minister“. Die angeblichen Freveltaten der Iris Robinson sind politische Bagatellen, die man durchaus locker sehen könnte. Doch nachdem nun alles andere ruchbar wurde, kam dann auch noch das heraus, was die Hyänen der Weltpresse immer gerne haben: eine Affäre, eine klitzekleine, winzige Affäre und wirklich nur eine einzige, die jetzt betont moralisierend aufgebaut wird. Wäre Frau Robinson Ms. Smith, dann hätte sie mit ihrem 19-jährigen Liebhaber Schiffe versenken spielen können oder Bingo oder Haschmich. Aber für eine „Gattin des Staatschefs“ (die sie nicht ist) gehört sich so etwas nun mal nicht. Das mag ja sein – fragt sich nur, warum sie sich jetzt angeblich „in eine psychiatrische Klinik geflüchtet“ hat und in „Belfast in 'intensiver' Behandlung ist. Die britische Presse, die inzwischen bar jeder Moral ist, gleich, um welches ehemals honorige Presserezeugnis es sich handelt, schlachtet die angebliche Affäre nun nach Strich und Faden aus – und da will die deutsche Presse natürlich auch einen Happen davon abbeißen. Es scheint, als lebe die deutsche Presse richtig auf, wenn es um ein paar Lustmomente einer 60-jährigen geht – da kann man mal so richtig ind die Sch… hauen … Pardon, auf den Zeiger klopfen und seine pseudomoralische Seele heraushängen lassen. Auffällig ist natürlich auch die eklige Doppelmoral, die neben der moralisierenden Geilheit der Nachricht gleich mitvermarktet wird: Wenn der Ehemann einer Ministerin eine Affäre mit einer 19-jährigen gehabt hätte, wäre vielleicht mal ein Fünkchen aufgeblitzt – aber das wäre auch alles gewesen – jedenfalls in der deutschen Presse. Aber so kann man eben mal wieder deutlich machen, wes Geistes Kind man eigentlich ist. Mehr im Zeit-Blog und beim Inforadio.
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